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Rostock Nordex sucht trotz Krise 300 Mitarbeiter
Mecklenburg Rostock Nordex sucht trotz Krise 300 Mitarbeiter
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Ein Windpark mit sechs Nordex-Anlagen in Kröpelin (Landkreis Rostock).
Ein Windpark mit sechs Nordex-Anlagen in Kröpelin (Landkreis Rostock). Quelle: Rolf Barkhorn
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Rostock

Der Rostocker Windkraftanlagenbauer Nordex steht derzeit mächtig unter Druck, plant für 2019 aber 300 Neueinstellungen in der Hansestadt. Am Dienstag stellte das Unternehmen neue Quartalszahlen vor. Umsatz und Gewinn brechen ein. Die Aktie verlor bis zum Nachmittag fast 15 Prozent. Nordex ist als einziges Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern im Deutschen Aktienindex (Dax) vertreten, wenn auch nur in der kleineren Sparte für Technologiefirmen, dem TecDax.

„Die Talsohle ist erreicht“, sagt Firmensprecher Felix Losada. Von nun an soll es wieder aufwärts gehen. In den Büchern stehen Aufträge über mehr als drei Milliarden Euro, deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Die schlechten Geschäftszahlen sind eine Folge der Aufragsflaute von 2017. In Rostock, Hauptproduktionsstandort und Firmensitz, sucht Nordex sogar wieder Mitarbeiter. Erst 2017 mussten europaweit gut 500 Beschäftigte gehen. Auch in Rostock hat das Unternehmen die Zahl der Leiharbeiter reduziert und gut 100 feste Stellen gestrichen. „Wir sind abhängig von den Rahmenbedingungen“, erklärt Losada das Auf und Ab. Die Neueinstellungen sollen zumindest teilweise über Zeitarbeit erfolgen. Weltweit beschäftigt Nordex zurzeit 5600 Mitarbeiter, in Rostock sind es nach eigenen Angaben 1200.

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Im dritten Quartal sackte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 2,32 Milliarden auf 1,77 Milliarden Euro ab. Nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen weist die Bilanz von Juli bis September ein Minus von knapp 52 Millionen Euro aus. Bereits im zweiten Quartal hatte Nordex rote Zahlen geschrieben. Die fielen mit 11,6 Millionen Euro allerdings weniger wuchtig aus.

Auch auf dem deutschen Markt ist wieder Licht am Horizont, so Nordex-Sprecher Losada. Anfang 2017 war die Inlandsnachfrage drastisch zurückgegangen, weil die Genehmigungen für neue Windparks seitdem nur noch mittels Auktionen vergeben werden. Dabei kamen zunächst fast nur angebliche Bürgerwindparks zum Zuge. Hinter denen steckten aber oft große Projektentwickler, die eher mit Windparks handeln, anstatt sie zu bauen. Folge: Es wurden kaum noch neue Anlagen errichtet. Der Nachfrageeinbruch traf die gesamte Branche hart, allein beim ostfriesischen Hersteller Enercon mussten 800 Leute gehen. Seit der Bundestag im Juni die Vergabebedingungen änderte, läuft es aber wieder besser, heißt es bei Nordex. Erst vor zwei Wochen bestellte der Schweriner Versorger Wemag 16 Anlagen für einen neuen Windpark südlich von Schwerin.

In Rostock stellen 1200 Mitarbeiter in zwei Werken Rotorblätter und Maschinenhäuser für die Marke Nordex her. In Spanien, Brasilien und Indien werden vor allem Anlagen der Marke Acciona Windpower (AWP) produziert. AWP gilt als das Produkt für den Massenmarkt, Nordex-Windräder sind dagegen für dichter besiedelte Regionen gedacht, in denen höhere Anforderungen für Lärmemissionen, Vogelschutz und Luftraumsicherheit gelten. 2016 hatte Nordex die Windkraftsparte des spanischen Konzerns Acciona übernommen und kam so zu der zweiten Marke.

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Von Gerald Kleine Wördemann