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Rostock Neuer Stadtpastor: Er ist Gesicht und Stimme der Rostocker Kirche
Mecklenburg Rostock Neuer Stadtpastor: Er ist Gesicht und Stimme der Rostocker Kirche
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16:22 31.10.2019
Willfried Knees ist am Reformationstag als neuer und erster Stadtpastor in der Hansestadt ins Amt eingeführt worden. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Alter ist für Willfried Knees kein Thema. „Ich bin zwar schon 61, aber fühle mich frischer als noch vor fünf Jahren“, sagt der gebürtige Rheinländer. Und genau diese Frische, diesen geradezu jugendlichen Elan will er nun in eine Aufgabe einbringen, die es so in Rostock noch nicht gab: Knees ist am Reformationstag in sein Amt als neuer „Stadtpastor“ in der Hansestadt eingeführt worden. Seine Aufgabe: Die Kirche soll wieder eine aktivere, eine gestaltende Rolle in Rostock spielen.

Eine Stimme für die Kirche

Mehr als 500 Gläubige und alle Pastoren der Stadt waren in die Nikolaikirche gekommen, um einem Ereignis beizuwohnen, das für Mecklenburg „so was wie eine kleine Reformation“ (O-Ton Pastor Jörg Utpatel) ist: Erstmals gibt es seit Donnerstag einen Pastor, der für alle sprechen kann. Ein „Gleicher unter Gleichen“. „Zum einen ist Willfried Knees Pastor in der Innenstadt-Gemeinde. Die Gemeinde wächst, der Bedarf an pastoraler Beratung gerade in der Altenpflege wächst“, so Propst Wulf Schünemann. Arbeit an der Gemeinde-Basis macht aber nur die Hälfte von Knees’ Aufgaben aus: „Erstmals haben wir mit Willfried Knees einen Stadtpastor in Rostock. Er soll Gesicht und Stimme der Kirche für die ganze Stadt sein.“

Der Wunsch der Gemeinden: Die evangelisch-lutherische Kirche soll stärker als bisher an den gesellschaftlichen Prozessen in der Hansestadt mitwirken, Kirche soll wieder mehr präsent sein. „Das fiel uns bisher schwer – auch weil die einzelnen Gemeinden in der Stadt gar nicht das große Ganze im Blick haben konnten“, sagt Schünemann. Knees soll nun enge Kontakte zur Stadtpolitik, zur Verwaltung, zu Institutionen und Vereinen aufbauen und pflegen. Er soll helfen, dass die Kirche sich stärker bei Großveranstaltungen wie der Hanse Sail einbringt, in Netzwerken wie „Bunt statt braun“ aktiver ist und auch bei Demonstrationen – etwa gegen Fremdenfeindlichkeit – wieder eine deutliche Stimme hat. „Kirche soll wieder mehr in die Öffentlichkeit gehen.“

Mehr als 500 Gläubige und alle Pastoren der Hansestadt kamen zur Amtseinführung des Stadtpastors. Für sie alle soll Willfried Knees „Stimme und Gesicht“ sein. Quelle: Andreas Meyer

Knees kennt Rostock

Zuletzt hat Willfried Knees im Kirchenkreis Elmshorn in Schleswig-Holstein gewirkt. Zuvor war er unter anderem als Gemeindepastor in Itzehoe, auf der Nordsee-Insel Sylt und auch als Studentenpastor an der Universität Greifswald aktiv. Rostock aber kennt er seit mehr als 30 Jahren: „Schon vor der Wende war ich in der Hansestadt. Es gab enge und gute Kontakt zwischen meiner damaligen Studenten-Gemeinde an der Uni Kiel und jungen Christen in Rostock.“ Sein Partner auf Rostocker Seite war damals Christoph Kleemann. Der 2015 verstorbene Theologe war eine der Leitfiguren der friedlichen Revolution 1989/1990 an der Warnow, leitete später die Stasi-Unterlagenbehörden im ehemaligen Bezirk Rostock und war der erste Präsident der frei gewählten Bürgerschaft.

„Eine große Menschheitsfamilie“

„An diese Zeit – an die Wende – habe ich in den vergangenen Tagen oft denken müssen“, sagt Knees. In seiner ersten Predigt schlägt er einen Bogen von Willy Brandts Kniefall in Warschau über die Wiedervereinigung bis hin zu den jüngsten Wahlergebnissen in Thüringen. Und der neue Stadtpastor beweist gleich, dass er ein Mann deutlicher Worte und klarer Haltung ist: „Gut ein Viertel der Wähler hat dort eine Partei gewählt, die auf abstruse Weise versucht, die Geschichte neu zu deuten“, so Knees. Ja, das sorge ihn. Aber gleichzeitig spüre Knees in der Gesellschaft eine Aufbruchstimmung – etwa, wenn sich junge Menschen bei den „Fridays-for-Future“-Demos für mehr Klimaschutz einsetzen: „Wir sind eine große Menschheitsfamilie. Und für die haben wir alle Verantwortung. Wir sind die Hüter der Schöpfung und des Lebens.“

„Ein Neuanfang“

Seine Vision: Die Kirche müsse wieder das geistliche Zentrum Rostocks werden. Eine Heimat für Menschen, die auf der Suche sind, und ein Zentrum für Spiritualität. „Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, dann geht das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger – sondern in dem viele vermeintlich kleine Menschen sich zusammentun. Und da sind wir als Kirche gefragt. Aus der Mitte der Gesellschaft heraus müssen wir nach außen strahlen.“

Auch für ihn ganz persönlich sei die neue Aufgabe in Rostock ein Neuanfang. „Ich sehe sehr offen und zuversichtlich in die Zukunft“, sagt der Stadtpastor. Er wolle die Position der Kirche und ihrer Gläubigen stärken. „Von uns kann eine gute Energie für die ganze Stadt ausgehen. Wir wollen die Energiequelle sein.“

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Von Andreas Meyer

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