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Rostock Neue Technik für Sicherheit auf See
Mecklenburg Rostock Neue Technik für Sicherheit auf See
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00:00 16.10.2013
Arthur Sass (l., 61) und Klaus-Peter Nitsch (57) sind zwei von insgesamt 25 Mitarbeitern in der Verkehrszentrale. Fotos (2): Jens Barkhorn
Arthur Sass (l., 61) und Klaus-Peter Nitsch (57) sind zwei von insgesamt 25 Mitarbeitern in der Verkehrszentrale. Fotos (2): Jens Barkhorn
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Hohe Düne

Auf dem Turm in Hohe Düne hat er das Sagen: Klaus-Peter Nitsch ist der Leiter der Verkehrszentrale Warnemünde. Er und sein Team sind verantwortlich für die Sicherheit im Küstenrevier zwischen Kühlungsborn und polnischer Grenze. Im blauen Gebäude an Rostocks Hafeneinfahrt kommen alle wichtigen Informationen zusammen. Die Zentrale soll nun einer Verjüngungskur unterzogen werden.

„Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nimmt Geld in die Hand, um die Einrichtung zu modernisieren", erzählt Klaus-Peter Nitsch. So soll es dann eine bessere Darstellung des Radars geben, außerdem wird der UKW-Funk erneuert. Zudem werden sämtliche Schriftarbeiten, wie Tagebucheinträge, dann elektronisch erfasst.

„Eventuell bekommen wir auch eine zusätzliche Radaranlage Höhe Darßer Ort“, sagt Nitsch. Damit soll dann die komplette Kadetrinne abgedeckt werden können — denn bislang müssen sich die Männer der Seeverkehrsüberwachung auf die Angaben des Automatischen Identifikationssystems (AIS) verlassen. Dort werden auf einem Bildschirm Schiffsbewegungen angezeigt, die von den jeweiligen Fahrzeugen übertragen werden.

Die Kadetrinne ist eines der wichtigsten Gebiete, die die Männer in der Verkehrszentrale überwachen. Sie liegt zwischen der dänischen Insel Falster und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und gehört zu den bedeutendsten Wasserstraßen der Welt. Etwa 200 Schiffe täglich passieren die Kadetrinne. Besonders auf diesen Verkehr muss man ein Auge haben, denn der Seeweg ist stellenweise nur zehn Meter tief und je nach Tiefgang des Schiffs nur bis zu 500 Meter breit.

Oftmals kommt es zu brenzligen Situationen, manchmal auch zu Unfällen. Etwa im Sommer 2012, als ein unter der Flagge Panamas fahrender Frachter vor Ahrenshoop auf Grund lief. „Aber da war der Kapitän betrunken“, so Nitsch. Und erst gestern lief ein Frachtschiff vor der dänischen Küste auf Grund. Die Warnemünder halfen den Dänen bei der Beobachtung.

Nicht immer verlaufen die Vorfälle glimpflich. Das bekamen vor allem die Dänen vor zwölf Jahren zu spüren: Ein Frachter aus Zypern kollidierte in der Kadetrinne mit einem Tanker. Folge: 2000 Tonnen Schweröl trieben auf die Insel Mön zu, Tausende Vögel verendeten.

Doch auch die Hafeneinfahrt von Rostock ist ein durchaus anspruchvolles Gebiet. Die Hansestadt hat den wichtigsten Hafen in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem kommen vor allem zur Hanse Sail die Männer der Verkehrszentrale ins Schwitzen: „Das ist schon Stress“, erzählt Nitsch. Dann werde es eng im Seekanal und komme hin und wieder zu Beinahe-Unfällen. „Teilweise hält man sich nicht an die Regeln, oder die Leute fahren zu schnell. Bei vielen fehlt aber einfach eine gute Seemannschaft“, sagt er. Das wiederum kann man den Mitarbeitern der Verkehrszentrale nicht vorwerfen: Sie alle sind studierte Nautiker und früher selbst als Offiziere zur See gefahren. Einige auch als Kapitän.

Team hat verantwortungsvolle Aufgaben
Seit 2006 läuft die komplette Überwachung für die Seegebiete im Nordosten in Hohe Düne. Davor gab es auch in Stralsund eine Verkehrszentrale, ehe im Zuge von Reformen die Konzentration auf den Standort Rostock gelegt wurde. „Die Technik macht es heutzutage aber möglich, alles von hier zu überwachen“, sagt Leiter Klaus-Peter Nitsch.

Neben den deutschen Seegebieten im Nordosten gehört zudem die Kadetrinne in das Überwachungsrevier. „Das ist wohl der interessanteste Bereich, obwohl er nicht ganz zu Deutschland gehört“, informiert Nitsch. Der andere Teil gehöre zu Dänemark. Ein Vertrag zwischen Deutschland und den skandinavischen Nachbarn aber macht es möglich, dass die Verkehrszentrale Warnemünde die komplette Kadetrinne überwachen darf.

Jeweils vier Mann haben Dienst auf dem Turm im Seebad. Sie überwachen das gesamte Revier, das noch mal in vier Bereiche unterteilt ist: Sassnitz, Stralsund und Wolgast sowie Rostock. Der vierte Mann ist der Nautiker vom Dienst und hat während seiner Schicht die Verantwortung für alle drei Bereiche. Per Radar und AIS behalten die Mitarbeiter auf dem Turm den Überblick über sämtliche Schiffsbewegungen im Revier.

Gegenwärtig gibt es fünf Radaranlagen für den Bereich: Karlshagen, Stahlbrode, Schmarl und zwei in Warnemünde. Eine Anlage in Thiessow ist in Planung. jb

Jens Barkhorn

16.10.2013
16.10.2013