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Rostock Nun auch in Rostock: E-Rollerverleih soll im Frühjahr 2020 starten
Mecklenburg Rostock Nun auch in Rostock: E-Rollerverleih soll im Frühjahr 2020 starten
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07:52 19.10.2019
Der schwedische Anbieter Voi hat im September in Rostock rund 50 Elektro-Roller getestet. Quelle: Voi
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Rostock-Stadtmitte

Nun also doch: Das schwedische Mobilitätsunternehmen Voi will in Rostock Elektro-Roller zum Verleih anbieten. Laut Rathaus soll das Angebot im Frühjahr 2020 starten. Dabei hatte die erste Testphase rund um den Klima-Aktionstag im September hitzige Diskussionen ausgelöst. In den sozialen Medien kursierten Bilder, die zeigten, wie die mit Batterien angetriebenen Roller in Hecken lagen. Die meisten Nutzer kommentierten die Einführung der sogenannten E-Scooter negativ: „Wann wird wohl der erste in der Warnow landen?“

Auch in der Politik gibt es Widerstände. „Ich halte von den Dingern gar nichts“, sagt Andreas Engelmann (Linke), stellvertretender Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses der Bürgerschaft. Stephan Porst (Grüne) hat die Roller gerade erst in Berlin im Einsatz gesehen: „Ich hatte den Eindruck, dass nur Touris damit fahren.“ Anne Mucha (SPD) glaubt ebenfalls, dass die Elektroroller für die Rostocker eher unattraktiv sind.

Sinnvolle Einbindung als Chance

Doch verbieten kann die Stadt die Einführung nicht: Unternehmen können die Roller völlig frei in der Öffentlichkeit anbieten. „Für das Vermieten der E-Scooter ist auch keine Sondernutzungsgenehmigung erforderlich“, sagt Rostocks Klimaschutzmanagerin Claudia Kruse. Grundlage sei ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2009.

Julia Kristin Pittasch (FDP) hält die Diskussion über das Für und Wider der E-Scooter daher für überflüssig: „Viele dachten ja erst auch, dass Internet setzt sich nicht durch.“ Die Liberalen machen sich für eine sinnvolle Einbindung der elektrischen Tretroller in das Rostocker Verkehrsnetz stark. „Die E-Scooter könnten zum Beispiel an Bahnhaltestellen und Knotenpunkten, besonders auch außerhalb des Innenstadtgebiets, stationiert werden“, sagt Pittasch. Auf diese Weise würden nicht nur Touristen, sondern auch Rostocker profitieren.

Viele technische Möglichkeiten

Die Chefin des Stadtenwicklungsausschusses, Andrea Krönert (Grüne), befürwortet ebenfalls, dass die Stadtverwaltung mit den Anbietern entsprechende Vereinbarungen schließt. „So haben wir die Chance, das Chaos zu ordnen, das auf uns zukommen könnte.“ In anderen Großstädten sorgen die E-Scooter regelmäßig für Ärger. „Die Angst ist da, dass die Dinger nun auch in Rostock überall herumstehen und damit auf dem Boulevard gefahren wird“, sagt Andreas Herzog (SPD) vom Ortsbeirat Stadtmitte.

Es gebe jedoch technische Möglichkeiten, den Einsatz der Roller einzuschränken, wie Klimaschutzmanagerin Kruse erklärt. „Die Ausleihe wird per App auf einem Smartphone gestartet. Und wenn jemand den mit einem GPS-Sender ausgestatteten Roller an einem Ort abstellen will, der dafür nicht vorgesehen ist, kann die Ausleihe nicht beendet werden“, so Kruse. Laut Herzog könne sogar der Motor automatisch gestoppt werden, sobald eine Fußgängerzone befahren wird.

Anbieter ist selbst für Regulierung

Bürgerschaftsmitglied Julia Kristin Pittasch (FDP) hat die E-Scooter in der Testphase schon ausprobiert. Quelle: FDP

Das Rathaus arbeitet bereits an entsprechenden Vereinbarungen mit dem Anbieter Voi. Laut Mobilitätskoordinator Steffen Nozon sollen konkrete Abstell-orte bestimmt werden. Auch müsse geregelt werden, in welcher Frist die Firma auf defekte oder liegende Roller reagiert. Voi steht dem offen gegenüber: „Für uns ist es wichtig, dass unsere E-Scooter verantwortungsbewusst genutzt werden. Deshalb sprechen wir uns nachdrücklich für Regulierungen aus“, sagt der General Manager des Unternehmens, Claus Unterkircher.

Nach jetzigem Stand sollen die Roller zunächst nur in der Innenstadt angeboten werden. „Nachts werden sie eingezogen und morgens wieder bereitgestellt“, sagt Nozon. Das Entsperren der Roller kostet einmalig einen Euro, danach werden 15 Cent pro gefahrener Minute berechnet. Ein genauer Starttermin steht noch nicht fest.

Neben Voi haben zwei weitere Anbieter ihr Interesse am Verleih in Rostock signalisiert, heißt es im Rathaus.

E-Scooter: Das ist zu beachten

E-Scootersind Tretroller mit Elektroantrieb. Ihre Fahrer haben sich an die Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge zu halten, die seit Juni 2019 gilt.

Aus der Verordnung geht hervor, dass E-Scooter grundsätzlich nur auf Radwegen erlaubt sind. Wenn diese aber fehlen, dürfen die Nutzer auf die Straße ausweichen. Auf dem Gehweg, in der Fußgängerzone und in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung sind die Elektroroller verboten – außer das Befahren wird durch das Zusatzzeichen „E-Scooter frei“ erlaubt. Wichtig: Das Zusatzschild „Radfahrer frei“ gilt hier nicht für die Elektrotretroller.

Die maximale Geschwindigkeit der elektrischen Roller beträgt 20 Kilometer pro Stunde. Das Mindestalter für die Nutzung liegt bei 14 Jahren. Ein Führerschein ist nicht notwendig. Auch gibt es keine Helmpflicht. Grundsätzlich sind die E-Scooter nur für eine Person zugelassen. Und für die Nutzer gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer.

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Von André Horn

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