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Rostock Alles außer Seemannsgarn: Rostocker Ex-Kapitän berichtet von echten Abenteuern
Mecklenburg Rostock

OZ-Podcast „Ankern mit ...“: Rostocker Ex-Kapitän Wolf Kaiser und seine echten Abenteuer

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21:44 14.07.2021
Wolf Kaiser aus Rostock fuhr jahrelang als Kapitän zur See – und wird aufgrund seiner Abenteuergeschichten auch Kaftain Blaubeer genannt. Nur dass seine Erzählungen war sind.
Wolf Kaiser aus Rostock fuhr jahrelang als Kapitän zur See – und wird aufgrund seiner Abenteuergeschichten auch Kaftain Blaubeer genannt. Nur dass seine Erzählungen war sind. Quelle: Juliane Schultz
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Rostock

Es war nur eine Frage der Zeit, bis im OZ-Podcast „Ankern mit ...“ endlich ein Seemann zu Wort kommt. Und was für einer! Der aktuelle Gast des Interview-Podcasts trägt seine Spitznamen Kaftain Blaubeer nicht von ungefähr. Zwar hat der berühmte Käpt’n Blaubär die sieben Weltmeere bereist und kann allerhand Seemannsgarn darüber spinnen. Wolf Kaiser aus Rostock dagegen hat die Welt ungezählte Male umrundet und auch er kann darüber stundenlang Geschichten erzählen – aber alle sind so wahr wie spannend.

40 Jahre lang ist der Rostocker auf Frachtschiffen, darunter sogenannte Bananenjäger, für unterschiedliche Reedereien rund um den Globus unterwegs gewesen, 20 Jahre davon als Kapitän. Im Podcast erinnert er sich, was er als junger Mann, der erstmals die engen Grenzen der DDR verlassen durfte, in den Häfen von Hamburg, Rotterdam und Singapur von seiner Heuer gekauft hat: Filzstifte.

Blinder Passagier mit Machete an Board

Kaiser berichtet davon, wie stark ihn – als SED-Parteimitglied – die Wende belastet hat, von einem gewaltigen Sturm, in dem selbst er beinahe Todesangst hatte, von riesigen Plastikinseln im Meer und von einem kostspieligen Fehler, der zunächst verhinderte, dass er zum Kapitän befördert wurde.

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Eindrucksvoll auch der Bericht von einem blinden Passagier. Dieser reiste aus Südamerika bis nach Europa in einem Versteck mit, kämpfte sich im Hafen den Weg mit einer Machete in die vermeintliche Freiheit der Niederlande frei, wurde dort aber gefasst. Zur Überraschung und zum Ärger des Kapitäns musste er den sogenannten „Verstekeling“ – also ein blinder Passagier auf Niederländisch – wieder dorthin mit zurücknehmen, wo er vermutlich aufs Schiff gelangt war und dort schließlich laufen lassen.

Kiloweise Rauschgift ins Meer geworfen

Damit ist die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende: In dem Schiffsdeck, in dem sich ihr Mitreisender zunächst versteckt hatte, fand die Crew mehrere Kilo eines weißen Pulvers – gut verschnürt. Wolf Kaiser berichtet im Podcast, wie er das Paket öffnete und das Pulver mit der Zungenspitze testete. Exakt so, wie er es von Don Johnson beim Anschauen der Fernsehserie „Miami Vice“ einst gelernt hatte.

Er meldete den Fund an die Reederei und die wies an: Das Rauschgift, vermutlich Kokain in Millionenwert, über Bord zu entsorgen. Der Zuhörer staunt, doch den Kapitän gibt sich gelassen, denn das war sicher nichts im Vergleich zu der Gefahr, die er erlebte, als ein Mannschaftsmitglied angetrunken mit einem Messer auf ihn losging und ihn an der Hand verletzte. Und erst recht nichts im Vergleich zu der lebensbedrohlichen Erkrankung, die ihn monatelang in Hongkong festhielt.

Dem Tode geweiht in Hongkonger Klinik

Mit schwerer Lungenembolie kam er damals ins Krankenhaus. Seine Frau wurde gerufen, um von ihm Abschied zu nehmen. Doch nach Wochen, in denen er ohne Bewusstsein beatmet werden musste, kämpfte er sich zurück ins Leben. Lernte wieder sprechen und laufen.

Und nicht nur das: Kaiser fuhr sogar wieder zur See, bis er schließlich doch, vermutlich durch die Langzeitfolgen der Krankheit, vor drei Jahren berufsunfähig wurde. Heute sagen Ärzte: Seine Lunge sehe aus wie nach einer schweren Corona-Erkrankung. Doch genauer will Kaiser heute gar nicht mehr wissen, was ihn 2013 fast das Leben kostete.

Zweite Karriere als Schriftsteller

Er konzentriert sich auf seine zweite Karriere. Der 65-Jährige hat in den vergangenen drei Jahren sechs Bücher herausgebracht. In fünf Bänden hat er seine Erinnerungen aus seiner Zeit als Kapitän zusammengetragen. Hier halfen ihm als Gedankenstütze die vielen langen Briefe , die er damals in die Heimat an Freunde und Familie schrieb. Seine Erzähllaune hatte ihm damals schon den Namen Kaftain Blaubeer eingebracht. Im sechsten Buch fasst er die Ereignisse vor seiner Zeit als Kapitän zusammen. Davon, dass er lebendig erzählen kann, zeugt die aktuelle Folge „Ankern mit ...“.

Alle sechs Bände der Reihe „Klor bi Anker“ von Wolf Kaiser sind im Engelsdorfer Verlag erschienen. Sie kosten zwischen 26 und 28 Euro und enthalten zahlreiche Abbildungen. Mehr über Wolf Kaiser gibt es auch auf seiner Internetseite kaftainblaubeer.de.

„Ankern mit...“

... ist der kostenlose Interview-Podcast der OSTSEE-ZEITUNG. Die Besatzung des Audio-Kutters um Benjamin Barz, Pauline Rabe, Moritz Naumann und Juliane Schultz lädt im losen Wechsel alle zwei bis vier Wochen einen Gast ein und nimmt sich Zeit für seine Geschichten. Manöverkritik gibt es am Ende jeder Folge im Kollegengespräch.

Zu hören ist der Podcast auf ostsee-zeitung.de/podcasts.

Außerdem steht er auf den gängigen Portalen Spotify, Google Podcasts, Deezer, Audible, Amazon Music und Apple Podcast zur Verfügung.

Folge 0, in der sich die Podcast-Crew der OZ-Zuhörerschaft vorstellt

Folge 1 mit Intensivmediziner Dr. Micha Löbermann

Folge 2 mit Fußball-Legende Carsten Jancker

Folge 3 mit Verschwörungswissenschaftler Ronny Rohde

Folge 4 mit Para-Ruderer Marcus Klemp

Folge 5 mit Fiete Korn, dem bekannten Abiturienten aus MV

Folge 6 mit der Frau des Jahres, Chefärztin Jördis Frommhold

Folge 7 mit Erdbeerkönig Robert Dahl.

Von Juliane Schultz