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Rostock „Nieger Ümgang“: Ein moderner Umzug zur Traditionspflege
Mecklenburg Rostock „Nieger Ümgang“: Ein moderner Umzug zur Traditionspflege
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11:26 01.07.2019
Der „Nieger Ümgang“ läutet die Warnemünder Woche ein - hier vor einigen Jahren mit Heide Mundo an der Gitarre. Quelle: Ove Arscholl
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Warnemünde

Traditionell wird die Warnemünder Woche mit dem „Nieger Ümgang“ eingeläutet. Und auch in diesem Jahr soll das Spektakel, dass allerhand Fahrzeuge, Musikanten und Kostümierte auf die Straßen des Seebades führt, wieder für staunende Gesichter sorgen. Dabei ist der Ursprung des Umzugs kein feierlicher – Warnemünder Fischer lehnten sich damit gegen die Steuererhebung auf, die die Hansestadt Rostock dem ehemals autonomen Ort aufgedrückt hatte.

Am 6. Juli wird es ab 8 Uhr wieder laut rund um den Alten Strom. Die Kapelle Neu Seddin wird dann durch die Straßen von Warnemünde ziehen und sowohl Urlauber als auch Bewohner aus ihren Betten trommeln und blasen. „Innerhalb einer halben bis dreiviertel Stunde werden sie den Ort aufwecken und auf das vorbereiten, was dann folgt“, sagt Hans-Joachim Richert vom Gemeinnützigen Verein für Warnemünde. Und das wäre? „Der Auftakt zum Sommerfest der Warnemünder Woche in Form des ’Nieger Ümgangs’.“

Eine minutiöse Planung

Dabei werden ab 10 Uhr etwa 2500 Personen und 21 Fahrzeuge durch Warnemünde ziehen. „Wenn es richtig gut wird, werden es noch 3000“, sagt Ingeborg Regenthal, Büroleiterin des Warnemünde-Vereins. Die Koordination von Fahrzeugen, Kapellen und Laufgruppen sei eine Herausforderung. „Das ist alles minutiös geplant.“ Denn die Wagen von heimischen Vereinen, Unternehmen und den Gästen der dänischen Partnerstadt Guldborgsund werden in festgelegter Reihenfolge über den Alten Strom ziehen, in der Straße „Am Leuchtturm“ wenden und sich neben dem Parkplatz einfädeln. „80 Helfer und Ordner sorgen vor Ort für die richtige Sortierung und den reibungslosen Ablauf.“ Von dort startet dann der eigentliche „Nieger Ümgang“ (Übersetzt: Neuer Umzug).

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Und dieser führt, wie auch die Jahre zuvor, über die Alexandrinenstraße zum Kirchenplatz. Dann geht es über die Mühlen- und Kurhausstraße in die Seestraße. „Ab dem Hotel Hübner drehen die Fahrzeuge dann ab. Der Rest geht dann bis zum Leuchtturm“, sagt Regenthal. Dort erwartet dann sowohl die Umzugsteilnehmer als auch die Besucher ein Bühnenprogramm. Die Trachtengruppe, die Rhythm-and-Blues Revue des Volkstheaters, die Tanzgruppe „Dancing Heels“ oder auch Vertreter des Piraten Open-Airs werden dann auf den Brettern vor dem Leuchtturm stehen. Abschließend wird Oberbürgermeister Roland Methling mit dem „Wuurdhöller“ (Wortführer) das Warnemünder Versprechen ablegen.

Musik, Trachten und verrückte Kostüme: Der „Nieger-Ümgang“ läutet die Warnemünder Woche ein und präsentiert sich bunt, laut und fröhlich.

Steuern von den Fischern

Dieses und auch der gesamte Umzug geht auf eine alte Tradition zurück. Denn nachdem Heinrich der Löwe, Fürst von Mecklenburg am 8. März 1323 den Hafenort Warnemünde an die Hansestadt Rostock abgegeben hatte, ging dem Seebad die Autonomie verloren. Fortan sorgte ein von der Stadt eingesetzter Vogt dafür, die Verordnungen und Entscheidungen von Rostock durchzusetzen. „Das beinhaltete auch, von den armen Fischern im Ort Steuern einzuziehen“, sagt Regenthal.

Das hat den Bewohnern nicht gefallen. „Sie lehnten sich gegen diese Verordnung auf und zogen provokativ gegen den Strom, vom alten Lotsenhause zur Vogtei, um dort ihre Steuern zu hinterlegen.“ Der Vogt habe sich dann immer hinter der Vogtei versteckt, aus Angst vor dem Unmut der Fischer. Jährlich erfolgte dieser Umzug immer mit der Ernennung des „Wuurdhöller“. Dabei handelte es sich um den Wortführer, der an der Spitze der Warnemünder Bürgerschaft stand.

Traditionspflege seit 1976

Aus dieser Tradition, die auf Schilderungen von Friedrich Barnewitz beruht, wird seit 1976 ein „Ümgang“ (übersetzt: Umzug) durchgeführt. Ingeborg Rosenthal ist bereits seit diesem Tage Teil der Veranstaltung. „Die haben damals Leute für die Organisation gesucht und ich war direkt dabei und bin bis heute kleben geblieben“, sagt Regenthal und lacht. Sie selbst wird am 5. Juli nicht in Tracht oder Kostüm erscheinen. „Ich trage mein Orga-Shirt, damit ich als Ansprechpartner erkannt werde.“ Doch auch ohne Kostümierung wird sie den Umzug anführen. „Ich gehe dann immer rückwärts mit dem Blick auf den Umzug und muss aufpassen, dass ich nicht irgendwo gegenlaufe.“ Für sie ist das Fest eines der Highlights der Warnemünder Woche. „Hier treffen moderne Kostüme und Aktionen auf die Tradition, die wir pflegen wollen.“

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Moritz Naumann

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