Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Nobelpreisträger aus Mecklenburg: Auf den Spuren des Forschers Albrecht Kossel
Mecklenburg Rostock Nobelpreisträger aus Mecklenburg: Auf den Spuren des Forschers Albrecht Kossel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:40 30.09.2019
Edith und Joachim Framm mit ihrem Buch über Albrecht Kossel und dem DNA-Modell, wie es dank Kossels Grundlagenforschung entwickelt werden konnte. Quelle: Nicole Hollatz
Anzeige
Wismar/ Rostock

Mecklenburg-Vorpommern hat nicht viele Nobelpreisträger. Einer davon ist Albrecht Kossel. Er wurde für seine Zellkernforschungen 1910 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet – der erste Landessohn mit dieser Auszeichnung!

Das DNA-Modell, wie es heute bekannt ist, entstand auf Grundlage seiner wegweisenden Forschung. Kossel, 1853 in Rostock geboren, studierte in Rostock und Straßburg, promovierte 1878 in Rostock zum Dr. med. und habilitierte drei Jahre später im Bereich Physiologische Chemie (heute Biochemie).

Erinnern an bedeutenden Forscher

An der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Rostock trägt die Sektion für Translationale Neurodegeneration den Namen „Albrecht Kossel“, auch der Name des Bahnhofsvorplatzes in seiner Heimatstadt erinnert an den Pionier der DNA-Forschung.

In Wien gibt es eine Kosselgasse, in Marburg gab es bis 2012 ein Albrecht-Kossel-Haus. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker vergibt ihm zu Ehren den Albrecht-Kossel-Preis für Biochemie. Kossel ist Ehrendoktor der Universitäten Cambridge, Greifswald, Dublin, Genf, St. Andrews und Edinburgh.

Edith und Joachim Framm, zwei Wismarer, haben dem bedeutenden Forscher eine Romanbiografie geschrieben und nehmen Wissenschaftler genau wie den interessierten Laien mit auf eine Reise ins Leben und den Mikrokosmos Kossels.

Zufall weckte Interesse

Über drei Jahre hat das Ehepaar am Buch geschrieben. Das Interesse weckte eine Zufallsbekanntschaft. „Ein Bekannter aus Bremen fragte, wisst ihr eigentlich, dass es einen Nobelpreisträger aus Mecklenburg-Vorpommern gibt?“, erzählt Dr. Joachim Framm. Sie verneinten, hörten den Namen und den Hintergrund und wurden neugierig.

Joachim Framm: „Wir haben beide in Rostock studiert, aber der Name ist uns nicht begegnet.“ Dr. Edith Framm war bis Ende 2002 als Ärztin in Wismar tätig, ihr Mann ist Apotheker und hat auf dem Fachgebiet der Biochemie promoviert.

Das ABC des Lebens

Kossels Verdienst ist weltbedeutend als Forscher!“, sagt Edith Framm. Er hat das „ABC“ des Lebens entdeckt. Ihr Mann erklärt: „Die DNA kennt heute jeder dank der Krimis. Sie besteht aus vier Nucleinbasen, die Abfolge der Basen kodiert die Erbinformation.“

Die Bezeichnung „Nucleinbasen“ kommt von Kossel, bereits als junger Wissenschaftler konnte er 1896 die Basen Guanin, Adenin, Thymin und Cytosin in der Nukleinsäure nachweisen. 1910 erhielt er dafür den Nobelpreis.

Edith und Joachim Framm zitieren erklärend aus einer Rede Kossels von 1921: „Denkt man sich an Stelle eines jeden Eiweißbausteins einen Buchstaben, so kann durch geeignete Zusammenstellung derselben schon eine genaue Aufzählung der Eigenschaften eines Organismus geliefert werden ...“.

Am 30. Oktober 1910, wenige Tage nach der Nobelpreisverleihung, schrieb die „Mecklenburgische Zeitung“: „... so können auch wir Mecklenburger mit Freude und Stolz auf Albrecht Kossel als uns angehörig sehen und die ihm zuteil gewordene Ehre als auf unser Land mitfallend in Anspruch nehmen.“

Kindheit in Rostock

Edith und Joachim Framm erzählen vom Leben des Forschers, beleben die Fakten aus den Archiven des Landes, zitieren Weggefährten und Zeitzeugen, beschreiben beispielsweise die Kindheit in Rostock wunderbar plastisch. Albrecht Kossel mikroskopierte und „botanisierte“ lieber oder las in der „Schule der Chemie“, statt wie Gleichaltrige in der Hartestraße zu spielen.

1871, als sich in Rostock über 600 Ärzte und Naturforscher trafen, durfte auch der 18-jährige Albrecht Kossel teilnehmen. Familie Framm nimmt ihre Leser mit in die festlich geschmückte „Tonhalle“ und lässt sie Kossels Aufregung und Eifer spüren.

1872 erhält Kossel an der Großen Stadtschule in Rostock das Abitur, mit guten Bewertungen in Mathematik und Geschichte, dazu „befriedigend“ in den Naturwissenschaften. Dass er mal zu den großen Forschern der Welt zählen würde, war damals nicht erahnbar.

Straßburg, Berlin

Kossel wird bei Prof. Felix Hoppe-Seyler (1825-1895) in Straßburg Assistent. „Herr Kossel, die Erforschung der Nucleine ist eine wichtige Aufgabe. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie mit ganzer Kraft daran arbeiten“, zitieren die Wismarer Biografen den bekannten Professor. Wohl ein wegweisender Satz. 1881 habilitiert Kossel mit dem Titel „Die Nucleine und ihre Spaltprodukte“.

Hoppe-Seyler empfahl Kossel nach Berlin zum Kollegen Emil du Bois-Reymond, dem Direktor des Physiologischen Instituts in Berlin. Das Guanin aus der DNA hatte er schon in Straßburg nachgewiesen, in Berlin fand er 1885 – gerade mal 31 Jahre alt – das Adenin als nächsten Baustein.

Marburg, Heidelberg

1895 wird Kossel in Marburg zum Professor ernannt, eine gut dotierte und gesicherte Stellung. „Doch im Unterschied zu Berlin werden wir nun immer zusammen Mittag essen, und ich kann danach etwas ausruhen.“ Kossel ist längst verheiratet und hat einen siebenjährigen Sohn und eine zwei Jahre alte Tochter.

Kossel wird Herausgeber der Zeitschrift für Physiologische Chemie. „Diese Veröffentlichungen stehen Seite für Seite im Internet!“, dankt Joachim Framm für die starke Quelle vor mehr als 120 Jahren. Das Ehepaar war in einigen Archiven zwischen Heidelberg, Marburg und dem „Preußischen Geheimen Staatsarchiv“ in Berlin, war an Kossels Orten und hat sogar seine Nachfahren kennen gelernt.

Kossel nimmt 1901 den Ruf nach Heidelberg an – die dortige Universität lockte mit mehr als doppelt so viel Gehalt! Edith und Joachim Framm erzählen von Kossels Freundschaften zu Wissenschaftlern wie dem Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Ivan Petrovič Pavlov – eine Vernetzung der Wissenschaftler über Landesgrenzen hinaus.

Er war mutig. „1917, im Hungerwinter, sollte er der Bevölkerung wissenschaftlich beweisen, dass die Rationen für die Menschen ausreichend sind“, erzählt Edith Framm. Und zitiert ihn: „Diese Anstiftung zur Lüge weise ich mit Empörung und Entrüstung weit von mir.“

Bis 1924 leitete er in Heidelberg das Physiologische Institut, danach hatte er bis zu seinem Tod 1927 die Leitung des Instituts für Eiweißforschung inne, das er sieben Jahre vorher gegründet hatte.

Nach New York

Vor 108 Jahren schrieb sogar die „New York Times“ über den gebürtigen Rostocker und seine Forschung. Kossel kam mit dem Liniendampfer aus Bremerhaven nach New York, um an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore zu sprechen.

Die damaligen Journalisten trafen, so beschreiben es die Wismarer Biografen, einen sehr bescheidenen Gelehrten, der aber vor über 100 Jahren schon so weit war, die Verbindungen seiner Grundlagenforschung zur Krebstherapie zu erahnen. Und der staunte, weil die „Bestandteile des Lebens überall, ob in einem Kohlkopf oder in einem Poeten, weitgehend übereinstimmen.“

Das Buch „Albrecht Kossel und die DNA“ kann direkt bei den Autoren bestellt werden, per Mail an joachim-framm@t-online.de

Von Nicole Hollatz

Drei Messen in der Rostocker Hansemesse: Vom 27. bis 29. September informierten sich mehr als 16 300 Besucher auf der „RoBau“, ImmoNord und „Wohnideen & Lifestyle“ über Bauen, Modernisierung, Inneneinrichtung.

29.09.2019
Rostock Landes-Pilzausstellung in Rostock Pilzsammler suchen Rat der Experten in Rostock

Knapp 3000 Besucher zählte die 41. Landes-Pilzausstellung in Rostock. Pilzberater und Mitarbeiter des Botanischen Gartens hatten zuvor etwa 300 verschiedene Exemplare für die Schau gesammelt.

29.09.2019

Bei einem schweren Verkehrsunfall im Landkreis Rostock ist in der Nacht zu Sonntag eine junge Frau getötet worden. Der Fahrer des Autos hatte der Polizei zufolge mehr als ein Promille Alkohol im Blut.

29.09.2019