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Rostock Nicht nur wegen des Wolfes: Darum will in Mecklenburg keiner mehr Schäfer werden
Mecklenburg Rostock Nicht nur wegen des Wolfes: Darum will in Mecklenburg keiner mehr Schäfer werden
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19:03 27.08.2019
Postkartenidylle: Ein Hirte hütet eine Schafherde. Quelle: dpa
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Rostock

Wie weiße Wölkchen ziehen Schäfchen über die sattgrüne Wiese. Im Schatten eines Baumes stützt sich der in Pelerine gehüllte Hirte auf seinen Schäferstab, zu seinen Füßen döst der Hütehund. Ein Postkartenmotiv. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Heide, Herde, Hütehunde – diese Idylle findet man in Mecklenburg nur noch höchst selten. Seit Jahren geht die Zahl der Berufsschäfer und Schafe zurück. Landesweit gibt es aktuell 57 Schäfereien. „Vor zehn Jahren waren es noch 75. Ein deutlicher Rückgang“, bilanziert Dorit Hager, Zuchtleiterin beim Landesschaf- und Ziegenzuchtverband.

Bestand nimmt ab

Im Vergleich zu Schwein und Rind sind Schafe eine kleine Nische in der Nutztierhaltung. Rund 70 000 Tiere werden in Mecklenburg-Vorpommern gehalten. „Zur Wende waren es über 300 000“, sagt Dorit Hager.

Land ist Luxus

Dass kaum einer mehr Bock auf Schafhaltung zu haben scheint, hat mehrere Gründe. Zum einen machen die Rückkehr des Wolfes und die Folgen der Branche zu schaffen. Auch der Wegfall der Mutterschafprämie im Jahr 2005 habe die Bestände drastisch schrumpfen lassen. Das größere Problem sei allerdings ein anderes, sagt Dorit Hager. „Für Jungzüchter ist das Land zu teuer.“ Sie könnten es sich schlicht nicht leisten, Weideflächen zu kaufen oder zu pachten. Zumal sich die Schafhaltung kaum bezahlt macht.

Preisverfall beim Fleisch

Hinzu kommt der Preisverfall beim Lammfleisch. Pro Kilo Lebendgewicht gebe es aktuell um die 2,10 Euro, sagt Dorit Hager. „Nötig wären mindestens 2,90 Euro“, sagt sie. Die seien derzeit am Markt aber kaum zu kriegen, zumal billige Importware, etwa aus Neuseeland, den Markt überschwemme. „Mit Wolle ist auch kein Geld zu verdienen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen lohnt sich die Schafhaltung nicht.“

Zubrot Landschaftspflege

Deshalb verdingen sich viele Schafhalter in der Landschaftspflege. Doch auch der „goldene Tritt“ ist, anders als der Name vermuten lässt, nicht allzu viel wert. Schafe sind dank ihrer Hufe zwar gute Bodenverdichter und damit ideal, um Deiche stabiler zu machen. Ihr arttypischer Verbiss prädestiniert sie zudem als ausgezeichnete Landschaftspfleger. Nur leider werde das nicht angemessen honoriert, sagt Dorit Hager.

Berufsnachwuchs fehlt

„Insgesamt werden die Rahmenbedingungen für Schäfer immer schwieriger“, bedauert die Zuchtleiterin des Schafverbandes. Das zeigt sich auch beim Nachwuchs: Mit einer einzigen Ausnahme habe in den vergangenen Jahren keiner den Beruf erlernen wollen.

Die Schafe, die heute über Mecklenburgs Wiesen springen, tun dies häufig ohne Aufsicht. Die meisten Züchter lassen ihre Herden auf Koppeln grasen. Das Postkarten-Idyll vom Hirten mit Filzhut und Pelerine – es ist immer seltener in der Wirklichkeit zu finden.

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