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Rostock Mit Boccia-Bahn und Boulderwand: Rostocker feiern neuen Bürgerpark in Lütten Klein
Mecklenburg Rostock

Neuer Bürgerpark in Rostock-Lütten Klein: Mit Boccia-Bahn und Boulderwand

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10:03 28.10.2021
Die neue Boccia-Bahn haben sich Marlies Petschow, Helga Voß (vorne, v. l.), Rosi Warning, Gisela Viehstaedt, Brigitte Schulze und Heinz Schöbe (hinten, v. l.) für ihren neuen Bürgerpark gewünscht. Dort spielen sie einmal die Woche zusammen.
Die neue Boccia-Bahn haben sich Marlies Petschow, Helga Voß (vorne, v. l.), Rosi Warning, Gisela Viehstaedt, Brigitte Schulze und Heinz Schöbe (hinten, v. l.) für ihren neuen Bürgerpark gewünscht. Dort spielen sie einmal die Woche zusammen. Quelle: Katrin Zimmer
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Rostock

Große Städte brauchen Grün. Das ist gut fürs Klima und vor allem für die Menschen, die darin leben. Weil aber nicht jeder das Privileg hat, eine Parzelle in einer der vielen Kleingartenanlagen in Rostock bewirtschaften zu dürfen – oder das auch gar nicht möchte – sind es Parks und Spielplätze, in denen die Menschen gern ihre Freizeit verbringen. Deshalb investiert die Stadt derzeit in neue Bürgerparks.

Der erste Teil der neuen Anlage in Lütten Klein ist am Mittwoch von der mit dem Projekt beauftragten Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS) freigegeben worden. Die alten Spielgeräte in der Stockholmer Straße wurden für gut 600 000 Euro saniert, unter anderem eine Boulderwand für Kinder und ein Bewegungsparcours gebaut.

Knapp ein Jahr hatten Baufirmen und Gärtner an dem neuen Park gewerkelt. Das Besondere: Im Vorfeld konnten Anwohner mitreden und sagen, womit er denn alles aufwarten soll, ihr neuer Bürgerpark. „Wir mussten lernen, dass eine Rutsche, wie wir sie uns vorstellen, nicht gleich eine Rutsche ist, wie Kinder sie sich wünschen“, sagte RGS-Planer Thorsten Gebhards. Die ersten Entwürfe für das Areal seien ihnen regelrecht „um die Ohren gehauen worden“, auch von älteren Bewohnern des Stadtteils.

Senioren aus der Turkuer Straße mögen es lieber ruhig

Die wollten beispielsweise nicht, dass hinten im zweiten Teil des Parks an der Turkuer Straße, der gerade noch in den letzten Zügen seiner Sanierung liegt, viele Spielgeräte für kleine Kinder stehen. Denn in den benachbarten Blocks wohnen fast nur Senioren, die es lieber ruhig mögen. Es wurde also umgeplant.

Auf dem Gelände in der Turkuer Straße soll es eher ruhig werden. „Besinnung“ nennen die Planer den Entwurf für das Areal. Quelle: Planungsbüro Morgenstern Greifswald

Aber nicht nur Beschwerden ploppten auf, auch Wünsche, die die Planer so gar nicht auf dem Schirm hatten. Eine Bahn zum Boccia spielen ist einer davon – einer der wahr geworden ist. Jeden Mittwoch treffen sich einige Rentner aus dem Viertel, um sich im Wettstreit mit den Kugeln zu messen.

„Früher haben wir immer da hinten auf dem Rasen gespielt“, erklärte Brigitte Schulze. Das sei zwar auch gegangen und habe Spaß bereitet. Als aber die Möglichkeit da war, eine echte Bahn zu bekommen, ergriffen sie die Chance. Der Seniorenbeirat Lütten Kleins habe sich dann für das Projekt stark gemacht.

Nutzer sollen im Nachgang zur Zufriedenheit befragt werden

Dass die Anwohner beteiligt wurden, sei „richtig gut“, sagte auch Katy Volgmann, Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Lütten Klein. Ihr Verein In Via erhielt von der RGS noch eine Spende in Höhe von 500 Euro für neue Spielgeräte oder Ähnliches. Damit zeigten sich die Planer durchaus dankbar für die Mithilfe der Bürger vor Ort. Denn dass die Nutzer sich im Vorfeld mit einbringen konnten, ist nicht selbstverständlich, so RGS-Projektleiter Gebhards, aber durchaus sinnvoll, damit die glücklich mit ihrer neuen Anlage werden.

An der Stockholmer Straße ist wie geplant ein Platz zum Fuß- und Basketballspielen entstanden. Quelle: Planungsbüro Morgenstern Greifswald

Ob die Vorschläge sich als wirklich tauglich erweisen, soll dann in drei oder vier Jahren mittels Befragungen herausgefunden werden, sagte die scheidende RGS-Chefin Sigrid Hecht. Vor allem, ob die gewünschte räumliche Trennung von Jung und Alt die Lütten Kleiner so zufriedenstelle, wie jetzt gewünscht. Bei dem Schwesterprojekt in Toitenwinkel hätten einige Anwohner nämlich explizit gefordert, dass Großeltern und Enkel gemeinsam aktiv werden können. Dort soll der Bürgerpark Anfang kommenden Jahres fertig sein.

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Die 600 000 Euro für den neuen Bürgerpark in Lütten Klein investierte die Stadt aus eigener Tasche, Fördermittel gab es dafür nicht. Doch das sei es Wert gewesen, sagte Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) am Mittwoch vor Ort. Nicht nur der Stadthafen sollte ein Treffpunkt für die Menschen werden, sondern auch Plätze in den anderen Vierteln. Weitere Bürgerparks wie in Lütten Klein und Toitenwinkel seien zunächst zwar nicht geplant, aber: „Ich wäre sofort bereit, für so etwas noch mal Geld in die Hand zu nehmen“, so der Senator.

Von Katrin Zimmer