Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Neue Keimzelle für gute Ideen
Mecklenburg Rostock Neue Keimzelle für gute Ideen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:04 25.01.2019
Wollen in Rostock eine neue Arbeitswelt etablieren: Die @Work-Gründer Tino Schößner (l.) und Lars Buchfink investieren im Deutsche Med-Gebäude.
Wollen in Rostock eine neue Arbeitswelt etablieren: Die @Work-Gründer Tino Schößner (l.) und Lars Buchfink investieren im Deutsche Med-Gebäude. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Anzeige
Rostock

Das Papier im Drucker ist alle, in der Kaffeeküche stapeln sich die schmutzigen Tassen, der Kollege telefoniert zu laut, außerdem hat wieder keiner die einzige Grünpflanze im Raum gegossen: Es gibt viele Dinge, die Angestellte im Büro täglich nerven. Doch das muss nicht so sein. Dass Arbeiten in der richtigen Umgebung Spaß machen kann, wollen Tino Schößner und Lars Buchfink beweisen. Die beiden Rostocker verwandeln gerade die erste Etage des Deutsche-Med-Gebäudes in eine Wohlfühl-Oase für Selbstständige, Teams und Firmengründer. „Workspace“ heißt das neudeutsch und soll interessierten Rostockern einen Arbeitsort bieten, an den sie gerne gehen und sich auch dann noch gut aufgehoben fühlen, wenn es mal wieder länger dauert.

Idee ist aus den Metropolen kopiert

„Die Idee stammt nicht von uns, sondern ist eine Kopie der Angebote, die es in Metropolen wie Berlin oder Hamburg schon gibt“, sagt Schößner. Rostock sei für die Giganten der Branche – darunter weltweite Anbieter wie WeWork – allerdings bisher zu klein und nicht interessant genug gewesen, um eine Niederlassung zu eröffnen.

Glas, Stahl und viel Raum für Ideen: So soll das künftige Workspace im Med-Gebäude aussehen. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-ROS

Das Duo Schößner/Buchfink glaubt aber an den Standort und dessen Potenzial. Geldgeber für diese Investition zu finden, die laut Tino Schößner in die Million geht, sei schwierig gewesen, weil gerade die lokalen Banken lieber auf sichere Rendite gesetzt hätten. Natürlich hoffen auch die beiden Unternehmer und die Hypovereinsbank als Unterstützer und Geldgeber auf Gewinn – aber ein Restrisiko bleibt.

Erste Mieter ziehen im Frühjahr ein

Der Start sei vielversprechend, die ersten Mieter ziehen bereits im Frühjahr ein. Auf 1000 Quadratmetern Fläche, die bisher ein Fitnessstudio waren, entstehen aktuell Konferenzräume, Plätze für Co-Working sowie Einzelbüros. „Jeder Kunde kann sich maßgeschneidert raussuchen, was er braucht und was zu ihm passt – von der tageweisen Nutzung über einen eigenen Schreibtisch bis hin zum privaten Büro. Und das monatlich kündbar, was maximale Flexibilität bietet“, sagt Schößner. Er kennt sich in der Start-up-Branche aus, war selbst als Gründer Teil davon, als er in Berlin eine App für das einfache Buchen von Kinotickets an den Start brachte und sich in einem Workspace im Sony Center einmietete. „Am Ende gab es von den Riesen der Branche zu viel Gegenwind – nach fünf Jahren kam das Aus“, blickt der 42-Jährige in die Vergangenheit. Schößner kehrte zurück an die Warnow und suchte dort zusammen mit Vertriebsprofi Buchfink nach Ideen, die sie gemeinsam umsetzen könnten.

Flächensuche war eine Herausforderung

Das Finden einer Fläche für das Workspace-Modell sei eine Herausforderung gewesen, Rostock Business stand dem Duo dabei hilfreich zur Seite. „Viel kleiner als das, was wir jetzt haben, hätte es nicht sein dürfen“, sagt Buchfink. Schließlich lebe ihr Angebot davon, dass Kreative Raum bekommen. „Aber es sind nicht nur Gründer, die so etwas schätzen. Auch große Unternehmen mieten solche Flächen, um Teamarbeit unabhängig vom Firmensitz zu ermöglichen und damit das kreative Potenzial voll auszuschöpfen und Ideen schneller reifen zu lassen“, so Schößner.

Ob Einzelbüro oder Konferenzraum: Rostocks neues Workspace bietet für jeden Bedarf etwas. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-ROS

Gerade für kleine Teams sei es schwer, ein schönes Büro zu finden. Im neuen Workspace hätten diese direkt eine repräsentative Adresse und müssten nicht noch viel Geld in Ausstattung investieren. Designer-Möbel, stilvolle Lounges, Büromaterial wie Scanner und Drucker, Klimaanlage, Internetanschluss – all das sei bei @work bereits inbegriffen. Auch Fahrrad-Verleih oder Carsharing sollen künftig mit angeboten werden.

Millenials setzen auf Nachhaltigkeit

„Bei der Generation der Millenials ist das Arbeiten ein anderes, da geht es auch viel um Nachhaltigkeit und Ressourcenteilung“, weiß Buchfink. Genau diese Lücke will das Gründer-Duo schließen – ihr Büro der Zukunft sei genau die richtige Mischung aus Café, Wohnstube und Arbeitsplatz. Selbst an die Dusche für diejenigen, die zwischendurch joggen oder zum Sport gehen wollen, wurde gedacht. Und was ist mit der Gefahr der Kaffeküchen-Vermüllung bei Gemeinschaftsnutzung? „Kein Problem – es wird einen täglichen Reinigungsservice geben“, erklärt Schößner.

Claudia Labude-Gericke