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Rostock OZ auf der Aidanova: Das ist das neue Flaggschiff von Aida
Mecklenburg Rostock OZ auf der Aidanova: Das ist das neue Flaggschiff von Aida
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19:22 17.12.2018
Die Aidanova, der neue Kreuzliner der Rostocker Reederei Auda, hat am Sonntag den Lissaboner Hafen in Richtung Teneriffa verlassen   Quelle: AIDA Cruises
Rostock/Lissabon

Der lange Flur auf Deck 9 ist menschenleer, es ist still an Bord der Aidanova, dem neuen Kreuzliner der Rostocker Rederei Aida Cruises. Es riecht nach neuem unbetretenen Teppichböden und frischer Wandfarbe. Dort wo ab Mittwoch bis zu 6600 Menschen ihren Urlaub verbringen, werden derzeit die letzten Vorbereitungen getroffen. Die OZ ist mit zwei Reporterinnen bereits auf dem Schiff, gemeinsam mit nur 13 weiteren Journalisten. Katharina Ahlers und Rabea Osol berichten hier in einem Liveblog von ihren Erfahrungen.

Die Aidanova hat in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Es ist das größte und technisch modernste Schiff der Flotte – es verfügt als weltweit erster Kreuzliner über einen Flüssiggasantrieb. Beim Bau kam es aber immer wieder zu Verzögerungen. Auch über einen Brand an Bord wurde berichtet.

Nun soll es endlich losgehen

Von Lissabon fährt die Aidanova über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln. Von Teneriffa aus geht es am Mittwoch auf Jungfernfahrt. Die Crew, bestehend aus 1500 Mitgliedern, arbeitet mit Hochdruck daran, die letzten Spuren der ehemaligen Baustelle zu beseitigen und den Feinschliff bis Mittwoch fertigzustellen. Auf den Gängen stehen Staubsauger und Trittleitern, ein Mitarbeiter bringt die letzten Elemente der Wandverkleidung an. Die eindringlichen Geräusche von Bohrmaschine und Flex und das leise Hämmern unterbrechen die sonst eher gespenstisch wirkende Stille. „Wir bringen hier und da noch etwas an die Wände“, erklärt Kapitän Boris Becker. Beim Zwischenstopp in der portugiesischen Hauptstadt wurde unter anderem noch Material angeliefert. Jetzt werden die letzten Kartons ausgepackt. „Es fehlten noch Teile für die Aufzüge, kleinere Ausbauteile und Klappen für die Decken – das wurde dann sicherheitshalber gleich nach Portugal geliefert, damit es rechtzeitig ankommt“, sagt Becker.

Klicken Sie hier, um alle Fotos unserer Reporter an Bord der Aidanova zu sehen, die von Lissabon nach Teneriffa reist. Es ist die Bewährungsprobe des ersten LNG-betriebenen Kreuzfahrtschiffs der Welt.

Leere Pools und verwaiste Liegen

Bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad Außentemperatur streiten sich Gäste normalerweise um die besten Plätze auf dem Sonnendeck. Auf der Überführungsfahrt der Aidanova hingegen wirkt auch im Außenbereich alles noch sehr verlassen. Bei einem Spaziergang über das Deck begegnen einem hin und wieder Crewmitglieder. Ansonsten ist es still im Außenbereich. Einzig das Rauschen des Meeres ist zu vernehmen. Dass sich hier ab Mittwoch mehrere Tausend Menschen tummeln ist kaum vorstellbar. Damit diese dann auch genug Plätze zum Entspannen finden, stellt Omar Pajwadkar mit seinen Kollegen die begehrten Liegen auf. Andere Crewmitglieder füllen die Pools mit Wasser. Genutzt werden können sie ab Mittwoch.

Umfangreiches Fitness- und Wellnesangebot

Miriam Schidlewski bereitet den Spa-Bereich der Aidanova für die Gäste vor. Die Böden werden gereinigt und Handtücher verteilt. Die Wände der Behandlungsräume sind mit echtem Moos verkleidet, um die Atmosphäre eines Waldspaziergangs darzustellen und das Motto „Organic“ umzusetzen. „Besonderes Highlight ist der vielfältige Sauna- und Ruhebereich“, sagt die Spa-Managerin. „Beliebt sind Maniküre und Pediküre – gerade bei warmen Reisezielen tragen die Passagiere gern Flip Flops.“

Auch Sport an Bord sei beliebt. Die Spinning-Kurse seien immer ausgebucht. „Damit alle Gäste das Angebot nutzen können, haben wir Videos von den Trainingseinheiten gedreht und bieten jetzt auch Cyberobics an. Im Außenbereich wurden Fitnessgeräte mit Blick zum Wasser aufgestellt, eine Minigolfanlage ist betriebsbereit. Weiteres Highlight ist der Kletterparcours im Erlebnisbereich „Four Elements.“ „Noch kann er nicht betreten werden, aber bis Mittwoch ist alles startklar“, sagt Schidlewski. „Ich bin gespannt, wie es den Gästen gefallen wird.“

Zehn Kilometer Wege

Neulinge auf See müssen sich zunächst an den teilweise starken Seegang gewöhnen. Anfangs noch ein wenig wackelig auf den Beinen, gewöhnt man sich mit der Zeit an das Schaukeln des Schiffes. „Nur nicht gegen die Schiffsbewegungen ankämpfen“, weiß Tobias Labitzke, verantwortlich für „Food and Beverage“ an Bord. Kaum hat der Kreuzliner Lissabon verlassen, ist ringsherum kein Land mehr in Sicht – stattdessen bietet sich ein weiter Blick über das Meer. Wer einmal über das gesamte Schiff, das 337 Meter lang, 42 Meter breit und 20 Decks hoch ist, laufen und alle Bereiche besichtigen möchte, braucht mehrere Stunden Zeit und legt insgesamt gut zehn Kilometer zurück. Für neue Gäste an Bord eine Herausforderung: Auf den langen Fluren verliert man schnell die Orientierung. Im Inneren des Schiffes ist oft kaum zu vernehmen, in welche Richtung das Schiff fährt.„Je kleiner die Zimmernummer ist, desto mehr nähert man sich dem Bug des Schiffes“ – lautet ein wichtiger Hinweis vom Bordpersonal.

Technische Einstellungen

Auch die Crew musste sich erst einmal an die neuen Abläufe und neuen Wege gewöhnen. Für Produktentwickler Michael Stendebach ist die Indienststellung eines neuen Kreuzfahrtschiffs eine spannende Phase, in der nicht immer alles vorhersehbar ist. So führe schlechtes Wetter dazu, Arbeitsabläufe zu ändern und Arbeiten nach innen zu verlagern. Auch kleinere Pannen gehören dazu. „Bei einer unserer Bands ist der Koffer mit Instrumenten verloren gegangen“, erzählt er. „Unsere Logistik konnte den Koffer über den Lieferanten ausfindig machen. Jetzt hoffen wir, dass er bis Mittwoch an Bord gebracht wird.“ Zudem seien in Lissabon falsch gelieferte Möbel ausgetauscht worden. Nun verfolgt Stendebach die Einstellung der Musik an Bord. In einer der 23 Bars erklingt asiatische Musik. „Wir testen gerade alle Kanäle durch“, erklärt Stendebach. „Dazu gehört unter anderem, die Lautstärke richtig einzustellen.“

Technische Einstellungen müssen auch im TV-Studio vorgenommen werden. Erstmals werden an Bord eines Schiffes Versionen bekannter TV-Formate – beispielsweise die Quizshow „Wer wird Millionär“ – aufgezeichnet. „Was in unseren Köpfen irgendwann mal entstanden ist, wird jetzt hier auf die Bühne gebracht. Wir müssen Licht und Kameras einstellen und Kamerafahrten proben“, erklärt Studiomanagerin Janine Drynda. Technisches Equipment und Kabel liegen über den Boden verteilt. Stolz ist die Entertainerin auch auf das neue Theatrium, in dem 20 Artisten auf einer 360 Grad-Bühne performen, die von allen Seiten von Zuschauerplätzen umrahmt ist. „Da müssen wir jetzt nochmal am Sound feilen, da sich die Akustik durch die vielen Kissen und Stühle verändert hat“, erklärt Tom Ahrendt, Entertainment-Chef.

Weihnachten an Bord

Die erste Kreuzfahrt der Aidanova beginnt morgen und geht über die Weihnachtstage hinaus. Damit die Gäste trotz Sommerwetter in Feststimmung kommen, bringen die Mitarbeiter Adventsdekorationen an. Über das Schiff verteilt werden unter anderem Weihnachtsmann-Figuren und Geschenke platziert, in der Bäckerei wird derzeit noch an großen Lebkuchenhäusern gebaut. Sollte es Ende Dezember draußen doch einmal zu kalt werden, sorgt das UV-durchlässiges Foliendach für warme Temperaturen im Beach-Club.

Schadstoffarme Kreuzfahrt

Das Schiff wankt langsam hin und her. Vom Balkon der Junior Suite ist gleichmäßiges Meeresrauschen zu vernehmen. Die Motoren hingegen sind so gut wie gar nicht zu hören. Die Aidanova ist der erste Kreuzliner weltweit, der sowohl im Hafen als auch auf See mit dem Flüssigerdgas LNG angetrieben wird. Mit der Verwendung des derzeit emissionsärmsten fossilem Treibstoffs für Schiffe möchte die Rederei ein Meilenstein hinsichtlich Nachhaltigkeit setzen. So werden die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden enorm verringert. Der Ausstoß von Stickoxiden kann nach Angaben von Aida um bis zu 80 Prozent gesenkt werden.

Dafür dass die Fahrt mit dem neuen Treibstoff reibungslos verläuft, sorgt Daniel Henning von Poel bei Wismar. Der 31-Jährige ist bisher der einzige LNG-Ingenieur für Kreuzfahrtschiffe. „Ich habe den Jungs von der Meyer Werft und dem Marineservice, die die Anlage konzipiert haben, rund um die Uhr über die Schulter geguckt“, sagt Henning stolz. In der Vorbereitungsphase trainiert er die Crew für den richtigen Umgang mit dem Treibstoff. Die Aidanova sei ein Prototyp, weitere Schiffe seien in Planung. Daher kümmert sich Daniel Henning auch um die Ausbildung neuer LNG-Ingenieure. Er ist optimistisch: „Der Antrieb wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Das ist etwas ganz neues und eine tolle Herausforderung.“

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