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Rostock Ob Champignon oder Shiitake: Im Bunker sprießen die Pilze
Mecklenburg Rostock Ob Champignon oder Shiitake: Im Bunker sprießen die Pilze
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15:48 11.06.2019
Torsten Liebeke (49) und Uwe Schernau (58) geben Einblick in die Edelpilzzucht. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Mit einem kräftigen Ruck öffnet Ivonne Dewitz die schwere Stahltür. Ein Schwall warmer Luft kommt ihr entgegen. Im Inneren des ehemaligen Bunkers der Volksmarine in Markgrafenheide ist es feucht und stickig – „ideales Klima für Pilze“, merkt die stellvertretende Teamleiterin der Arbeitsgruppe „De Kuhle Pilze“ an. Seit mittlerweile 15 Jahren werden hier in der Tagesstätte der Rostocker Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP) braune und weiße Champignons gezüchtet. 2014 folgte die Bio-Edelpilzproduktion.

Im Neonlicht reiht sich ein Substratblock an den anderen. Torsten Liebeke und Uwe Schernau beäugen die Früchte ganz genau. Erst am Morgen haben sie alle reifen Pilze geerntet. „Wir sortieren sie nach drei verschiedenen Größen“, erklärt Liebeke. Schnell hat er einige Exemplare im Blick, die er sich am nächsten Tag vornehmen möchte. Der 49-Jährige kennt sich mit der Produktion gut aus, schließlich ist er seit 13 Jahren dabei.

Leckerbissen aus dem Bunker

Seit mittlerweile 15 Jahren werden in der Lehmkul Champignons produziert. Seit 2014 werden auch Edelpilze wie der Shiitake, Samthaube, Buchenpilz und Kräuterseitling an geerntet.

Die Pilze werden jeweils nach drei Größen sortiert und wachsen das gesamte Jahr über.

Drei Wochen lang können die Klienten aus einer Charge ernten. Anschließend werden neue bestellt, aus denen neue Pilze wachsen.

Champignons bevorzugen eine Luftfeuchtigkeit von rund 89 Prozent.

Drei Tonnen Edelpilze und rund 17 Tonnen Edelpilze werden jährlich in den Bunkern in Markgrafenheide geerntet.

19 Klienten sind derzeit an der Produktion beteiligt. Viele von ihnen leiden unter psychischen Erkrankungen und genießen die Arbeit ohne Druck.

Gut für Körper und Seele

Anders als im Wald, ist in den Bunkern in der Rostocker Heide das ganze Jahr über Pilzzeit. Und somit auch zu jeder Jahreszeit eine Menge zu tun. „Wir sind eine Einrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen“, berichtet Dewitz. Sie weiß um die Probleme der hier arbeitenden Klienten. Ziel sei es, ihnen den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern. „Vor allem aber bekommen sie eine Tagesstruktur.“

Und das ist Uwe Schernau ganz besonders wichtig. Der 58-Jährige genießt die Nähe zur Natur – vor allem aber die Ruhe. „Ich mag keinen Lärm. Hier kann ich ganz ohne Druck arbeiten“, berichtet der Rostocker. Wird es ihm doch einmal zu viel, gönnt er sich eine Pause im Freien. „Wir haben viele Freiheiten und Möglichkeiten“, fügt er hinzu. Er wohnt im Stadtteil Toitenwinkel und tritt jeden morgen gerne seinen Dienst an. Pünktlich um 7 Uhr geht es los. „Es ist schön, in einer Gemeinschaft zu sein und Leute um sich zu haben, die einen verstehen“, sagt er. Genau darum gehe es, meint GGP-Sprecher Wolfgang Richter. „Im Mittelpunkt stehen hier die Menschen“, wie er betont.

Das ganze Jahr über kommen Pilzliebhaber in der Lehmkuhl auf den Geschmack von Champignon, Shiitake, Samthaube, Buchenpilz und Kräuterseitling. Hier werden sie in der Tiefe der Bunker produziert.

Während seiner Zeit bei „De Kuhle Pilze“ hat sich Schernau ein umfangreiches Expertenwissen angeeignet. „Edelpilze sind nicht nur vom Geschmack her intensiver als beispielsweise Champignons, sie sind auch sehr gesund“, wirft er ein. So wirken Shiitake entzündungshemmend und cholesterinregulierend. Echte Allrounder für die Gesundheit.

Arbeiten in ruhiger Atmosphäre

Auf dem rund zwölf Hektar großen Grundstück finden die Klienten die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und sich voll und ganz der Natur hinzugeben. „Einige gehen nach getaner Arbeit einfach ein bisschen spazieren und genießen die frische Luft“, meint Dewitz.

Neben der Pilzzucht müssen auf dem Gelände allerdings noch viele weitere Aufgaben erledigt werden. Beete wollen gepflegt, Obstbäume und Gemüsepflanzen geerntet und Bienen versorgt werden. „Etwas zu tun gibt es immer. Wir versuchen jedem die Möglichkeit zu geben, sich in dem Bereich zu betätigen, in dem er am meisten Freude empfindet.“ Am Nachmittag und den Wochenenden winkt ein buntes Freizeitangebot. „Um die Gemeinschaft zu stärken, veranstalten wir regelmäßig Spielnachmittage, Wanderungen und Turniere“, erzählt Dewitz.

Ein Fest zum Jubiläum

Anlässlich des 15-jährigen Bestehen findet am 26. Juni ein Hoffest auf dem Gelände statt. Dieses bietet Besuchern die Möglichkeit, sich mit der Pilzzucht vertraut zu machen. „In den vergangenen Jahren haben wir mitbekommen, dass die Leute sich sehr dafür interessieren, wie die Produktion im Bunker vonstattengeht. Das ist etwas ganz Besonderes“, meint Richter. Auch Ivonne Dewitz freut sich auf die Feier: „Es wird mit Sicherheit ein schöner, wenngleich anstrengender Tag.“

Ein Fest rum den Pilz

Am Mittwoch, den 26. Juni laden „De Kuhle Pilze“ von 10 Uhr bis 15.30 Uhr zu einem Hoffest auf dem Gelände der Arbeitstagesstätte in der Warnemünder Straße 8b ein.

11 Uhr bis 13.30 Uhr – Erste Besichtigung der Champignon und Edelpilzzucht und Führung durch den Waldgarten. Ein Mitarbeiter vermittelt zudem Einblick in die wesensgemäße Bienenhaltung.

11.30 Uhr bis 14.30 Uhr – Kleine Stärkung mit einer Pilzpfanne und Gegrilltem bei stimmungsvoller Musik.

13.30 Uhr bis 14 Uhr – Auftritt der GGP-Theatergruppe.

14 Uhr bis 15 Uhr – Zweite Besichtigung der Champignon und Edelpilzzucht.

11 Uhr – 15 Uhr Kaffee und Kuchen im Hauptgebäude.

Der Eintritt ist frei. Essen und Getränke kosten 4,50 Euro.

Susanne Gidzinski

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