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Rostock Obdachlos in Rostock: Das Notasyl als Dauerlösung
Mecklenburg Rostock Obdachlos in Rostock: Das Notasyl als Dauerlösung
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00:01 22.01.2018
Dieser Wohnungslose lebt seit November 2015 in der Einrichtung in Toitenwinkel. Eigentlich sollen sie nur sechs Monate bleiben. FOTOS (2): DANA FROHBÖS
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Stadtmitte

Sie liegen unter Brücken, hocken in Hauseingängen oder schlafen in Wurfzelten – aber eigentlich wollen sie es gar nicht. Bundesweit leben etwa 52

Obdachlose brauchen jemanden, der sie fest an die Hand nimmt.Erik Niemierski (43) Streetworker

000 Menschen schutzlos auf der Straße. Und auch das sei eine sehr grobe Schätzung, ein wackeliges Konstrukt, sagt Rolf Jordan von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Regionalisierte Daten gibt es schon gar nicht. In Rostock geht man aber von einer Zahl um die 500 aus.

Und um diese Menschen zurück in ein normales Leben zu führen, braucht es nicht nur viel Erfahrung und Wissen, sondern vor allem auch Einfühlungsvermögen und Verständnis. „Es muss sich erst einmal ein Hilfefenster aufmachen“, sagt Streetworker Erik Niemierski von der Obdachlosenhilfe in Rostock. Schwer ist es, am Anfang einen Zugang zu den Obdachlosen zu finden. Oft hilft es dann, wenn die beiden eine Gemeinsamkeit haben – banale Dinge wie das Rauchen etwa. „Ist man erst einmal ins Gespräch gekommen, muss man die Leute ein bisschen kitzeln, sie auch mal bauchpinseln und mit ihnen mitschimpfen“, sagt der Streetworker. Spätestens dann ist das Eis gebrochen und es kann aktiv geholfen werden: Ausweisdokumente beantragen, ein Bankkonto einrichten, eine Wohnung suchen. Allein eine Bank zu finden, die dem Betroffenen ein Konto zur Verfügung stellt, sei schon schwierig. „Da wirst du dann wie eine doofe Kuh durch Rostock geschickt“, sagt Niemierski.

Die Obdachlosenhilfe in Toitenwinkel hält rund 100 Plätze bereit. Etwa Dreiviertel davon sind zurzeit belegt. Die Wohnungslosen gehen einen sogenannten Nutzungsvertrag mit dem Verein ein. Dieser wird für ein halbes Jahr geschlossen. „In diesen sechs Monaten sollen sie ihr Leben eigentlich auf die Reihe kriegen und schließlich eine eigene Wohnung beziehen“, sagt Sozialbetreuerin Sandra Peters. Das gelinge aber so gut wie nie. Das Hauptproblem seien Schulden. „Da geht dann ganz schnell eine Schublade auf und die Leute verschwinden darin“, sagt sie. Manche leben bis zu elf Jahre in der Unterkunft. Aktuell betreut Niemierski 15 Klienten intensiv. „Man muss sich das vorstellen wie bei Schulkindern. Die sind auch zehn bis 13 Jahre in der Schule“. Und genauso ist es bei den Obdachlosen. Es handele sich um vorgeformte Persönlichkeiten, die fast alles neu erlernen müssen. Und auch später, wenn das Ziel der eigenen Wohnung dann endlich erreicht ist, bedarf es einer Nachsorge. „Ich guck mir gemeinsam mit ihnen ihre Kontoauszüge an und achte auf deren Hygiene“. Auf diese Weise solle verhindert werden, dass neue Problemlagen entstehen, sagt der 43-Jährige. Auch der Verein Charisma kümmert sich um die Wohnungslosenhilfe in der Hansestadt – ausschließlich um Frauen und Kinder. „Zurzeit sind alle 16 Plätze belegt“, sagt Projektleiterin Bianca Galke. Die Frauen dort haben ganz unterschiedliche Hintergründe. „Wir haben hier Frauen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren und haben auch schon Akademikerinnen hier gehabt“, sagt sie. Die Frauen leben dort in verschiedenen Wohnungen und Zimmern. Problematisch erlebt auch sie es, Wohnungen zu finden. „Hat man erstmal einen negativen Schufa-Eintrag, hast du keine Chance, eine Wohnung zu finden“, sagt sie.

Trotz aller Schwierigkeiten: Erik Niemierski liebt seinen Job. Auf die Frage, ob er sich an einen Fall besonders gern erinnert, sagt er nur: „Nein, der Job ist meine Berufung, jeder Fall ist ein besonderer“.

Wohnungslose

Die BAG Wohnungslosenhilfe schätzt die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland im Jahr 2016 auf etwa 860 000. Sie steigt seit Jahren. Die Prognose für 2018 liegt bei 1,2 Millionen. Etwa die Hälfte der Wohnungslosen sind Flüchtlinge (440 000). Die anderen 420 000 teilen sich wie folgt auf: Bei 70 Prozent handelt es sich um Alleinstehende, 30 Prozent leben gemeinsam mit einem Partner oder einem Kind. Minderjährig sind 8 Prozent, erwachsen 92 Prozent. Männer machen einen Anteil von 73 Prozent aus, Frauen lediglich 27 Prozent.

Dana Frohbös

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