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Rostock Dirk Zierau trifft immer den richtigen Ton
Mecklenburg Rostock Dirk Zierau trifft immer den richtigen Ton
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18:33 06.05.2019
Das Klavierspielen ist sein Ausgleich. Gelernt hat es Dirk Zierau für den Auftritt in einer TV-Show. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

 Fingerspitzengefühl ist bei Dirk Zierau absolut vorhanden – Taktgefühl auch. Schließlich benötigt er beides für eines seiner liebsten Hobbys: das Klavierspielen. „Das ist mein Ausgleich. Immer, wenn mich am Tag etwas beschäftigt oder geärgert hat, dann setze ich mich abends ans Klavier“, sagt der 48-Jährige. Noten braucht er dafür längst nicht mehr, wechselt mühelos von Bach über Chopin zu Elvis oder der Titelmelodie des Films „Die Blaue Lagune“.

Für TV-Spielshow Klavier gelernt

Die Leidenschaft für Musik wurde dem gebürtigen Sachsen-Anhalter in die Wiege gelegt. „Mein Opa machte Hausmusik“, sagt Zierau und zeigt auf die alte Geige des Großvaters, die heute in seinem Wohnzimmer steht.

Der parteilose OB-Kandidat gibt mit Bildern von heute und früher Einblicke in sein Leben.

Nach einer längeren Pause hat Zierau das Klavierspielen dann 1995 von seinem Vater wieder erlernt – für die damals sehr erfolgreiche TV-Spielshow „Mann-o-Mann“ mit Peer Augustinski, bei der zehn männliche Kandidaten das weibliche Publikum von sich überzeugen wollten. „Ein Freund hatte mich aus Spaß dazu angemeldet und wenn ich irgendwo mitmache, dann habe ich auch den Ehrgeiz, zu gewinnen“, blickt der OB-Kandidat zurück. So übte er einen Rock 'n' Roll von Gary Glitter ein, der damals mit dazu beitrug, dass Zierau die Show und damit eine Reise gewann.

Als Radballer Mitglied der DDR-Jugendliga

Sein Ehrgeiz stamme noch aus der Zeit als Sportler. „Ich war begeisterter Radballer, hab es sogar bis in die DDR-Jugendliga geschafft“, sagt Zierau. Auch heute noch ist er sportlich aktiv, trainiert zuhause an der Klimmzugstange, geht joggen, steht auf dem Stand-up-Paddle-Board oder powert sich im Fitnessstudio aus. Allerdings sei die Motivation mittlerweile eine andere: „Heute mache ich Sport, um fit und gesund zu bleiben und 100 Jahre alt zu werden. Vor allem, um unsere Kinder aufwachsen zu sehen und viel Zeit mit der Familie zu verbringen“, sagt er.

Gelernter Forstfacharbeiter ist „ein echter Öko“

Auch Räder spielen in seinem Leben noch eine große Rolle, wenn auch mittlerweile ohne Ball. Die Wege innerhalb der Stadt erledigt Zierau ohne Auto, schwingt sich auf einen seiner Drahtesel oder nutzt den Nahverkehr. „Ich bin ein echter Öko“, sagt er. Ob Fortbewegung, Ernährung oder Kleidung – Zierau und seine Familie leben umweltbewusst und nachhaltig.

Kurzvita

19. August 1971 in Gardelegen/Altmark geboren 1988 bis 1992 Forstfacharbeiter/Abitur an der BBS Forst Bad Doberan 1993 bis 1998 Jura-Studium an der Universität Rostock, anschließend Referendariatab 2000 Rechtsanwalt (Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Kommunaljurist)2012 Promotion (Kita-Finanzierung) 2014 auch Geschäftsführer Kubus-GmbH (Gesellschaft kommunaler Spitzenverbände) seit 2016 Leiter der Abteilung Personal und Recht der Hanse- und Universitätsstadt Rostock auch 2016 Diplom-Kaufmann (FH), HS Wismar Privat:seit 2008 glücklich verheiratet, zwei Töchter Lina (10) und Mette (4)

Der gelernte Forstfacharbeiter hegt und pflegt den kleinen Garten hinter dem umgebauten alten Getreidespeicher in der Rostocker Altstadt, in dem er mit seiner Frau, den zwei Töchtern und der Schwiegermama quasi als Mehrgenerationenhaushalt lebt. „Ich habe keinen Rasen, ich habe eine Wiese“, sagt er und zeigt voller Stolz auf das, was dort wächst: unter anderem Hopfen, Bärlauch, Eberraute und Wermutkraut sowie Waldmeister. „Der schmeckt auch gut zu Gin Tonic“, sagt Zierau schmunzelnd.

Bücher stapeln sich im Regal bis unter die Zimmerdecke

Wenn Zeit sei, greife er auch gern zum Buch. Auswahl ist genug: Raumhoch, wandfüllend und doppelreihig bestückt sind die Bücherregale bei ihm zuhause – mit einer Leiter davor, um auch an die oberen Schätze zu kommen. „Ich bin bibliophil“, sagt Zierau und lächelt fast entschuldigend. Zu seinen Lieblingsautoren gehören Alexis Sorbas, Hermann Hesse und Jurek Becker.

Aber auch ein echter Zierau findet sich im Regal – seine Dissertation zum Thema „Entgelte für Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern“. „Das soll man doch im Leben machen: Ein Buch schreiben, einen Baum pflanzen, ein Kind zeugen und ein Haus bauen“, zählt Zierau auf. Das meiste davon hätte er schon erledigt und das Haus zwar nicht gebaut, aber umgestaltet. „Dafür gab es zwei Kinder“, sagt er schmunzelnd.

Studentenjobs als Fitnesstrainer und Hafenarbeiter

Viele Bücher aus den beeindruckend großen Regalen hätte ihm auch die ehemalige Cheflektorin des Hinstorff Verlages, Ingrid Prignitz, geschenkt. „Wir haben uns 1996 über den ersten Naturkostladen Rostocks kennengelernt. Ich war damals das siebente Mitglied“, sagt Zierau. Im Naturkostladen, der in den ehemaligen Jugendklub-Baracken im Rosengarten startete, gab es regionale Lebensmittel in Bio-Qualität. „Ich habe als Student dort ausgeholfen, kurzzeitig sogar den Laden geführt. Gutes, gesundes Essen war mir schon immer wichtig“, blickt Zierau zurück.

Das war aber nicht sein einziger Job während des Jura-Studiums an der Universität Rostock. „Ich war auch Trainer im Fitnessstudio und habe mir im Hafen als Umschlagshelfer Geld dazu verdient. Da haben wir unter anderem 70 Kilo schwere Kakaosäcke geschleppt.“

Jurist kennt die Verwaltung von mehreren Seiten

Nach dem Studium arbeitete Zierau in Mecklenburg-Vorpommern als Anwalt und hat schwerpunktmäßig Kommunen beraten. 2016 erfolgte dann der Wechsel ins Rostocker Rathaus – als Leiter der Personalabteilung, die seit 2018 sogar die Bereiche Personal und Recht umfasst.

Politische Ziele

1.) Die konsequent wirtschaftliche Politik von Roland Methling weiterführen: Ein ausgeglichener Haushalt, nicht mehr Geld ausgeben, als man hat – das ist die Grundlage auch meines Handelns als künftiger Oberbürgermeister. Dazu gehört auch, die Großprojekte ohne Überschuldung und mit Kompetenz zu realisieren: Die Buga, die neue Eis- und Schwimmhalle am Iga-Park, das Volkstheater, der Rathausanbau, eine neue Feuerwache.

2.) Beste Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft schaffen: Die Interessen von Vereinen, (Sozialleistungs-)Trägern, Verwaltung, kommunalen Unternehmen, privater Wirtschaft und allen Rostockern sind zusammenzuführen. Die Stadtverwaltung ist dabei DAS Bindeglied. Für die heimische Wirtschaft sollten der Gewerbesteuersatz nicht angehoben und die Verwaltungswege kürzer und digitaler werden. Der Fachkräftemangel ist nur gemeinsam zu bewältigen. Kreativ- und Start-up-Förderung bis zur Ansiedlung ist für mich kluge Wirtschaftsförderung.

3.) Wohnraumprobleme lösen: Dabei geht es darum, bezahlbaren und ausreichend Wohnraum mit der WIRO und den Wohnungsgenossenschaften zu realisieren. Zu fördern sind: Studentisches Wohnen, neue Wohnformen (Stiftungen, Mehrgenerationenhäuser). Notwendig sind aber auch Milieuschutz sowie kreative Architekturen und Stadtplanungen. Rostock wächst als Regiopole gemeinsam mit den Umlandgemeinden.

4.) Rostock kinder- und familienfreundlicher entwickeln, Senioren unterstützen und den Breitensport fördern: durch Kita-Plätze ohne Wartelisten und mit flexiblen Öffnungszeiten, Hortplätze an den Schulen, besseres Kita- und Schulessen. Jugendsozialarbeit sollte bereits präventiv in Sport- und Kulturvereinen einsetzen. Senioren mit geringer Rente sollten vergünstigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, durch verbilligte Preise für Kunsthalle, Volkstheater, Bus und Bahn sowie Sportvereine – mithilfe eines Seniorenfonds. Barrierefreie Infrastrukturen sind wichtig, genau wie die Gehwegerneuerung. Es braucht mehr Geld für neue Sportanlagen, mehr Stadttrainer sowie einen Sportförderplan.

5.) Verkehrsinfrastruktur überarbeiten: Das Verkehrskonzept „Rostock bewegen“ aus dem Jahre 1998 sollte weiterentwickelt werden. Der ÖPNV muss attraktiver ausgebaut werden, auch Bike-Sharing und das Radwegenetz sind auszubauen.

Als Roland Methling ihn gefragt hätte, ob er sich um das Amt des Bürgermeisters bewerben möchte, habe er „im Inneren eigentlich sofort Ja gesagt“, erinnert sich Zierau an den Moment im Jahr 2018. Natürlich hätte er sich aber noch mit der Familie abgesprochen. „Sie ist meine Basis und ohne deren Rückhalt geht nichts.“ Die Entscheidung, offiziell zu kandidieren, sei dann im Urlaub in Litauen gefallen. In dieses Land reist die Familie öfter, weil seine Frau gebürtig von dort stammt.

Lieber Bürgermeister als Bundestagsabgeordneter

Als bekannt wurde, dass er zur Wahl antritt, hätte er viele Rückmeldungen erhalten. „Einige Studienfreunde hat meine Kandidatur daran erinnert, dass ich schon damals, als Jura-Anfänger, gesagt hätte, dass ich mal Bürgermeister werde“, so Zierau. Im Bundes- oder Landtag sei man nämlich immer nur einer von vielen – an der Spitze einer Stadtverwaltung könne man dagegen ganz direkt Dinge anschieben und gestalten. Chef von rund 2500 Angestellten zu sein, sei vergleichbar mit der Führung einer großen Firma, sagt Zierau, der selbst bereits zweimal Geschäftsführer war – von der Klärschlamm Kooperation MV sowie von der Kommunalberatung Kubus.

Seine Verwaltungserfahrung aus der Zeit als Anwalt sowie aus dem Rathaus hält Zierau mit Blick auf den OB-Posten für einen Vorteil. „Ich kenne die Abläufe aus mehreren Perspektiven und weiß, was dahinter steckt – und ich will es trotzdem machen“, sagt der 48-Jährige augenzwinkernd.

Einzelbewerber mit grüner und sozialer Ader

Zur Wahl des künftigen Rostocker Oberbürgermeisters trete er als Einzelbewerber an, würde bei seiner Kandidatur aber vom Bündnis Unabhängige Bürger für Rostock (UFR) unterstützt. Was die Wähler von ihm erwarten können, weiß Dirk Zierau ganz genau: „Ich bin das, was man hier zuhause sieht – Familie, Garten, Bücher und Musik“, sagt er. Als Mitglied engagiert sich Zierau auch bei den Natur- und Umweltschutzorganisationen WWF und Greenpeace sowie bei Ärzte ohne Grenzen.

Neben der Leidenschaft für die schönen Künste, den Sport und die Natur hätte er auch ein Herz für die sozial schwächeren Mitglieder der Gesellschaft. Sollte er die Wahl gewinnen, stünden die Bürger im Vordergrund – und das ohne „zermürbende Klientelpolitik“.

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