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Rostock Operette „Frau Luna“ hat Premiere am Rostocker Volkstheater
Mecklenburg Rostock Operette „Frau Luna“ hat Premiere am Rostocker Volkstheater
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17:33 23.01.2019
Sie ist die Frau im Mond: Maria Hilmes als „Frau Luna“. Am 1. Februar hat die Operette Premiere am Rostocker Volkstheater. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Elegant scheint Maria Hilmes in ihrem goldenen Sitz von der Decke herunterzuschweben, ein huldvolles Lächeln auf den Lippen, die Beine in den Netzstrumpfhosen anmutig übereinandergeschlagen. Die Fahrt in dem leicht schwankenden Flugwerk, das an den Sitz eines Kettenkarussells erinnert und an Stahlseilen händisch rund fünf Meter hoch über den Bühnenboden gezogen wird, wirkt spielerisch leicht. Trotzdem ist sie jedes Mal eine kleine Herausforderung für die Schauspielerin. „Höhenangst habe ich zum Glück nicht. Trotzdem konzentriere ich mich darauf, nicht nach unten zu sehen“, verrät Hilmes und lacht. Als „Frau Luna“ wird die Mezzosopranistin in der gleichnamigen Operette von Paul Lincke, die am 1. Februar am Volkstheater Premiere feiert, nicht nur in ihrem goldenen Outfit, sondern auch stimmlich glänzen.

Mit der „burlesk-fantastischen Ausstattungsoperette“, die 1899 im Berliner Apollo-Theater uraufgeführt wurde, gibt Dominik Wilgenbus sein Regiedebüt am Rostocker Volkstheater. Der Münchener inszeniert die Operette bereits zum zweiten Mal. „Natürlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Dinge gut funktionieren oder eben auch nicht. Darauf kann man beim zweiten Mal reagieren. Trotzdem arbeite ich jedes Mal mit einem anderen Ausstattungsteam zusammen, damit es keine Wiederholungen wird“, sagt Wilgenbus. Diese Gefahr ist bei dem 52-Jährigen ohnehin gering. Denn der Regisseur, der selbst hin und wieder als Akteur auf der Bühne stand, kann sich nicht nur gut in die Seelenzustände seiner Darsteller einfühlen, sondern lässt ihnen auch extrem viel Freiraum, um das Stück zu entwickeln. „Ich versuche, eine Atmosphäre herzustellen, in der alle gemeinsam kreativ sein können. Diese Art zu spielen und zu erfinden war in den ersten Wochen sehr erfrischend“, sagt Wilgenbus. „Nun arbeiten wir daran, dass diese entfesselte Wildheit auch im Stück erhalten bleibt.“

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Der Held des Stückes, Fritz Steppke (gespielt von Maximilian Nowka), ist ein Mechaniker, der in seiner Freizeit einen Ballon konstruiert hat, mit dem er zum Mond fliegen möchte. Seine Verlobte Marie versucht vergeblich, ihm diese Pläne auszureden. Mit seinen Junggesellenfreunden Lämmermeier und Pannecke und seiner schrulligen Vermieterin Frau Pusebach begibt sich Steppke schließlich auf eine abenteuerliche Reise aus dem Berlin kurz vor der Jahrhundertwende bis auf den Mond. „Der Mond hat ein bisschen was von den 20er Jahren und ist die Traumwelt von Fritz Steppke und gleichzeitig der Blick in seine Zukunft“, sagt Wilgenbus.

Mit viel Liebe zum Detail ist auch das Bühnenbild entstanden: „Die Operette spielt zwar auf dem Mond, trotzdem ist die Szenerie keine Science-Fiction, sondern erinnert eher an eine Welt, die man aus dem Zirkus oder Varieté kennt“, sagt Bühnenbildnerin Sandra Linde.

Dabei inszeniert Wilgenbus die Mondwesen als entfesselte Spaßgesellschaft ohne Tiefgang, denen die irdischen Werte der Berliner gegenübergestellt werden. „Man soll träumen, darf aber die Bodenhaftung nicht verlieren“, sagt der 52-Jährige. Gerade die implizite Kritik an einer Gesellschaft, die sich jeglicher Verantwortung ihres Handelns entzieht und die sich mühelos ins Heute übertragen lässt, fasziniert den Regisseur an dem Stoff. „Es ist ein Stück, das sich mit dem richtigen Umgang mit Spaß beschäftigt. Das finde ich toll. Besonders, weil man der Operette oft vorwirft, auch nur das Produkt einer Spaßgesellschaft zu sein.“

Rund eine Stunde dauert es, bis Maskenbildnerin Michaela Schroeckh Schauspielerin Maria Hilmes mit falschem Haarteil, Blattgold und Glittergel zu jener divenhaften und dennoch emanzipierten Schnurrbartträgerin macht, die sich „Frau Luna“ nennt. „Bis es so aussieht, ist es eine Menge Arbeit“, sagt Schroeckh. „Jedes Mal kommt noch ein bisschen was dazu, bis zur Premiere sollte es perfekt sein.“

Zur Operette

Frau Luna ist eine „burlesk-fantastische Ausstattungsoperette“ des Komponisten Paul Lincke nach einem Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers, die am 2. Mai 1899 im Berliner Apollo-Theater uraufgeführt wurde. Sie wurde immer wieder überarbeitet und erlangte mit zusätzlichen Musikstücken 1922 ihre Endfassung. Die bekanntesten Musikstücke aus der Operette sind der Marsch „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“, das Duett „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“ und die Arie „Schlösser, die im Monde liegen“. Am Volkstheater Rostock wird die Operette von dem Münchener Regisseur Dominik Wilgenbus inszeniert. Premiere ist am 1. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Tickets und weitere Termine: www.volkstheater-rostock.de

Hilmes, die in der Nähe von Kassel aufwuchs, und in Hamburg und Köln Gesang studierte, gastierte als freischaffende Sängerin bereits an zahlreichen deutschen Bühnen. Ihr Rollendebüt am Rostocker Volkstheater gab sie im Dezember in Beethovens Oper „Fidelio“. An ihrer Rolle „Frau Luna“ schätzt sie besonders die charakterliche Vielfalt: „Frau Luna ist die Chefin, sie ist lasziv aber auch bestimmend und hat trotz allem ein großes Herz.“

Stefanie Büssing