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Rostock Ehemaliger Chef der Uni-Kinderklinik schreibt Brandbrief an Schwesig
Mecklenburg Rostock Ehemaliger Chef der Uni-Kinderklinik schreibt Brandbrief an Schwesig
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10:47 29.01.2019
Die Kinderklinik der Rostocker Universitätsmedizin: Sie soll durch einen modernen Neubau in der Südstadt ersetzt werden. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Es sind drastische Worte aus berufenem Munde: Prof. Dr. Michael Radke, ehemaliger Direktor der Rostocker Uni-Kinderklinik, warnt in einem Brandbrief vor einem „zweiten Wolgast“, einem erneuten politischen Fiasko für die Landespolitik. Dieses Mal in der größten Stadt des Landes. In Rostock soll zwar keine Geburtenstation geschlossen werden (so geschehen 2016 in Wolgast), doch auch in der Hansestadt behandle die Landespolitik die Kindermedizin stiefmütterlich. Denn in Sachen der geplanten neuen Kinderklinik geht es immer noch nicht voran. Radke fordert nun Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) auf, das Thema zur Chefsache zu machen. Und sein Appell wird offenbar erhört. Bildungsministerin Birgit Hesse (ebenfalls SPD) kündigt jetzt im OZ-Interview an: „Wir werden uns jetzt zeitnah zusammensetzen und das Projekt forcieren.“

Stillstand seit Jahren

Bereits seit 2014 arbeiten die städtische Südstadt-Klinik und die landeseigene Uni-Medizin an den Plänen für ein gemeinsames, hochmodernes Kinderkrankenhaus in Rostock. Im Eltern-Kind-Zentrum wollen beide Kliniken ihr Personal und ihr Fachwissen bündeln – um eine Einrichtung zu schaffen, die die Leben von kleinen Patienten aus dem gesamten Land retten soll. Eine hochspezialisiertes Krankenhaus für die Jüngsten. 60 Millionen Euro soll der Neubau kosten, als Standort haben sich beide Partner schon vor Jahren auf die Südstadt geeinigt. Auch das Land – Finanzminister Mathias Brodkorb, Bildungsministerin Birgit Hesse (beide SPD) und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) bekannten sich zur Südstadt. Seitdem tat sich aber rein gar nichts auf Landesseite. Und während der Sitzung der Uni-Klinik-Aufsichtsrates Ende September wurde nun auch noch die Standort-Debatte neu entfacht – ausgerechnet vom wissenschaftlichen Vorstand der Uni, Dekan Prof. Dr. Emil Reisinger. Er sprach sich laut Protokoll der Sitzung dafür aus, das neue Zentrum an der Schillingallee einzurichten statt in der Südstadt. Weitere Verzögerungen gelten als sicher.

„Zu Lasten kranker Kind“

Michael Radke, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik im Klinikum Westbrandenburg und bis Jahresende zugleich Direktor der Uni-Kinderklinik in Rostock, bezeichnet die Vorgänge als eine Farce: Im Vorstand der Universitätsmedizin seien seit Bekanntwerden von zwischenzeitlich entkräfteten Vorwürfen gegen den Ärztlichen Vorstand Prof. Dr. Christian Schmidt interne Machtkämpfe entstanden, schreibt Radke in dem Brief an Miniterpräsidentin Schwesig. „Diese Machtkämpfe lähmen die gesamte Universitätsmedizin Rostock schaden ihr nachhaltig.“ Bereits 2017 sei im Auftrag des Aufsichtsrats ein Konzept zum Neubau des Eltern-Kind-Zentrums abgestimmt worden. „Diese Konzept droht zu Lasten heute und morgen kranker Kinder ins Abseits gestellt zu werden.“ Das sei nicht nur ein Rostocker Problem.

Radke kritisiert auch Reisinger auf das Schärfste – ohne aber dessen Namen zu nennen: „Leider ist die Leitung der Medizinischen Fakultät offensichtlich nicht willens oder in der Lage, ein für die Bevölkerung wichtiges politisches Signal zu verstehen: Eine Gesellschaft, auch ein Universitätsklinikum kann nur so gut sein, wie es sich um die Schwächsten kümmert.“ Schwesig möge das Thema zur „Chefsache“ machen statt der Hängepartie zwischen den Ministerien zuzusehen. Welche Folgen das Nichtstun der Landesregierung haben kann, hätte sich in Wolgast gezeigt: Dort gibt es bis heute Proteste gegen die Schließung der Geburtsstation, dort holte die Alternative für Deutschland (AfD) ihren besten Ergebnisse bei den Landtagswahlen. Wenn Schwesig nicht wolle, dass sich so etwas in Rostock wiederholt, müsse sie endlich selbst handeln. „Wenn schon einige Universitätsprofessoren diesbezüglich Scheuklappen haben mögen und meinen, sie agierten im politikfreien Raum, so irritiert mich sehr, dass professionelle Politiker diese Entwicklung nicht wahrnehmen“.

Ministerin beendet Standort-Debatte

Schwesig selbst hält sich zu dem Thema zurück. Regierungssprecher Andreas Timm sagt aber, die Ministerpräsidentin habe den Brief Radkes gelesen: „Die Ministerpräsidentin unterstützt die Idee eines Eltern-Kind-Zentrums in Rostock. Dazu ist eine Kooperation zwischen der Universitätsmedizin und dem Südstadt Klinikum nötig. Das Bildungs- und Wirtschaftsministerium sind dazu in Gesprächen mit den Beteiligten vor Ort.“ Nach OZ-Informationen hat Schwesig am Rande der jüngsten Kabinettssitzung Ministerin Hesse direkt auf das Thema angesprochen und Lösungen gefordert. Und die soll es nun auch zeitnah geben: „Das Eltern-Kind-Zentrum ist gewollt – von der Hansestadt Rostock, der Uni und der Landesregierung. Dass hat auch die Ministerpräsidentin mehrfach betont. Warum jetzt Aussagen getätigt werden, wir müssten nochmal über den Standort nachdenken, kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben uns auf einen Standort verständigt.“ Und dieser Standort sei die Südstadt, der sei gesetzt. „Die Landesregierung steht zu ihren Zusagen. Eine neue Standort-Debatte ist nicht dienlich“, so Hesse im OZ-Interview.

Rostocker Appell ohne Uni?

Nach OZ-Informationen sollte bereits vergangene Woche ein zweiter Brief zu dem Thema an Schwesig geschickt werden – unterzeichnet von den Klinik-Chefs Vollrath und Schmidt sowie Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) und Uni-Rektor Wolfgang Schareck. Während Methling, Schmidt und Vollrath den Brief bereits unterschrieben haben, fehlt nach wie vor die Signatur des Uni-Chefs. Angeblich seien noch Fragen offen. Nach OZ-Informationen geht es um Geld: Führende Mediziner der Universität – so jedenfalls heißt es aus Rathaus-Kreisen – fürchten, dass vor allem die Südstadt-Klinik finanziell profitieren werden – und weniger die Uni und sie selbst.

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Andreas Meyer

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