Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock OZ-Leser erinnern sich: „Der Gemeinschaftssinn war damals groß“
Mecklenburg Rostock OZ-Leser erinnern sich: „Der Gemeinschaftssinn war damals groß“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:31 28.12.2018
Jahreswechsel 1978/79 an der Ostseeküste: Meterhoch türmte sich vielerorts – wie hier auf Rügen – der Schnee. Quelle: OZ-Archiv
Anzeige
Rostock

Vor 40 Jahren versanken große Teile Norddeutschlands im Schnee. Ein erster Schneesturm legte ab dem 28. Dezember 1978 zunächst die Ostseeinseln Rügen und Usedom sowie das angrenzende Festland im heutigen Mecklenburg-Vorpommern lahm, bevor ein extremer Kaltluftvorstoß zum Jahreswechsel auch das übrige Deutschland erfasste. Mitte Februar fegte ein mehrtägiger Schneesturm über fast ganz Norddeutschland hinweg, der meterhohe Schneeverwehungen brachte. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen, mehrere Menschen kamen ums Leben. Die OZ erinnert an diesen Katastrophenwinter. Zahlreiche Leser schickten uns daraufhin per Leserbrief oder auf Facebook ihre ganz eigenen Eindrücke an das unvergessliche Wetterereignis.

Die Erinnerungen der Leser

Brigitte Schmidt (aus Dänschenburg): Die Männer von Dänschenburg haben damals eine hochschwangere Dorfbewohnerin mit einem Schlitten über den Acker bis zum Sanitzer Wald gezogen. Die Straße war dicht, vor dem Wald lag der Schnee drei Meter hoch. Dort wartete dann ein Armeefahrzeug und brachte die Frau in die Klinik nach Sanitz. Solche Geschichten gab es damals viele. Meine Schwester und mein Bruder sind damals an Silvester über den Acker durch den Schnee nach Sanitz zum Tanz gestapft. Sie waren nicht davon abzubringen. Auch wenn der Winter eine Naturkatastrophe war, so haben ihn viele Menschen in guter Erinnerung, denke ich. Der Gemeinschaftssinn war groß damals.

Mehr zum Jahrhundertwinter

Die Multimedia-Reportage

Fakten zum Jahrhundertwinter

Per Hubschrauber durch den Schneesturm: Rügens Wunderbaby

Richtig vorsorgen für den Katastrophenfall – mit dem Smartphone

Wie ein Stralsunder Lokführer fünf Tage im Schnee festsaß

OZ-Leser erinnern sich: „Der Gemeinschaftssinn war damals groß“

Doreen Brusch: Meine Mutter wurde hochschwanger am 3.1.79 von einem Armeearzt abgeholt und nach Stralsund ins Krankenhaus gebracht. Sie haben aus Sicherheitsgründen alle Schwangeren am Termin eingesammelt und ins Krankenhaus gebracht. Am 4.1. wurde ich dann geboren. Die Geschichte habe ich schon unzählige Male gehört. Ich glaube auch, dass zur heutigen Zeit so eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.

Birgit Al Lida: Für uns Kinder war es der schönste Winter, wir mussten zwar sämtliche Eingänge frei schaufeln, die Schneewehen gingen über die Schuppendächer hinaus, aber als Kind ist die Sichtweise eine andere, wir haben Schneeburgen und Festungen gebaut unvergesslich in Rostock.

Die Schneemassen sorgten damals für spektakuläre Motive in ganz MV. Klicken Sie sich hier durch die Bildergalerie:

Heidi Freier: Ich hab es erlebt. Wohnte damals in Lütten Klein und arbeitete in der Kaufhalle Ahlbecker Straße. Wir haben die in Großverpackungen von der NVA gelieferten Lebensmittel in handelsübliche Größen abgepackt. Der Schnee war so hoch, dass die Anlieferungsrampe hinter der Kaufhalle nicht mehr zu sehen war. Die Belieferung wurde von Armeeraupenfahrzeugen übernommen. Alle haben Hand in Hand gearbeitet und es hat trotz allem sehr viel Spaß gemacht.

Michael Breede: Ich war bei der NVA, am 31.12.78 wurde mein Urlaubsschein für ungültig erklärt, wir mussten auf der Autobahn Berlin/Rostock Schnee schippen. Das war nicht so schön da es leider auch Tote gab.

Viel Schulfrei

Sibylle Glaser: Ich hatte damals extrem viel Schulfrei da wir keine Kohlen mehr zum Heizen hatten.

Jens Neumann: Ich saß damals achtjährig im Kinderzimmer in Sagard.

Ines Bodura: Oh ja,an diesen Winter erinnere ich mich noch genau, wurden aus der Luft mit Lebensmittel beliefert. Es ging nichts mehr. Aber es gab leider auch einige Tote, was nicht so schön war.

Ramona Pommerening: Ich war 10 Jahre alt und mein Bruder und ich waren eingeschneit bei meiner Oma. Was für ein toller Winter. Einfach endlich mal viel Schnee.

Ronny Radtke: Und heute reichen dafür zwei Schneeflocken und alles liegt lahm.

Auf dem Weg ins Krankenhaus

Ines Ostwald: Ich war an der Ostsee eingeschneit – als Kind war das natürlich wunderbar.

Mandy Bu: Meine Mutter und meine Oma erzählen heute noch davon,wie meine Mutter ins Krankenhaus kam, um mich zu entbinden.

Wolfgang Ende: Ich habe ihn mit erlebt, war ab normal aber wir haben es dennoch geschafft am Netz zu bleiben.

Sabine Rufer: Da kann ich mich gut dran erinnern.Ich kämpfte mich durch bis zur Kinderkrippe und dann weiter zur Arbeit.

Keine Züge fuhren mehr

Sim Mone: Ich war in der Lehre. Musste dreimal am Tag zum Bahnhof laufen, weil meine Ausbilderin meinte, es könnte doch noch ein Zug fahren.

Elke Mü: Ich war zu der Zeit gerade auf Besuch bei meiner Familie in Rostock. Habe dort eine Woche länger verbracht, da keine Züge mehr gefahren sind. Musste ja ins Vogtland.

Heike Pals: Wenn es drauf ankommt, würde es auch heute den nötigen Zusammenhalt geben und sich gegenseitig unterstützt werden.

Alexander Müller