Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock OZ-Telefonforum „Ausbildungsplatzsuche“: Chance der Einstiegsqualifizierung nutzen!
Mecklenburg Rostock OZ-Telefonforum „Ausbildungsplatzsuche“: Chance der Einstiegsqualifizierung nutzen!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 05.04.2014
Sie sind das OZ Telefonforum Ausbildung: Frank Milbradt, Sabine Hett, Angela Budzisch. Quelle: Frank Söllner
Anzeige
Rostock

Viele Firmen in Mecklenburg-Vorpommern suchen händeringend geeigneten Nachwuchs. Laut Angela Budzisch von der Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK) sind aktuell allein in diesem Kammerbezirk von 544 gemeldeten Ausbildungsplätzen nur 150 besetzt. Auch Claudia Alder, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, beklagt einen starken Rückgang bei der Zahl der Ausbildungsverträge.

„In unserem Bereich gibt es derzeit mehr als 300 freie Lehrstellen in allen Branchen“. Zudem brechen viele junge Leute ihre Ausbildung ab. So wurden in Unternehmen der Rostocker IHK im vergangenen Jahr 305 Ausbildungsverträge noch während der Probezeit und 321 Verträge nach Ablauf der Probezeit aufgelöst. Grund dafür sei oft eine unzureichende Berufsorientierung, betont Sabine Hett von der Agentur für Arbeit. Viele Azubis seien den Anforderungen schlichtweg nicht gewachsen.

Anzeige

Beim OZ-Telefon-Forum zum Thema „Ausbildungsplatzsuche“, das von der Ausbildungsoffensive der Bundesregierung unterstützt wurde, standen am vergangenen Dienstag Berufsberaterin Sabine Hett, Angela Budzisch von der IHK zu Rostock und Frank Milbradt von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern den Lesern Rede und Antwort:

Frage: Was kann ich unternehmen, wenn ich wegen meiner schlechten Noten in den Hauptfächern keinen Ausbildungsplatz finde?

Antwort: Wenn Sie bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit gemeldet sind, können Sie sich ab September für ein sechs- bis zwölfmonatiges gefördertes Praktikum im Rahmen der Einstiegsqualifizierung in einem Ausbildungsbetrieb bewerben. Hier erlernen Sie Fertigkeiten in einem Ausbildungsberuf. Nach Abschluss des Praktikums bestehen gute Chancen, in eine reguläre Ausbildung übernommen zu werden. Frage: Ich habe mein Informatikstudium abgebrochen. Wie stehen meine Chancen auf eine Ausbildungsstelle im Kfz-Bereich?

Antwort: Die Wirtschaft und das Handwerk nehmen Studienabbrecher häufig gerne auf. Hier helfen die Experten der Kammern. Möglich ist ein ganzjähriger Einstieg in die Ausbildung. Zunächst sollten Sie sich beim Hochschulteam Ihrer Hochschule über alternative Ausbildungsmöglichkeiten beraten lassen. Auch ein Berufsberater für Abiturienten und Hochschüler der für Sie zuständigen Agentur für Arbeit hilft weiter.

Frage: Ist eine Verkürzung der Ausbildungszeit aufgrund meiner Vorkenntnisse denkbar?

Antwort: Ja. Möglich ist es nicht nur, die Ausbildung zu verkürzen. Oftmals bieten Unternehmen betriebsinterne Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu dualen oder berufsbegleitenden Studiengängen an.

Frage: Hat mein Enkel, der nach dem ersten Ausbildungsjahr zum Restaurantfachmann eine Kündigung erhalten hat, Chancen auf einen Ausbildungsplatz in einem anderen Unternehmen der Branche?

Antwort: Grundsätzlich bestehen gute Aussichten, einen Ausbildungsplatz im Hotel-und Gaststättengewerbe zu finden. Eine Kündigung muss kein Hindernis sein. Ihr Enkel sollte detailliert darstellen, warum es zur Kündigung gekommen ist und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Frage: Mein Sohn (25) holt derzeit sein Abitur nach. Kann er sich auch in seinem Alter noch für eine Ausbildung als Fachinformatiker bewerben?

Antwort: Es gibt keine Altersbegrenzung für eine betriebliche Ausbildung. Ihr Sohn muss einen Betrieb finden, der ihn ausbildet. Unter anderem kommt auch eine Ausbildung zum Systemelektroniker im Handwerk in Betracht. Handwerkskammern und IHK’s können Alternativen aufzeigen. Auch im Rahmen der Bundesinitiative für junge Erwachsene ohne Berufsabschluss zwischen 25 und 35 Jahren bietet sich bei der Agentur für Arbeit eine Möglichkeit.

Frage: Habe ich nach dem Abschluss der Förderschule Aussichten, eine betriebliche Ausbildung im Metall-Bereich zu absolvieren?

Antwort: Je nach Ihren individuellen Fähigkeiten und Anlagen ist dies möglich. Erkunden Sie sich nach zweijährigen Ausbildungsberufen. Ein Beispiel ist die Fachkraft für Metalltechnik.

Frage: Wie finde ich eine Ausbildungsstelle als Kauffrau für Tourismus-und Freizeit in meiner Region Nordwestmecklenburg?

Antwort: Wichtig ist immer eine Meldung als Ausbildungssuchende bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Dazu gehört auch ein Beratungsgespräch. Bereits von zu Hause aus können Sie die Lehrstellenbörsen der Agentur für Arbeit und der Kammern im Internet einsehen. Für die Kauffrau für Tourismus- und Freizeit finden Sie Ausbildungsangebote unter

Frage: Nach fünf Semestern Physikstudium möchte sich mein Sohn neu orientieren. Kann er auch eine Ausbildung mit einem Studium verknüpfen?

Antwort: Dies ist möglich, beispielsweise im Rahmen eines dualen Studiums Maschinenbau an der Hochschule Wismar. Angebote finden Sie unter anderem im Internet unter www.hwk-omv.de. Informieren Sie sich auch bei der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer!

Frage: Kann ich meine abgebrochene Ausbildung zum Koch wieder aufnehmen?

Antwort: Sie müssen einen Betrieb finden, der Sie ausbildet. Es liegt im Ermessen der Firma, ob diese Ihre vorherige Ausbildungszeit anrechnet. Die zweite Möglichkeit besteht in einer externen Prüfung vor der zuständigen Industrie-und Handelskammer. Voraussetzung dafür ist, dass Sie die eineinhalbfache Zeit der vorgeschriebenen Ausbildungszeit durch praktische Erfahrung in diesem Beruf nachweisen können.

Frage: Ich habe eine Einstiegsqualifizierung in einem Betrieb absolviert. Können die dort erworbenen Fertigkeiten bei einer Berufsausbildung angerechnet werden?

Antwort: Dies hängt vom Ausbildungsbetrieb ab. Das Unternehmen kann gewisse Fertigkeiten und Praktikumszeiten anrechnen, muss es aber nicht.

Frage: Auf meine Bewerbung als Kaufmann im Einzelhandel habe ich keine Antwort der Betriebe erhalten. Was nun?

Antwort: Erkundigen Sie sich spätestens zwei bis drei Wochen nach Ihrer Bewerbung im jeweiligen Unternehmen nach dem Stand der Dinge. Damit zeigen Sie Interesse für Ihre Bewerbung. Viele Betriebe erwarten Nachfragen der Bewerber.

Frage: Welche Alternativen gibt es zur Ausbildung zum Tischler?

Antwort: Beispielsweise könnten Sie eine Ausbildung zum Zimmerer oder Holzmechaniker beginnen.

Frage: Nachdem ich sieben Jahre Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr war, möchte ich nicht mehr in meinem erlernten Beruf als Konditor arbeiten. Ist eine Ausbildung in einem anderen Beruf möglich?

Antwort: Für Soldaten auf Zeit ermöglicht die Bundeswehr eine individuelle Berufsförderung nach bzw. während der letzten Monate der Dienstzeit. Häufig absolvieren die ausscheidenden Soldaten eine neue verkürzte Ausbildung oder eine Fort-und Weiterbildung in verschiedenen Berufen.

Frage: Ist es richtig, dass die Ausbildung zum Bürokaufmann durch einen neuen Beruf ersetzt wird?

Antwort: Das trifft zu. Es gibt ab 1.August 2014 den neuen Ausbildungsberuf Kaufmann für Büromanagement. Dieser wird sowohl in kaufmännischen Betrieben, im Handel, in der Industrie als auch im Handwerk ausgebildet. Der Beruf ersetzt nicht nur den Bürokaufmann, sondern auch den Kaufmann für Bürokommunikation und die Fachangstellte für Bürokommunikation. Aufgaben sind künftig unter anderem die kaufmännische Überwachung und Steuerung, Einkauf, Personalwirtschaft sowie Marketing- und Vertriebsaufgaben.

Frage: Mein Sohn interessiert sich nach seiner abgeschlossenen Ausbildung zum Fertigungsmechaniker für eine weitere betriebliche Ausbildung. Kann er dafür Berufsausbildungsbeihilfe beantragen?

Antwort: Bei einer zweiten Berufsausbildung kommt es im Einzelfall darauf an, ob Ihr Sohn im ersten Ausbildungsberuf überregional eine Arbeitsstelle finden könnte. Nur wenn dies ausgeschlossen ist, kommt die Gewährung von Berufausbildungsbeihilfe ausnahmsweise in Betracht.

Frage: Ich möchte mein geisteswissenschaftliches Studium abbrechen und interessiere mich für eine Ausbildung im sozialen Bereich. Habe ich noch Aussichten?

Antwort: Soweit es die Ausbildung zum Erzieher betrifft, sollten Sie sich auf die Warteliste setzen lassen. Nutzen Sie unbedingt die Berufsberatung für Abiturienten und Hochschüler der jeweils zuständigen Agentur für Arbeit, um weitere Alternativen zu prüfen.



OZ

05.04.2014
05.04.2014