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Rostock Neues Kraftwerk: Hansestadt will Wärme aus Fäkalien
Mecklenburg Rostock Neues Kraftwerk: Hansestadt will Wärme aus Fäkalien
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06:26 02.11.2017
Das zentrale Klärwerk der Hansestadt Rostock: Hier soll die 50 Millionen Euro teure Klärschlamm-Verbrennungsanlage gebaut werden. Quelle: Google Earth
Rostock

Die Hansestadt will mit Fäkalien Geld machen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: In Rostock soll bis spätestens 2024 ein neues Wärme-Kraftwerk gebaut werden, das ausschließlich mit Klärschlamm betrieben wird. Die Anlage soll rund 50 Millionen Euro kosten in Bramow entstehen, direkt neben dem zentralen Klärwerk. Bauherr ist die KlärschlammKooperation MV (KKMV), ein Zusammenschluss von 15 kommunalen Versorgern aus dem gesamten Land. Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) ist von dem Vorhaben begeistert: „Mit der Anlage erzeugen wir grüne Wärme für 5000 Haushalte.“

Rund 40.000 Tonnen Schlamm fallen landesweit und pro Jahr in den Kläranlagen an. Rostock fährt seinen Schlamm bisher mit Lastwagen zur Verbrennung nach Hamburg. Anderenorts in MV werden die aufbereiteten Fäkalien bisher in der Landwirtschaft genutzt – als Dünger. Doch damit wird es bald vorbei sein: „Der Gesetzgeber hat die Grenzwerte verschärft“, erklärt Ulrich Jacobs, Geschäftsführer der Kooperation. Außerdem: Die EU will unabhängig von Phosphor-Importen aus dem Ausland werden und verpflichtet Abwasser-Verbände, ab 2021 den als Düngemittel so wichtigen Stoff aus Klärschlamm zu filtern. Die KKMV – dazu gehören die Zweckverbände „Kühlung“ (Sitz in Bad Doberan), Wismar und Grevesmühlen sowie Stralsund und Zingst – mussten sich eine Lösung einfallen lassen: „Wir haben uns für eine Verbrennungsanlage in Rostock entschieden“, sagt Jacobs.

Auch die Hansestadt gehört der Kooperation an, produziert die größte Menge Klärschlamm. „Nur in Rostock können wir die Abwärme aus der Verbrennung direkt ins Fernwärmenetz einspeisen“, so Jacobs. Rund 1500 Tonnen Phosphor und 5,5 Megawatt Wärme soll die Anlage liefern – das entspricht in einem Prozent des Rostocker Jahresbedarfs. „Das ist ein Beitrag auf unserem Weg zu grüner Wärme in der Hansestadt“, sagt Umweltsenator Matthäus. „Wir rechnen damit, dass Rostock bis zu 4,6 Millionen Kubikmeter Erdgas weniger für die Fernwärme benötigen wird – und so 5000 Tonnen Kohlenstoffdioxid weniger in die Atmosphäre ausstößt“, so Jacobs.

Auch die Wasserkunden sollen von dem Vorhaben profitieren: „Die neue Anlage wird von kommunalen Unternehmen betrieben. Sie muss keine Gewinne machen. Deshalb leistet sie einen Beitrag für stabile Abwassserpreise“, sagt der KKMV-Chef. Jährlich sollen in der neuen Anlage etwa 25 000 Tonnen verbrannt werden. Bedenken, dass ein neuer „Mülltourismus“ einsetzen könnte, räumt Senator Matthäus aus: „Wir rechnen mit bis zu zehn zusätzlichen Lastwagen pro Tag, die nach Rostock fahren. Und die verpflichteten wir, die Hauptstraßen zu nutzen und nicht durch die Stadt zu rollen.“ In MV gibt es bislang nur eine vergleichbare Anlage – auf der Insel Rügen. Der Neubau in Rostock soll etwa zehn Mal größer werden.

Andreas Meyer

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