OZ-Kunstbörse 2021 mit Matthias Gerlach: Reduktion auf Flächen, Formen, Strukturen
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Rostock Der Rüganer Matthias Gerlach: Reduktion auf farbige Flächen, Formen und Strukturen
Mecklenburg Rostock

OZ-Kunstbörse 2021 mit Matthias Gerlach: Reduktion auf Flächen, Formen, Strukturen

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16:51 03.09.2021
Künstler Matthias Gerlach in seinem Atelier in Karow auf der Insel Rügen. Rechts im Bild: sein Werk „Ausblick“
Künstler Matthias Gerlach in seinem Atelier in Karow auf der Insel Rügen. Rechts im Bild: sein Werk „Ausblick“ Quelle: Thomas Häntzschel
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Karow

Die Arbeiten von Matthias Gerlach sind vielfältig: Großformatige Ölbilder, die urbane Dachlandschaften zeigen, und Skulpturen aus Naturholz oder Köpfe aus Raku-Keramik, die alte Handwerksgegenstände zieren, füllen die Kunstscheune in Karow. Seit 2005 lebt der 65-Jährige mit seiner Frau, der Künstlerin Jana Raschke-Gerlach, und Katze Kucki auf dem historischen Bauernhof von 1865, den das Paar liebevoll wiederhergerichtet hat. Auf Rügen hat der Künstler seinen Ruhepol gefunden.

Seit 1990 freischaffender Maler und Schmuckgestalter

Ursprünglich stammt Gerlach aus dem sächsischen Pirna, aufgewachsen ist er in Teltow bei Berlin. Gezeichnet habe er schon in der Schule sagt er. 1970 macht er eine Buchdruckerlehre, doch die Lust an der Kunst lässt ihn nicht los. In den Defa-Werkstätten in Potsdam eignet er sich grafische Techniken und Malstile an. Ende der 70er-Jahre zieht er nach Berlin, wo er ein Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung mit Schwerpunkt Gebrauchsgrafik absolviert. Am Bauhaus Dessau besucht er ein Seminar für Schmuckgestaltung. 1990 macht er sich als freischaffender Maler und Schmuckgestalter selbstständig.

Im Szenebezirk Berlin Mitte etabliert er Anfang der 90er-Jahre das Mal- und Tanzatelier „Auguststiege“. „Wir haben eine kleine Fabriketage im Berliner Scheunenviertel ausgebaut“, erzählt er. Das Atelier wird zum Treffpunkt für Künstler aus Berlin, Frankreich und Italien sowie für spanische Musiker und Tänzer. Mit Unterstützung der Berliner Künstlerkollegen organisiert Gerlach 1996 auch das Kunstprojekt „Blau Orange“ auf der Insel Rügen, die er von Arbeitsaufenthalten kennt. Für acht Monate wird die Orangerie im Putbus zum Ausstellungs- und Performanceort für ihn und die anderen Künstler.

Zur Person

Matthias Gerlachwurde 1955 in Pirna geboren und wuchs im brandenburgischen Teltow bei Berlin auf. Er machte eine Buchdruckerlehre. Von 1985 bis 1987 absolvierte er ein Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin mit Schwerpunkt Gebrauchsgrafik und Typografie. Danach besuchte er ein Seminar Schmuckgestaltung am Bauhaus Dessau.

Seit 1990 ist er freischaffender Maler und Schmuckgestalter. 1993 gründete er das Mal- und Tanzatelier „Auguststiege“ im Berliner Scheunenviertel.

1996 organisierte Gerlach mit Unterstützung von Künstlerkollegen das Kunstprojekt „Blau Orange“ in Putbus auf der Insel Rügen. 1998 eröffnete er das gleichnamige Atelier in Prora.

2004 kaufteer einen alten Bauernhof in Karow auf der Insel Rügen, in dem er die Kunstscheune Karow eröffnete. Seit 2014 betreibt er mit seiner Frau Jana-Raschke Gerlach die Atelier-Galerie „Pier 3“ in Sassnitz.

Arbeit von Matthias Gerlach: „Seherin“ (Raku-Keramik, Holz, Eisen, 2020, 47 Zentimeter hoch, 190 Euro) Quelle: Thomas Häntzschel

Atelier in ehemaliger Offizierskantine in Prora

Fasziniert vom Inselleben beschließt Gerlach, zu bleiben. „In Berlin habe ich vieles ausprobiert. Ich dachte, auf Rügen kann ich mich wieder auf wesentliche Themen konzentrieren“, sagt er. 1997 mietet er die alte Offizierskantine im Block III des ehemaligen KdF-Bades von Prora und eröffnet mit der Rügener Künstlerin Jana Raschke ein offenes Atelier. Heute sind beide verheiratet. Ihr Atelier in Prora ist zwar Geschichte, dafür betreiben sie seit 2014 die Atelier-Galerie „Pier 3“ in Sassnitz.

So ersteigern Sie Werke bei der OZ-Kunstbörse 2021

Bei der OZ-Kunstbörse 2021 kommen auch in diesem Jahr wieder Werke von Künstlerinnen und Künstlern unter den Hammer, die in Mecklenburg-Vorpommern leben und arbeiten. Wenn Sie eins oder mehrere davon ersteigern möchten, haben Sie schon vor der Auktion am 26. November in Rostock die Möglichkeit, Gebote über unser Online-Formular abzugeben.

Wählen Sie dazu die entsprechende Arbeit aus und geben Sie Ihr Maximalgebot ein. Anschließend bitten wir Sie um eine Registrierung. Wir benötigen Ihre Kontakt-Daten, um Sie bei einem erfolgreichen Bieten um das Kunstwerk zu benachrichtigen. Sobald Sie sich registriert haben, ist Ihr Gebot rechtskräftig.

Der endgültige Zuschlag wird allerdings erst während der Auktion Ende November in Rostock erteilt. Werden Sie dort nicht überboten, erhalten Sie - wie bei eBay - das Kunstwerk zu dem Preis, der nötig ist, um das höchste Gebot im Saal zu übertreffen.

Alle Künstler-Porträts finden Sie auf ostsee-zeitung.de/kunstboerse.

Während Gerlach sich in Berlin mit urbanen Dachlandschaften beschäftigt, faszinieren ihn auf der Insel ländliche Motive mit Vergänglichkeitscharakter. „Ich habe mich nach alten Dörfern, eingefallenen Katen oder Relikten aus der Fischerei umgesehen, weil ich wusste, dass vieles verschwinden wird“, sagt er. Auch Rügens Kreideküste, Strände und Wälder setzt er stimmungsvoll in Szene.

Arbeit von Matthias Gerlach: „Rote Dächer am Meer“ (Öl auf Leinwand, 2013, 100 cm × 80 cm, 940 Euro) Quelle: Thomas Häntzschel

Dachlandschaften mit Bezug zur Küste

Auch die Dachlandschaften greift er wieder auf: „Aber nun haben sie einen Bezug zur Küste“, sagt Gerlach und lacht. Motive findet er unter anderem von den Erhebungen der Granitz aus, von wo der Blick auf die Dächer der Insel oder den Binzer Fischerstrand fällt. Seine Skizzen sind der Anfang für eine bildhafte Verdichtung, bei der sich die Wahrnehmung auf farbige Flächen, Formen und Strukturen reduziert. Das Ergebnis sind großformatige Dachansichten, die Assoziationen zu kubistischen Formen hervorrufen. Oft haben sie etwas Surreales, wirken seltsam verschoben oder verzerrt. „Mit den Bildern wollte ich einen Übergang in eine unwirkliche Spiegelwelt schaffen, in der sich der Betrachter selbst in verzerrten, verbogenen und sich auflösenden Spiegelungen wiederfindet“, so Gerlach.

Arbeit von Matthias Gerlach: „Ausblick“ (Öl auf Leinwand, 2019, 50 cm × 60 cm, 430 Euro) Quelle: Thomas Häntzschel

Skulpturen aus Naturholz

Auch alte Handwerksgegenstände wie Deichseln oder Radnarben setzt er in neue Kontexte, indem er sie mit Köpfen aus Raku-Keramik kombiniert. Des Weiteren gehören großformatige Holzskulpturen, die er aus Teakholzstämmen oder Eichenholzblöcken herausgearbeitet hat sowie Holzreliefs zu seinen Arbeiten. Sein neuestes Projekt „Fische im Wald“, das er mit seiner Frau umsetzt, hat einen aktuellen Bezug: Aus alten Eichenplanken haben die Künstler Fischskulpturen herausgearbeitet, die als temporäre Installation in Gebieten auf Rügen stehen sollen, in denen die Wasserstände bereits gestiegen sind. „Damit wollen wir auch auf den Klimawandel aufmerksam machen“, so Gerlach.

Von Stefanie Büssing