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Rostock OB-Wahl in Rostock: Das sind die ausgefallensten Ideen der Kandidaten
Mecklenburg Rostock OB-Wahl in Rostock: Das sind die ausgefallensten Ideen der Kandidaten
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05:30 24.05.2019
Welche Ideen haben Sybille Bachmann (v. l.), Steffen Bockhahn, Uwe Flachsmeyer, Claus Ruhe Madsen, Chris Müller-von Wrycz Rekowski, Tom Reimer, Edgar Schulze, Dirk Zierau und Matthias Bräuer (nicht im Bild) exklusiv? Ein Überblick. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

 Finanzen, Vereine, Wohnen: Diese Themen haben alle neun Oberbürgermeister-Kandidaten auf ihrer Agenda. Doch welche Ideen haben die Bewerber „exklusiv“? Welches Projekt für Rostock gibt es nur mit Kandidat A oder Kandidat B? Die OZ stellt die witzigsten, ausgefallensten, neuesten Vorhaben die Bewerber vor.

Streichelzoo am Schnatermann

Spaß für die kleinen Rostocker: Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) plant einen Streichelzoo. Quelle: Fotolia

SPD-Kandidat Chris Müller-von Wryzc Rekowski, derzeit Ordnungs- und Finanzsenator in der Hansestadt, will eine neue Attraktion für die Rostocker schaffen: Er will am Schnatermann einen „Heimtierzoo“ aufbauen. „Das Gelände rund um den Schnatermann ist ein toller Flecken Erde und war jahrzehntelang ein beliebtes Ausflugsziel für viele Rostocker“, so Müller-von Wrycz Rekowski. Nach der Schließung der Gaststätte würden jedoch sanitäre Anlagen und eine Gastronomie fehlen. „Das Grundstück befindet sich im Eigentum der Stadt. Als Oberbürgermeister würde nicht tatenlos zusehen, wie dieser wichtige Naherholungspunkt im Rostocker Nordosten verloren geht.“ Er will deshalb einen neuen Betreiber für die Gastwirtschaft suchen – und: „Um für Familien mit Kindern den Schnatermann als Ausflugsziel attraktiver zu machen, könnte ich mir dort deshalb einen Heimtierzoo vorstellen. Tiere wie Hühner, Schafe, Ziegen, Esel und Schweine sollen dabei helfen, den Charme des ländlichen Raums in die Stadt zu holen und erlebbar zu machen.“

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Sport mit dem Rathaus-Chef

American Football in Rostock: Steffen Bockhahn (Linke) würde mit den Bürgern ein Mal im Jahr „neue“ Sportarten ausprobieren. Quelle: René Warning

Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn, der Kandidat der Linken, will die Rostocker bewegen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Seine „besondere“ Idee: „Wenn ich OB werden, würde ich einen Oberbürgermeister-Sporttag einführen.“ Was es damit auf sich hat? „Einmal im Jahr würde ich zusammen mit den Vereinen der Stadt die Bürger einladen, eine neue Sportart auszuprobieren – mit mir gemeinsam.“ Die „Klassiker“ wie Fußball, Handball, Basketball könnten ebenso auf dem Programm stehen wie ausgefallene Sportarten. „Ich möchte die Menschen dieser Stadt für Sport begeistern. Vielleicht findet der eine oder andere dann ja auch den Weg in die Vereine.“

Oberbürgermeisterin will zuhören

Politik interessiert die Rostocker – wie hier beim Wahltalk der OSTSEE-ZEITUNG und des Norddeutschen Rundfunks. Sybille Bachmann würde die Rostocker alle drei Monate zur Diskussion einladen. Quelle: OVE ARSCHOLL

Sybille Bachmann, die Bewerberin des Rostocker Bundes, plant als besonderes Projekt kein Bauvorhaben, sondern eine Veranstaltungsreihe – den „OB-Dialog“. Als Verwaltungschefin wolle sie den Menschen der Stadt zuhören. „Alle drei Monate würde ich die Rostocker zu einem Bürgerdialog einladen.“ Die Verwaltung soll dann berichten, woran sie gerade arbeitet. Und die Menschen der Hansestadt sollen wiederum dem Rathaus erzählen, wo gerade der sprichwörtliche Schuh drückt. Wo gibt es „Baustellen“, um die sich Verwaltung und Politik dringend kümmern müssen. Das wäre, so Bachmann, auch die passende Plattform um über die Themen „Maut-freier Warnow-Tunnel“ und Mieterhöhungen bei den Wohnungsunternehmen der Stadt zu reden.

Neue Linien in den Nordwesten

Uwe Flachsmeyer (Grüne) will das Straßenbahnnetz bis nach Groß Klein und Reutershagen ausbauen. Quelle: Ove Arscholl

Für Uwe Flachsmeyer ist der Verkehr eines der größten Probleme der Hansestadt. Um die Straßen zu entlasten und gleichzeitig dem Klima Gutes zu tun, will der OB-Kandidat den Nahverkehr in Rostock attraktiver machen. „Ein attraktiver ÖPNV braucht vor allem zwei Dinge: ein gutes Netz und günstige Preise. Ich möchte in Rostock das 365-Euro-Jahresticket einführen.“ Wie in der österreichischen Hauptstadt Wien sollen Busse und Bahnen den Bürger maximal einen Euro pro Tag kosten. Und: Flachsmeyer will das Netz ausbauen. Die Straßenbahn soll unter ihm im Rathaus auch in die Stadtteile fahren, die bisher nicht angebunden sind – zum Beispiel nach Reutershagen, nach Schmarl und nach Groß Klein.

Technik für die Jugend von morgen

Zocken für ein digitales Rostock: Claus Ruhe Madsen (parteilos) will für Rostocks Nachwuchs Turniere in Computerspielen ausrichten. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Claus Ruhe Madsen setzt voll auf das Thema Digitalisierung – und zwar nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in den Stadtteilen. Und damit meint er nicht eine schnelle Internet-Anbindung, sondern neue Lern- und Freizeitangebote: „In unseren Stadtteilen werde ich Begegnungsräume mit digitaler Infrastruktur schaffen. Hier können morgens Schulklassen die digitale Welt kennenlernen und am Nachmittag Studenten die digitalen Werkstätten nutzen“, schreibt der parteilose Unternehmer, den FDP und CDU empfehlen. In den Digitalzentren soll es 3D-Drucker, digitale Webstühle und auch Fräsen geben – damit die Jugend der Hansestadt die Technik von morgen spielerisch erlernen kann. „Die Rostocker Kinder und Jugendlichen werden durch unsere digitalen Begegnungsstätten zu Vorreitern im Umgang mit digitalen Technologien.“ Auch die sogenannten E-Sports – also Computerspiele, die im fairen Wettbewerb ausgetragen werden – will er fördern.

Wohnen auf dem Wasser

In Lauterbach auf Rügen gibt es bereits Häuser im Wasser. Dirk Zierau (UFR) will das auch in Rostock möglich machen. Quelle: Gerit Herold

Sport und Freizeit, Handel und Wirtschaft – dafür steht die Warnow bereits. Geht es nach Dirk Zierau, dem Kandidaten der UFR, dann wird die Rostocker Lebensader aber bald auch zum Wohngebiet. „Ich möchte das Wohnen auf dem Wasser möglich machen. In London und Amsterdam ist das längst Realität.“ Zierau meint aber „nicht nur“ die klassischen Hausboote. Zwei Visionäre aus Rostock und Zinnowitz hätten die Idee von „Hausbooten“ entwickelt, die quasi auf dem Wasser schweben. Sphären, die sich selbst durch Wind und Sonne mit Strom versorgen. „Das ist modernes Wohnen. Das würde Rostock zum Vorreiter machen.“ Die Warnow müsste dafür vom Bund in das Eigentum der Stadt übertragen werden. „Dann brauchen wir eigentlich nur noch einen Bebauungsplan.“

Parks für Kreative

Ganz legal Graffiti sprühen kann man beim Kinderfest im Ostseeviertel in Greifswald. Matthias Bräuer (parteilos) will in Rostock ganze Parks für Kreative anlegen lassen. Quelle: Martin Hennig

Der parteilose Bewerber Matthias Bräuer will den Rostockern Raum für ihre Kreativität geben: „Ich würde Künstler-Parks in der Hansestadt anlegen.“ In denen sollen beispielsweise Graffiti-Künstler an eigens aufgestellten Containern und Wänden ihre Werke entstehen lassen. Die Volkshochschule oder Künstler aus der Stadt könnten interessierten Bürgern Seminare in Malerei oder auch Bildhauerei anbieten. „In Norwegen gibt es solche Parks bereits. Sie haben den schönen Nebeneffekt, dass die Graffiti-Künstler dort ihre Kunst entstehen lassen – und nicht mehr an fremden Hauswänden.“

Nur fünf Jahre Amtszeit

Der Chefsessel des OB vor dem Rostocker Rathaus: Tom Reimer (parteilos) würde die Amtszeit des Rathaus-Chefs von sieben auf fünf Jahre beschränken. Quelle: Ove Arscholl

Tom Reimer, ebenfalls parteiloser Kandidat, setzt nicht auf Bauten, Projekte – sondern auf ein neues Denken, das er in der Verwaltung einführen möchte. „Wenn die Stimmung im Rathaus gut ist, dann färbt das auf die ganze Stadt ab“, sagt er. Und: Er möchte die Amtszeit des Oberbürgermeisters von sieben auf fünf Jahre verkürzen. „Das reicht, um den Bürgern zu zeigen, ob man für das Amt geeignet ist oder halt nicht. Das wäre ein Beitrag zu mehr Demokratie in Rostock.“

Eine offene Schleuse

Edgar Schulze (parteilos, nicht im Bild) setzt sich für den Erhalt der Mühlendammschleuse ein. Er würde das Bauwerk als OB sofort sanieren lassen. Quelle: Ove Arscholl

Edgar Schulze – auch er tritt als „Parteiloser“ bei der Wahl am 26. Mai an – nennt als wichtigste Ideen den Wohnungsbau. Er will Quartiere schaffen, in denen die Mieten bezahlbar sind und alle Generationen gemeinsam leben. Und: Ganz oben auf seiner Agenda steht auch die Mühlendammschleuse. „Als Oberbürgermeister wäre es für mich ein Meilenstein, die Schleuse wiederzueröffnen.“

Andreas Meyer