Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Neue Schiffe für Arosa: Rostocker Reederei ordert Akku-Antrieb
Mecklenburg Rostock Neue Schiffe für Arosa: Rostocker Reederei ordert Akku-Antrieb
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:30 02.04.2019
Jörg Eichler, Geschäftsführer von Arosa, hat zwei weitere Schiffe für die Rostocker Reederei bestellt.
Jörg Eichler, Geschäftsführer von Arosa, hat zwei weitere Schiffe für die Rostocker Reederei bestellt. Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rostock

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Die Rostocker Flusskreuzfahrt-Reederei Arosa stellt im Mai in Portugal ihr neuestes Schiff in Dienst. Und das ist nur der Anfang: Für 2021 und 2023 hat Arosa nun weitere Neubauten bestellt. Alle zwei Jahre soll die Flotte wachsen, verrät Unternehmenschef Jörg Eichler im OZ-Interview.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Eichler, im Mai stellt Arosa erstmals seit fünf Jahren ein neues Schiff in Dienst - die "Arosa Alva" für das neue Fahrtgebiet in Portugal. Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen?

Jörg Eichler: Die letzten Jahre haben wir genutzt, um eine neue Strategie zu entwickeln, mit der Arosa sich an der Spitze des Marktes positionieren kann. Diese Neuausrichtung ist gut gelungen: Arosa ist mittlerweile bekannt als familienfreundlicher Städteurlaub mit schwimmendem Premium-Hotel. Nachdem wir 2017 mit der Seine ein neues Fahrtgebiet erschlossen haben, ist nun – 2019 – der Douro dran.

Jetzt planen Sie aber gleich die nächste Expansion der Flotte. Wie viele Schiffe wollen Sie neu bauen?

Wir werden eine neue Schiffsgeneration bauen, die alles bisher Dagewesene auf dem Fluss in den Schatten stellt. Unsere neuen Schiffe werden auf die Bedürfnisse aller ausgerichtet sein. Das erste Schiff wird 2021 in Dienst gestellt, 2023 soll das nächste folgen. Danach wird es ähnlich weiter gehen – alle Weichen bei uns sind auf Wachstum gestellt.

Und wo werden die Schiffe gebaut?

Unserer nächsten beiden Schiffe werden bei Concordia Damen in den Niederlanden gebaut. Es ist eine traditionsreiche Werft mit viel Erfahrung, bei der Innovation und Nachhaltigkeit im Fokus stehen. Das passt zu uns.

Warum nicht auf der Neptun-Werft in Rostock? Bisher war das ja quasi Ihre Stamm-Werft …

Das ist richtig. Elf unserer Schiffe wurden auf der Neptun-Werft hier in Rostock gebaut. Es ist eine Flotte von äußerst hoher Qualität, auf die wir sehr stolz sind. Doch der Schiffbau boomt nicht nur bei uns – die Neptun-Werft hat die nächsten Jahre keine Kapazitäten für unseren Neubau und musste unsere Anfrage deswegen ablehnen.

Die Kreuzfahrt-Branche setzt aktuell stark auf das Thema „grüne Antriebe“. Alle neueren Arosa-Schiff verfügen bereits über Landstrom-Anschlüsse. Gehen Sie jetzt noch einen Schritt weiter?

Nachhaltigkeit hat für uns absolute Priorität. Bei unserem neuen Schiff greifen wir nicht nur auf bestehende Technologien zurück, sondern entwickeln etwas Neues, Besseres. Matthias Lutter, unser Leiter Neubau, ist Spezialist auf diesem Gebiet. Zusammen mit der Werft hat er uns ein „E-Motion Ship“ entwickelt, das vor allem in Bezug auf die Effizienz bahnbrechend ist. Durch ein optimiertes Rumpfdesign, den Einsatz einer Luftblasentechnik sowie eines Batteriespeichers hat es einen noch geringeren Abgasausstoß, der bei unseren Dieselmotoren eh schon niedrig ist. Zudem schaltet es bei der Anfahrt auf die Städte auf Batteriebetrieb um und läuft diese somit komplett emissionsfrei an.

Wie funktioniert das genau?

Der Antrieb des Arosa-Neubaus besteht aus einem Diesel- und einem Elektromotor sowie einer zusätzlichen Batterie. Das Schiff fährt streckenweise mit Dieselmotor, dabei lädt sich der Batteriespeicher auf. Laufen wir die Städte an, wird auf den Elektromotor umgestellt, der seine Energie aus dem Batteriespeicher zieht. Wie alle anderen Schiffe der Flotte wird auch dieses mit einem Landstromanschluss ausgestattet sein, so dass die Batterie über Nacht geladen werden kann. Hierdurch ist es möglich, die Städte komplett emissionsfrei und beinahe geräuschlos anzufahrenWir haben keinerlei Ausstoß von CO₂, Ruß und Stickoxiden.

Was versprechen Sie sich davon?

Bei unseren Reisen lernen die Menschen Europa kennen – seine schönsten Städte, deren Einwohner, unsere Flüsse und deren Geschichte. Dies alles wollen wir für unsere Nachkommen erhalten. Jeder von uns muss Verantwortung für den Erhalt unserer Umwelt übernehmen – dies gilt auch und in besonderer Weise für ein großes Unternehmen wie Arosa.

Und was werden Sie den Gästen auf dem neuen Schiff bieten?

Unser Neubau soll noch mehr Komfort bieten. Die Kabinen sind mit 21 Quadratmeter so groß wie auf keinem anderen Premium-Schiff – und sie verfügen alle über einen separaten Wohn- und Schlafbereich sowie über einen großen Balkon mit Sitzmöglichkeiten für zwei Personen. Es wird an Bord mehrere Restaurants und Entertainment-Bereiche geben. Der Spa- und Wellness-Bereich ist extra groß – mit Sauna, Whirlpool, Eisgrotte und vielem mehr. Es gibt auch einen separaten Suitenbereich.

Arosa setzt stärker denn je auf Familien als Gäste an Bord. Was werden die Neubauten für Kinder und Jugendliche zu bieten haben?

Bereits jetzt bieten wir in den Ferienzeiten auf jedem Fahrtgebiet ein Schiff mit Kids Club an. Unser Neubau wird aber eine ganze „Family Area“ haben. Dort gibt es einen stationären Kids Club mit Spiel-, Tobe-, Lese- und Bastelbereich – und die Familienkabinen sind direkt nebenan. Mit 28 Quadratmetern sind diese wirklich außergewöhnlich groß. Und auf dem Sonnendeck gibt es neben dem großen Erwachsenenpool einen separaten Kinderpool mit flachem Wasser. Im Restaurant haben die Kids – wenn sie wollen – auch ihren eigenen Bereich.

Auf welcher Route wird das neue Schiff denn im Einsatz sein?

Unser neues Schiff wird vorwiegend auf dem nördlichen Rhein fahren, also von Köln aus Amsterdam, Rotterdam, Brügge und Antwerpen anlaufen.

Gibt es schon einen Namen?

Einen Namen haben wir noch nicht. Bei der „Arosa Alva“ haben wir unsere Mitarbeiter Vorschläge machen lassen und den Namen mit den meisten Stimmen genommen. Dieses Mal denken wir uns wieder etwas Neues aus.

Investiert Arosa auch in die bestehende Flotte? Was ist da geplant?

Die bestehende Flotte wird natürlich ständig gepflegt. Im Winterhafen werden jedes Jahr sogenannt „Auffrischungen“ durchgeführt. Dieses Jahr haben wir begonnen, die ersten Schiffe unserer Flotte stärker zu modernisieren und das Design aufzufrischen. Den Anfang hat die „Arosa Donna“ gemacht. Danach sind die anderen Donau- und Rhône-Schiffe dran.

Andreas Meyer