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Rostock Babyleiche am Rostocker Straßenrand: Kleines Mädchen lebte bei Geburt
Mecklenburg Rostock Babyleiche am Rostocker Straßenrand: Kleines Mädchen lebte bei Geburt
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08:13 28.05.2019
Blumen, Kerzen und Plüschtiere stehen an einer Stelle am Straßenrand im Stadtteil Lichtenhagen, wo am Sonnabend ein unbekleideter toter Säugling gefunden wurde. Quelle: Bernd Wüstneck / dpa
Rostock

Die Details der Tat – sie sind nur schwer zu ertragen: In dem Fall einer 26-Jährigen, die ihr Neugeborenes nackt am Straßenrand in Rostock abgelegt hat, deutet alles auf ein Verbrechen hin. Die Staatsanwaltschaft Rostock bestätigte am Montagvormittag, dass der Säugling – ein kleines Mädchen – bei der Geburt noch gelebt hat.

Gegen die Mutter hat ein Rostocker Gericht am Montag Haftbefehl erlassen, die Ermittler werfen ihr nach jetzigem Stand Totschlag vor. Am Fundort des Kindes, einer Tischtennisplatte, legten Menschen am Sonntag Blumen und Kuscheltiere nieder.

Säugling lag im Grünstreifen

Am Sonnabend gegen 15 Uhr hatte eine Spaziergängerin auf dem Grünstreifen am Rande der Mecklenburger Allee im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen die Leiche des Babys entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits tot. Keine 24 Stunden später nahmen Fahnder der Kripo die 26 Jahre alte Mutter in Gewahrsam.

Eine Frau hat am Sonnabend im Stadtteil Lichtenhagen ein lebloses Baby gefunden. Die Polizei bittet nun die Bevölkerung um Mithilfe und sucht Zeugen.

 

Nach aktuellem Stand der Ermittlungen hatte die junge Rostockerin das Baby in der Nacht zum Sonnabend allein im Freien zur Welt gebracht. Den entscheidenden Hinweis auf die 26-Jährige hat die Mutter der jungen Frau geliefert: „Die Kripo ist um Umfeld des Fundortes von Haus zu Haus gegangen, hat an jeder Tür geklingelt“, so der Rostocker Oberstaatsanwalt Harald Nowack.

Hat die Mutter das Kind getötet?

In einem unauffälligen Einfamilienhaus ganz in der Nähe der Mecklenburger Allee öffnete eine ältere Frau die Tür: „Sie sagte, dass die gesuchte Kindsmutter vermutlich ihre Tochter sei“, so Nowack. Die 26-Jährige hatte am Freitagabend ihre Eltern besucht. Da war sie noch schwanger.

Das vorläufige Obduktionsergebnis sage aus, dass das kleine Mädchen lebendig zur Welt gekommen ist, berichtet Nowack. Was danach passierte, sei hingegen noch unklar: Starb der Säugling allein und verlassen am Straßenrand, weil seine Mutter sich nicht um ihn kümmerte? Oder hat die 26-Jährige das Kind gar umgebracht? „Das wissen wir nicht. Wir warten auf weitere Erkenntnisse aus der Rechtsmedizin“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Mutmaßliche Mutter noch im Krankenhaus

Die 26-Jährige wurde nach ihrer Festnahme direkt ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde sie auch am Montagmittag noch behandelt. Zu ihrem Gesundheitszustand machen die Ermittler keinerlei Angaben. Nur so viel: „Sie konnte noch immer nicht vernommen werden, hat bisher auch keine Aussage zu der Tat gemacht“, so Nowack.

„Es geht momentan um den Vorwurf des Totschlags“, heißt es von den Ermittlern. Denkbar sei aber auch, dass die Anklage später erweitert wird – möglicherweise wird dann doch von Mord die Rede sein. Das Gericht erließ bereits am Montag einen Haftbefehl gegen die 26-Jährige. Der wurde, so Nowack, aber gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. „Die Frau muss regelmäßig bei der Polizei melden. Sie gibt sich zudem freiwillig in eine psychatrische Klinik zur weiteren Behandlung.“ Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf OZ-Nachfrage, dass die Verdächtige bereits ein Kind hat. Es soll bisher auch bei der Mutter gelebt haben.

Jugendamt will Fall prüfen

Inzwischen hat sich auch das Rostocker Jugendamt in den Fall eingeschaltet: „Wir müssen jetzt schauen, wo sich das Kind aufhält und wer für seine Betreuung verantwortlich ist. Wir prüfen den Fall sehr genau“, so Jugend- und Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke).

Die Hansestadt werde auch intern prüfen, ob es bereits vorher Kontakt zu der 26-Jährigen gab, warum sie keine Hilfsangebote angenommen hat: „Es gibt immer eine andere Möglichkeit, als sein Kind sterben zu lassen“, sagt Bockhahn. „Wir prüfen jetzt, ob wir in der Vergangenheit irgendwas übersehen haben.“

Kuscheltiere am Fundort

Am Fundort der Babyleiche an der Mecklenburger Allee haben indes Unbekannte Kerzen und Kuscheltiere niedergelegt. Im gesamten Stadtteil, aber auch in den sozialen Medien im Internet ist das Entsetzen über den Fall groß. Anne Wulf schreibt etwa: „So was kommt viel zu oft vor. Warum holt man sich keine Hilfe? Ich verstehe das nicht.“ Und Sandra Lill kommentiert: „Das macht traurig und wütend zugleich! Mein Herz blutet.“ Reni Schnellenkamp formuliert es so: „Vierzig Wochen hat eine Frau Zeit, sich auf das neue Menschlein vorzubereiten und sich Hilfe zu holen. Wie kann man nur ein Menschenleben wie Müll behandeln?“

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