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Rostock Neuseeländer auf den Spuren ihrer Vorfahren
Mecklenburg Rostock Neuseeländer auf den Spuren ihrer Vorfahren
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05:14 15.06.2019
Rainer Beste (2.v.l.) und Ehefrau Christine (r.) von der Kirchgemeinde Buchholz begrüßen drei Gäste aus Neuseeland in der Kirche: Barry Brown (l.), Sandra Bensemann (2.v.r) und John Orchard. Quelle: Doris Deutsch
Buchholz

Barry Brown ist schon zum dritten Mal in Buchholz bei Rostock. Diesmal hat der Neuseeländer zwei Landsleute an seiner Seite, die auf den Spuren ihrer Vorfahren sind. John Orchard aus Blenheim und Sandra Bensemann aus Papakura haben Wurzeln in Brookhusen.

1844 sind Mecklenburger ausgewandert

1844 sind die ersten Mecklenburger nach Neuseeland ausgewandert. „24 Familien aus dem Klützer Winkel und drei Familien aus Brookhusen“, erzählt Brown, der vor gut 30 Jahren das erste Mal in Deutschland war, um seine eigene Familiengeschichte zu erkunden. Seitdem organisiert er Reisen für Gleichgesinnte in seiner Heimat. „Die aus Brookhusen ausgewanderten Familien hießen Siggelkow, Langbein und Schwass“, berichtet Brown, der im Archiv in Schwerin schon Ende der 1980er Jahre alte Kirchenbücher gewälzt hat und so Familienzusammenhänge erforschen konnte.

„Wir haben Verbindungen zur Familie Schwass“, erklärt John Orchard (66), der als Geschichtslehrer am Marlborough Museum in Blenheim Projekte zur Ahnenforschung betreut. Zu seinen ausgewanderten Vorfahren zähle die Familie Rose aus Dassow, die wiederum in die Brookhusener Familie Schwass eingeheiratet habe. „Und in die der Bensemanns aus der Nähe von Hannover“, ergänzt Sandra Bensemann (64). „John und ich, wir sind also verwandt, haben das aber erst durch diese Familienforschung erfahren“, sagt sie.

Siedler haben in Nelson Stadt aufgebaut

Mecklenburger Auswanderer Die Mecklenburger Auswanderer seien 1844 mit einem Segelschiff nach Neuseeland gekommen. Fünf Monate waren sie unterwegs, „hatten aber Essen für ein Jahr mit und konnten daher die nächste Zeit gut überleben“, erzählt Brown. In Nelson, heute Tasman, hätten die Siedler Land bekommen und dies bewirtschaftet. „Sie waren sehr fleißig“, betont Brown, der aus Spaß deutsch gelernt hat und es auch gut spricht, immer wieder. Mitten im Busch hätten die Deutschen eine Stadt aufgebaut, mitgebrachten Samen in die Erde gesteckt und Obstbäume gepflanzt.

Graf Kuno zu Rantzau, verheiratet mit seiner Cousine Amalasuntha Bothmer, finanzierte damals die Gruppe von Auswanderern, die am 21. April 1844 mit der „Skjold“ von Hamburg aus nach Neuseeland reiste. Nahe Nelson gründeten sid die Orte Ranzau, Neudorf und Sarau. Bis 1875, so erzählt es Brown, hätten die ersten Siedler viele Briefe nach Deutschland geschickt, immer mit der Botschaft: „Uns geht es gut hier.“ Und so folgten weitere Auswanderer, „auch meine Vorfahren aus Dassow“, sagt John Orchard. „Es gab die Empfehlung, ein Stück Glas mitzubringen“, weiß Brown aus all seinen Recherchen, „denn es gab viel Holz zum Bauen, aber kein Glas für die Fenster.“

Zehn Prozent haben deutsche Wurzeln

Zehn Prozent der Neuseeländer hätten deutsche Wurzeln, in der Nähe von Nelson etwa 15 Prozent, berichtet Brown. Seine eigenen Vorfahren hießen Busch und Lankow und kämen aus der Nähe von Klütz. „Welchen Mut die Menschen damals hatten, von ihren kleinen Dörfern ins Ungewisse auszuwandern, auf die andere Seite der Welt zu gehen und ihre Familien für immer zurückzulassen“, sagt Christine Kaiser-Beste, die zusammen mit ihrem Mann Rainer die Neuseeländer im Namen der Kirchgemeinde Buchholz begrüßt.

„Und was hat es für das kleine Dorf bedeutet, wenn von den sechs, sieben Familien im Ort plötzlich drei weg sind“, sagt John Orchard, als er in Brookhusen vor dem sanierten Gutshaus steht und im Ort nach den Überresten der alten Landarbeiterkaten sucht. Die Gäste entdecken einen alten Brunnen, fotografieren zwei, drei langgestreckte Häuser, von denen sie meinen, dass hier die ausgewanderten Vorfahren mal gelebt haben könnten. „Es ist schön hier“, sagt Sandra Bensemann, die das erste Mal in Deutschland weilt, um eine Vorstellung von den Orten zu bekommen, in denen ihre Ahnen gewohnt und gearbeitet haben.

Auswanderung jährt sich zum 175. Mal

Landwirt Beste und seine Frau versuchen, die vielen Fragen zu beantworten. Und haben auch selbst welche, denn sie waren vor einiger Zeit auch in Neuseeland, „zum Beispiel in der Kirche in Sarau“, erzählen sie. Auf dem Friedhof seien ihnen viele Grabsteine mit deutschen Namen begegnet. „Da stehen auch die Geburtsorte drauf, zum Beispiel Glashagen“, berichtet Rainer Beste.

Die Auswanderung der Mecklenburger nach Neuseeland jährt sich nun zum 175. Mal. Für die Nachfahren in und um Nelson ein Grund zum Feiern. Barry Brown besuchte dieser Tage auch den Landtag in Schwerin und bat um Unterstützung für Erinnerungstafeln an die Mecklenburger Siedler, die an den Kirchen in Sarau und Ranzau angebracht werden sollen. Die Mecklenburger Siedler seien sehr angesehen, hätten die Region entwickelt und geprägt. „Wir sind stolz auf unsere Vorfahren und wollen an sie erinnern“, sagt Brown.

Nach einem Besuch auf Schloss Bothmer, Stopps in Berlin und Weimar und einem Ausflug in die Lutherstadt Wittenberg kehrt die kleine Gruppe am Montag wieder nach Neuseeland zurück. Mit vielen Eindrücken und Erkenntnissen. Brown kommt mit Ehefrau und Tochter in sechs Wochen schon wieder, denn seine Neugier auf die Wurzeln der Familie ist noch längst nicht gestillt.

Doris Deutsch

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