Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Nur noch ein Rostock: Fusionieren Hansestadt und Landkreis?
Mecklenburg Rostock Nur noch ein Rostock: Fusionieren Hansestadt und Landkreis?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 26.03.2018
Ein gemeinsames Rostock: In der OZ-Montage passen OB Methling (li.) und Landrat Constien, Rathaus und Doberaner Münster, Güstrower Schloss, Warnemünder Teepott und Kröpeliner Mühle bestens zusammen. Quelle: Montage: Benjamin Barz
Anzeige
Bad Doberan/Güstrow/Rostock

Streit ums Geld, um Bauland und um den Verkehr: Rostocker Bürger bringen nun eine neue Lösung für den Dauerstreit zwischen der Hansestadt und ihren Nachbarn ins Gespräch – eine Fusion. Im Rahmen der Debatten um den neuen Zukunftsplan der größten Stadt des Landes fordern gleich mehrere Rostocker einen Zusammenschluss mit dem Landkreis Rostock. Vorbild könnte Hannover sein: Dort hat sich die Großstadt mit 20 Gemeinden zur „Region Hannover“ zusammengeschlossen und spart so Millionen. Die Politik aber reagiert verhalten: Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) sagt, das sei derzeit kein Thema. Landrat Sebastian Constien (ebenfalls SPD) bringt stattdessen stärkere Kooperationen ins Gespräch – zum Beispiel im Rettungsdienst. Der Landkreis habe zudem Pläne für eine gemeinsame Kfz-Zulassungsstelle vorgelegt.

Anzeige

Ideen aus Rostocks Zukunftsplan

Den Ball ins Rollen gebracht hat die Hansestadt mit ihrem so genannten „Zukunftsplan“. In den kommenden Jahren will Rostock einen neuen Flächennutzungsplan aufstellen – und dabei sind die Bürger gefragt. Sie sollen Ideen für die Entwicklung der größten Stadt des Landes liefern. 988 Ideen waren bis zum Stichtag eingegangen – und darunter gleich mehrfach die Forderung nach einer Fusion von Stadt und Umland. „Wenn man ein bisschen in die Zukunft denkt, wäre ein sinnvoller Schritt, wenn Hansestadt und Landkreis zusammentun, fusionieren würden. Alle Probleme würden sich dann in Luft auflösen“, schreibt ein Rostocker. „Wir hätten genügend Bauland, wir könnten den Hafen erweitern.“ Ein anderer Teilnehmer schreibt: „Die umliegenden Gemeinden und Dörfer des Landkreises sollten aufgekauft und genutzt werden. Vor allem Groß Stove, Dalwitzhof und Gragetopfshof. Die Felder könnten teilweise als Bauland genutzt werden.“ Andere Rostocker bringen eine ganz große Lösung ins Gespräch. „Die Hansestadt sollte mit den Umlandgemeinden ein gemeinsames Wohnraumkonzept entwickeln. Am Ende könnte eine Gemeindefusion von Bad Doberan bis Sanitz und von Graal Müritz bis Dummerstorf stehen.“

Land setzt auf Fusionen mit dem „Speckgürtel“

Das Schweriner Innenministerium würde sich bei einer „großen Fusion“ zwischen Stadt und Landkreis querstellen: Dabei hatten die Schweriner Fachleute bis 2007 selbst einen Zusammenschluss von Rostock mit den damaligen Kreisen Bad Doberan und Güstrow geplant, sagt Ministeriumssprecher Michael Teich. „Kreis Mittleres Mecklenburg“ sollte das Gebilde heißen. Doch das Landesverfassungsgericht in Greifswald sagte „Nein“. Rostock hätte mehr als die Hälfte der Einwohner des Kreises gehabt, die Nachbarn dominiert. Und das darf seit 2008 laut Gesetz erst Recht nicht mehr sein. Aber: Gegen Fusisonen zwischen Rostock und kleinen Nachbargemeinden hätte Schwerin nichts einzuwenden. „Freiwillige Zusammenschlüsse sind zu begrüßen, wenn sie von den beteiligten Gemeinden als sinnvoll erachtet werden“, lässt Minister Lorenz Caffier (CDU) durch Teich ausrichten. Zwischen den Zeilen wirbt das Innenministerium noch stärker für solche „kleinen Fusionen“: Mit der Stadt-Umland-Abgabe wollte das dereinst Ungerechtigkeiten zwischen Hansestadt und dem „Speckgürtel“ ausgleichen: „Ein Großteil der Einwohner aus dem ,Speckgürtel‘ arbeitet in der Großstadt, die Bewohner nutzen die kulturellen und Infrastruktureinrichtungen der Stadt. Aber die Steuereinnahmen – insbesondere aus der Einkommenssteuer – gehen allein an die kleinen Gemeinden.“ Mit der Umland-Abgabe wollte das Land den Solidargedanken stärken. Aber das Landesverfassungsgericht kippte die Zahlungen – und somit auch die einzige Alternative zu Eingemeindungen durch Rostock.

Andreas Meyer