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Rostock Edgar Schulze hat Rostock immer im Blick
Mecklenburg Rostock Edgar Schulze hat Rostock immer im Blick
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05:47 14.05.2019
Edgar Schulze (57) steht gern mal oben auf dem rund 100 Meter hohen Kesselhaus des Rostocker Steinkohlekraftwerks und lässt den Blick über die Hanse- und Universitätsstadt schweifen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die meisten OB-Kandidaten haben Rostock bereits mit ihren Wahlplakaten vollgehängt. Bei Edgar Schulze liegt die Wahl-Werbung noch im Kofferraum. „Wenn es sich anbietet, hänge ich auf dem Weg ein Plakat auf“, sagt der 57-Jährige und zieht ein Exemplar aus seinem Auto. „Unabhängig, parteilos – Ihr Oberbürgermeister Edgar Schulze“, ist darauf zu lesen.

Gerade einmal 100 Doppelplakate hat sich Schulze bestellt – was verschwindend gering anmutet im Vergleich zum Wahlplakat-Wahnsinn, der sich aktuell in der Stadt abspielt. „Bei mir läuft das alles bescheiden. Ich habe keine Unterstützer“, sagt Schulze. Der Wahlkampf ist für den Schweißfachingenieur aus dem Rostocker Steinkohlekraftwerk absolutes Neuland. Die Idee zur Kandidatur kam beim Gespräch mit Freunden. „Man sitzt zusammen und schimpft über Dinge, die in der Stadt passieren oder nicht passieren. Aber keiner tut etwas.“ Und da hieß es dann: „Du kannst doch gut reden, warum wirst Du nicht OB-Kandidat?“

Seine Frau habe zu Schulze sofort gesagt: „Mach’ das, meine Stimme hast Du.“ Als es Anfang des Jahres dann ernst wurde mit der Bewerbung, sei sie doch etwas überrascht gewesen, berichtet Schulze. „Sie hat nicht damit gerechnet, dass ich das jetzt auch tatsächlich durchziehe. Aber so bin ich halt – etwas spontan und verrückt.“ Ihm gehe es vor allem darum, ein Zeichen zu setzen: „Ich will zeigen, dass Stadtpolitik ohne die Bürger nicht funktioniert.“

Vom Hansa-Aufsichtsrat über die Studio-Eröffnung bis zum OB-Kandidaten.

Bei Hansa in schweren Zeiten im Aufsichtsrat

In der Öffentlichkeit ist Schulze bisher kaum bekannt. Nur einmal geriet er in den Fokus: 2015, als er in den Aufsichtsrat des Fußball-Drittligisten Hansa Rostock gewählt wurde. Damals steckte der Verein in einer tiefen Krise. Es gab viele Querelen rund um das Aus von Präsident Michael Dahlmann. „Wir haben damals im Aufsichtsrat mitgeholfen, dass es überhaupt weitergehen konnte“, blickt Schulze zurück. Seit Ende 2011 ist er Vereinsmitglied, heute ist er noch im Ältestenrat aktiv. „Ich habe seit mehreren Jahren eine Dauerkarte und bin bei jedem Heimspiel dabei.“

Schulze ist gebürtiger Cottbuser und seit 1978 in einem Kraftwerk tätig. Zunächst als Lehrling, später absolvierte er ein Fernstudium zum Diplom-Maschineningenieur. 1992 kam er dann nach Rostock. Das neue Steinkohlekraftwerk im Überseehafen bot ihm eine berufliche Perspektive. „Ich habe das Kraftwerk mitaufgebaut, betrieben und repariere es jetzt“, sagt Schulze. Seit 2006 ist er für die Schweißaufsicht verantwortlich. „Ich gucke, dass alles funktioniert.“ Die Rohre im Kraftwerk seien geschweißt und einem Druck von 265 Bar ausgesetzt. Bei Temperaturen von 550 bis 560 Grad wird in ihnen Wasser zu Dampf erhitzt.

Gemeinsames Gesundheitsstudio mit seiner Frau

Gemeinsam mit seiner Frau, der Physiotherapeutin Martina Klaus (52), betreibt Schulze seit 2017 ein Gesundheitsstudio im Dierkower Hansehof. Vorher hatten sie die Physio-Praxis im eigenen Haus in Dierkow-Ost. „Die Nachfrage der Patienten wurde aber immer größer. Wir mussten uns daher umschauen“, sagt Schulze. Und wie es der Zufall wollte, waren die Räume im Hansehof frei: Wo früher Gäste im China-Restaurant „Bonsai“ speisten, wird jetzt Sport getrieben. „Ich bin hier auch alle zwei Wochen einmal aktiv.“ Ansonsten sei er ins Alltagsgeschäft weniger eingebunden. „Ich bin nur die schnelle Feuerwehr, wenn mal etwas kaputt ist.“

Seine Frau hat Schulze 2005 kennengelernt – als er bei ihr zur Behandlung auf der Liege lag. Beide sind Motorrad-Fans und haben jeweils eine eigene Chopper. Zur Trauung gab’s dann auch eine Biker-Hochzeit in Warnemünde. „Unsere Freunde schwärmen noch heute davon. Wir haben eine geile Hochzeit gehabt“, sagt Schulze. Sieben Jahre ist das inzwischen her. Für ihn ist es die dritte Ehe.

Kurzvita

27. Juli 1961: geboren in Cottbus

1968-1978: Schulbesuch

1978-1980: Lehre zum Instandhaltungsmechaniker

1978-1992: Mitarbeiter im Braunkohlekraftwerk Jänschwalde

1983-1989: Brigadier einer Schlosserbrigade

1987-1992: Fernstudium zum Dipl.-Ing.(FH)Maschineningenieur

1992: Studium zum Kraftwerksmeister in Essen

1992 bis heute: Mitarbeiter im Steinkohlekraftwerk Rostock

2006: Studium zum Internationalen Schweißfachingenieur in Halle

2015-2016: Mitglied im Aufsichtsrat des FC Hansa Rostock

2017: Eröffnung Gesundheitsstudio „PhysioAktiv Rostock“ in Dierkow

2017: Mitglied im Ältestenrat des FC Hansa Rostock

Am Wochenende ist das Haus immer voll

Schulze und seine Frau haben fünf Kinder – „jeder drei“, sagt er mit einem Grinsen. Ihr jüngster Sohn ist elf Jahre alt, die einzige Tochter ist mit 38 Jahren am ältesten. „Wir haben auch schon fünf Enkelkinder.“ An den Wochenenden sei das Haus daher immer voll. „Das ist auch das Schöne“, sagt Schulze. In Dierkow-Ost wohne er wie in einem Dorf – mitten in der Stadt. „Wir grillen gerne, sitzen im Garten und hören Musik.“ Getanzt wird auch. Discofox. „Meine Frau liebt Roland Kaiser.“ Früher sei das Paar gerne in Tanz-Gaststätten gegangen. „Aber die gibt es ja nicht mehr in Rostock.“ Und Ü-40-Partys seien nicht ihr Ding.

In Rostock fühlt sich der gebürtige Cottbuser dennoch längst heimisch. Durch den Kontakt mit den Patienten seiner Frau habe Schulze viel über die Hansestadt erfahren, gerade durch die älteren. „Meine Frau spricht plattdeutsch und das kommt sehr gut an.“ Er selbst könne es nicht. „Aber ich verstehe es ein bisschen.“

Im Urlaub geht’s aufs Boot

Wer im Gesundheitsstudio im Hansehof trainiert, dem fällt sofort das große Steuerrad in der Ecke des Raumes auf. „Das habe ich von einem Freund bekommen.“ Schulze fährt selbst gerne Boot. „Ich habe alle Bootsführerscheine und wenn wir Urlaub haben, mieten wir uns ein Boot, um zehn bis 14 Tage auf der Mecklenburger Seenplatte zu schippern. Dann geht’s bis nach Brandenburg runter. Da gibt’s genug zu sehen, die Landschaft ist wunderschön.“

Auch das Angeln hat es ihm angetan: „Mein größter Fang war ein Dorsch in Norwegen. 1,03 Meter lang. Für andere ist das nichts Besonderes, aber für mich war das schon ganz schön groß. Wir mussten da ordentlich dran zerren.“ Schulze esse auch gern Fisch. Noch lieber aber Lungenhaschee – womit er in der Familie ziemlich alleine dasteht. „Die Familie sagt immer, es riecht gut. Aber essen will das keiner.“ Nur der jüngste Sohn hat es einmal probiert. „Aber da hat die Mutter gesagt, igitt, und dann hat sich das auch erledigt gehabt.“

Politische Ziele

Bürgernähe: Einrichtung eines Bürgertelefons, vierteljährliche Befragung der Bürger in unterschiedlichen Stadtteilen und bei großen Bauvorhaben eventuell Bürgerbefragung plus Entscheid.

Finanzen im Blick: Bei erheblichen Kostenüberschreitungen Bürger informieren. Bauvorhaben besser planen und kontrollieren. Kontrolle der Ausschreibungspflicht, und Kosten überwachen. Kontrollieren, ob Bauvorhaben wirklich notwendig sind (Machbarkeitsstudie). Die Sinnhaftigkeit von Bauvorhaben wie der BUGA-Brücke überprüfen. Nutzung des Iga-Parks für die Buga prüfen. Umgestaltung des Stadthafens auf den Prüfstand stellen. Steuerkosten von Großunternehmen überprüfen.

Wohnen und Infrastruktur: Erhöhung des Wohnungsangebotes zu sozial erschwinglichen Preisen. Öffentliches Verkehrsnetz ausbauen. Straßennetz überprüfen und gegebenenfalls sanieren (Kostenkontrolle). Bessere Anbindung aller Stadtteile und Vororte an Bus und Bahn. Überprüfung der Notwendigkeit von Ausbau der Handelsofferten – hier ganz gezielte Überprüfung des Rostocker Hafens als Welttor. Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit aller Handelspartner. Stärkung der KMU als Rückgrat der Wirtschaft. Autofreie Zone in der Innenstadt. Öffnung der Warnowschleuse als touristische Tür zu Rostock.

Arbeit und Bildung: Senkung der Kosten für Kita, Schulen und Hort. Schaffung von Kitaplätzen für alle Rostocker. Schulausstattung verbessern und damit Ausbildungsniveau anheben. Partnerschaftlichkeit zwischen Industrie und Lebensraum ausbauen. Stadtfernsehen für alle Rostocker ausbauen. 5-G-Telefonnetz und freies WLAN in der ganzen Stadt. Die Stadtverwaltung digitalisieren.

Kultur und grüne Stadt: Sport und Kultur fördern und weiter entwickeln. In allen Stadtteilen Erhol-Oasen schaffen. Alle Messstationen für Feinstaub überprüfen. Bürger besser über Kohlendioxid und Klimawandel aufklären. Mit mir wird es keine Dieselfahrverbote geben, dafür Modernisierung des öffentlichen Personennahverkehrs. Über das Steinkohlekraftwerk als Notwendigkeit und Arbeitgeber aufklären.

Vom Dach des Kesselhauses die ganze Stadt im Blick

Sein Lieblingsort in der Hansestadt ist das Dach vom Kesselhaus des Steinkohlekraftwerkes. „Nirgendwo stehe ich höher über Rostock als hier.“ Von hier hat er die gesamte Stadt im Blick. 100 Meter ist das Gebäude hoch. „An schönen Tagen kann ich selbst den Leuchtturm in Gedser sehen.“

Im Steinkohlekraftwerk sprechen ihn eher wenige auf seine Kandidatur an, im Gesundheitsstudio sei das schon anders. „Viele sagen zu meiner Frau, dass sie mich wählen werden.“ Er führe daher schon eine Strichliste – „mal sehen, ob es am Ende wirklich so ist.“

Wahlforen der OSTSEE-ZEITUNG

Am 16. Mai um 18 Uhr laden NDR und OZ zu einer Podiumsdiskussion ein. Themen werden unter anderem Wohnungsbau, Tourismus und Großprojekte in der Hansestadt sein. OZ-Lokalchef Andreas Meyer und Stefan Horn, Redakteur im NDR-Ostsee-Studio, werden die Diskussion moderieren. Veranstaltungsort ist das OZ-Medienhaus.

Locker soll der Wahl-Abend am 20. Mai um 19 Uhr im Theater des Friedens werden. Die Kandidaten spielen ihre Lieblingsmusik vor, mixen ihr Lieblingsgetränk und sitzen mit den Gästen an einem Tisch. „Wir wollen die Bewerber ein bisschen persönlich kennenlernen“, sagt Geschäftsführerin Sandra Elgeti. Sie und OZ-Chefredakteur Andreas Ebel moderieren den Abend.

André Horn

Ja, es gibt zu viele Baustellen in Rostock. Aber das wird sich nicht ändern: Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne) reagiert auf die Kritik am Dauerstau in der Hansestadt – macht den Autofahrern aber wenig Hoffnung.

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