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Rostock Straßen(bahn)-Wahlkampf ums Rostocker Rathaus
Mecklenburg Rostock Straßen(bahn)-Wahlkampf ums Rostocker Rathaus
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00:33 14.05.2019
In der OZ-Wahlbahn konnten am Freitagabend Bürger mit Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister ins Gespräch kommen: Claus Ruhe Madsen (v. l.), Steffen Bockhahn, Dirk Zierau, Chris Müller-von Wrycz Rekowski, Sybille Bachmann, Uwe Flachsmeyer und OZ-Lokalchef Andreas Meyer (steht nicht zur Wahl.) Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

 Jetzt muss es ganz schnell gehen: Die Rostockerin Josephine Ulrich (36) hat gerade erst erfahren, dass gleich die OZ-Wahlbahn am Doberaner Platz abfährt. Spontan springt sie noch mit rein. Und ab geht die Straßenbahn-Fahrt mit sechs Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl in Rostock. „Das ist mal nicht so eine angestaubte Podiumsdiskussion. Ich kann hier auch längere Gespräche mit den Kandidaten führen – in einer ulkigen Umgebung“, sagt Ulrich.

Doch nicht nur die Fahrgäste wollen die Chance nutzen, die Bewerber kennen zu lernen. Auch die Kandidaten wollen punkten und drücken gleich verbal aufs Tempo: „Rostock ist die schönste Stadt der Welt – sie ist nur ein klein wenig im Gestern stecken geblieben“, sagt der ehemalige IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen (parteilos). Doch wie wird sein Führungsstil als OB-Kandidat sein, will Johanna Rickelt wissen. „Mir ist Augenhöhe ganz wichtig“, sagt der Unternehmer. Seine Tür stehe immer offen für seine Mitarbeiter.

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So diskutierten Rostocks OB-Kandidaten mit den Fahrgästen.

Was tun gegen das Verkehrsproblem?

In einem Punkt sind sich alle Kandidaten einig: Rostock hat ein Verkehrsproblem. „Wir müssen die Ampelphasen auf den tatsächlichen Bedarf einstellen“, sagt Dirk Zierau (UFR). Bachmann schwebt eine Art Schiff-Schuttle für die Warnow vor, um in der Innenstadt zu entlasten. Flachsmeyer (Grüne) wirbt für ein 365-Euro-Jahresticket. Moya-Betreiber Niels Burmeister nickt: „Das würde meine Frau sofort nehmen.“ Auch soll mehr in den ÖPNV investiert werden – was die Gastgeberin der Fahrt freut, Yvette Hartmann, Vorstand bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG).

Flachsmeyer geht noch weiter: Rostocks Verkehrsplaner müssten künftig erst an die Radfahrer und Fußgänger denken – und dann an die Autofahrer. Franz Holke aus der KTV hakt hier gleich mal nach: „Können Sie sich auch eine Maut für Rostock vorstellen?“ Flachsmeyer verneint: „Wir müssen eher Anreize schaffen.“ Burmeister ist skeptisch: „Handwerker, Pflegedienste und Lkw können nicht einfach aufs Fahrrad umsteigen.“

Sorge um Rostocks Kleingärten

Einige Fahrgäste bangen um die Zukunft der Kleingärten. Bachmann betont: „Wir dürfen nicht nur Wohnungen bauen, wir müssen auch Aufenthaltsqualität schaffen.“ Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) sieht das ähnlich. Auch er will die Zahl der Kleingärten stabil halten: „Wir dürfen das Grün nicht opfern, sonst verlieren wir die Zustimmung der Menschen.“ Er will daher beim Wohnungsbau mehr in die Höhe gehen.

Auch die Schulen sind ein großes Thema. Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) sieht die Stadt hier auf einem guten Weg – alle Schulen bekommen WLAN. „Die Pläne sind fertig.“ Rostock sei überhaupt die erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, die einen Medienentwicklungsplan vorgelegt habe. „Darauf schauen alle anderen Kommunen und das Land“, sagt Bockhahn.

Ein Kandidat muss früher los

Gunnar Lorenz (40) aus Reutershagen kommt mit fast allen Kandidaten ins Gespräch. „Viele Gedanken der Bewerber sind gleich, jeder setzt aber andere Schwerpunkte“, so sein Eindruck. Grundsätzlich gehe es bei allen in die richtige Richtung: „Es soll mehr in Bildung und junge Familien investiert werden. Das ist gut“, sagt Lorenz.

Einer der Kandidaten verlässt die Wahlbahn frühzeitig: Madsen muss los, weil seine Tochter Geburtstag feiert. Dafür steigt Kandidat Tom Reimer (parteilos) zu. Auch er will einen frischen Geist ins Rathaus bringen. „Mehr Offenheit, mehr Transparenz, mehr Bürgernähe. Wir müssen alle Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen“, sagt Reimer.

RSAG ist zufrieden

RSAG-Vorstand Yvette Hartmann ist zufrieden: „Die Straßenbahn ist ein interessanter Ort für so ein Forum. Anders als bei einer Podiumsdiskussion sitzen die Kandidaten nicht auf einem festen Fleck. Dadurch können Fahrgäste und Kandidaten auch sehr individuelle Gespräche führen.“ Josephine Ulrich kann das nur bestätigen: „Ich habe dadurch Entscheidungen besser verstanden – und mitbekommen, wie gestresst die Kandidaten eigentlich gerade sind.“

Die weiteren OZ-Wahlforen

Am 16. Mai um 18 Uhr laden NDR und OZ zu einer Podiumsdiskussion ein. Themen werden unter anderem Wohnungsbau, Tourismus und Großprojekte in der Hansestadt sein. OZ-Lokalchef Andreas Meyer und Stefan Horn, Redakteur im NDR-Ostsee-Studio, werden die Diskussion moderieren. Veranstaltungsort ist das OZ-Medienhaus.

Locker soll der Wahl-Abend am 20. Mai um 19 Uhr im Theater des Friedens werden. Die Kandidaten spielen ihre Lieblingsmusik vor, mixen ihr Lieblingsgetränk und sitzen mit den Gästen an einem Tisch. „Wir wollen die Bewerber ein bisschen persönlich kennenlernen“, sagt Geschäftsführerin Sandra Elgeti. Sie und OZ-Chefredakteur Andreas Ebel moderieren den Abend.

André Horn