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Rostock Keine Osterfeuer, Predigt im Autoscooter
Mecklenburg Rostock Keine Osterfeuer, Predigt im Autoscooter
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18:48 22.04.2019
Das einzige erlaubte große Osterfeuer brannte am 20. April am Strand von Warnemünde. Quelle: Doris Deutsch
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Rostock

Mehr geht nicht: Sonne satt zu Ostern! Als wollte sich Petrus für das Osterfest im vergangenen Jahr entschuldigen, fiel doch da urplötzlich und reichlich Schnee vom Himmel. Diesmal schickte er an allen Feiertagen warme Sonnenstrahlen. Im Zoo, in Parkanlagen, am Wasser, im Köhlerhof, in der Rostocker Heide, am Strand – überall draußen tummelten sich luftig gekleidete Menschen und genossen das Beisammensein in der Natur. Die Ostermärkte in Rostock, Warnemünde, Graal-Müritz waren gut besucht.

Osterfeuer durfte in Warnemünde brennen

Das schöne Wetter mit extremer Trockenheit hatte jedoch auch zur Folge, dass die traditionellen Osterfeuer in diesem Jahr nicht lodern durften. Hansestadt und Landkreis Rostock haben die Waldbrandstufe 4 ausgerufen und wegen akuter Brandgefahr größere Osterfeuer verboten. Lediglich in Warnemünde durfte das Traditionsfeuer gezündet werden.

„Wir sind mit dem Feuer dichter ans Wasser gerückt“, sagt Jörg Bludau von der Kongress- und Veranstaltungs-Service GmbH, die im Auftrag der Tourismuszentrale die Osterveranstaltung im Ostseebad umsetzt. Alle Beteiligten hätten zusammen mit Forstamt und Brandschutz- und Rettungsamt beraten, unter welchen Bedingungen das Osterfeuer stattfinden könnte. „Wir haben hier ja keinen Wald“, sagt Bludau. So seien die Abstände zur Bebauung vergrößert worden – „bis zum Teepott sind es jetzt mindestens 100 Meter“, die Feuerwehr habe Schläuche gelegt und sich mit einem Löschzug in den Dünen platziert.

Der geplante Fackelumzug vom Alten Strom bis zum Strand muss allerdings ohne Fackeln und Laternen auskommen. Kein Grund zur Traurigkeit, mit stimmungsvollen Klängen lockt das Magdeburger Sax'n-Anhalt-Orchester die Umzügler zur Feuerstätte am Strand. Hier weht eine leichte Brise, doch die Kameraden der Warnemünder Wehr haben schon eine wärmende Tonne mit Holz angeheizt und schenken Bier und Glühwein aus. Die Grillwurst schmeckt. Dann wird das Feuer entzündet, das in Tausenden Handy-Videos noch lange überleben wird.

Anderenorts haben Kameraden der freiwilligen Feuerwehren ihre Feuerstapel wieder auseinandergenommen, das Feuer vertagt oder den Osterbrauch auf deutlich kleinerer Flamme gefeiert. Vielfach hatten sie für die Gäste reichlich Grillgut und Getränke eingekauft, die zugunsten der Jugendarbeit der Wehren verkauft wurden. Natürlich haben die Kameraden unter diesen besonderen Umständen auch spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Feuerwehren mussten Lagerfeuer löschen

Dennoch mussten Feuerwehren der Region „wegen unsachgemäßer Handhabung“ von Brauchtumsfeuern zu mehreren Einsätzen ausrücken, wie es auf der Informationsseite der Rostocker Wehren heißt. So habe in der Stettiner Straße in Lichtenhagen ein größeres Lagerfeuer auf einer nicht abgegrenzten Wiese gebrannt. In Klein Bentwisch geriet ein Lagerfeuer außer Kontrolle. Die Feuerwehren aus Klein Kussewitz und Bentwisch mussten anrücken. „Sollte es im Rahmen eines illegal entfachten Feuers zu einem Feuerwehreinsatz kommen, so müssen, neben einer Ordnungswidrigkeitenanzeige, auch die Einsatzkosten übernommen werden“, teilt die Feuerwehr mit.

Der Rostocker Ostermarkt ist beendet, in der Nacht wurden die Stände und Fahrgeschäfte abgebaut. „Wir hatten eine gute Zeit“, sagt Marlies Urbigkeit, Vorsitzende des Schaustellerverbandes MV. „Das Wetter war super und es kamen viele Leute.“ Nun starten die Händler und Betreiber von Fahrgeschäften in die neue Saison. Für ihre Touren durch ganz Deutschland und ins Ausland haben sie sich gestern Gottes Reisesegen abgeholt.

Schaustellergottesdienst ist sehr beliebt

Fast 300 Besucher drängen sich am Ostermontag früh um 10 Uhr im und um den Autoscooter herum auf dem Neuen Markt. Die bunten Lichter blinken, die kleinen Autos stehen voll besetzt in Park-Position, auf der Rennfläche wird der ökumenische Schausteller-Gottesdienst gefeiert. Besinnlich und fröhlich – mit Liedern des Gospelchores der Heiligen-Geist-Kirche und geistlicher Musik des ökumenischen Bläserkreises. Die Gäste hören das Evangelium und eine Predigt von Elisabeth Lange, Pastorin der Innenstadtgemeinde. Sie beten gemeinsam und erleben die Konfirmation eines Schaustellerkindes.

21-Jährige erhält Konfirmation im Autoscooter

Charlene ist die Enkeltochter von Marlies Urbigkeit, mit 21 Jahren schon erwachsen und doch will sie sich nun öffentlich konfirmieren lassen. „Weil ich gern die Patenschaft für meine Nichte Gracy übernehmen möchte“, sagt die junge Frau vor breitem Publikum. Außerdem sei ihre Familie gläubig und sie wolle die Tradition fortführen. Charlene arbeitet in der „Zuckerhütte“ ihres Vaters. Reisende Schaustellerin sei genau ihr Ding, hatte sie Pastorin Lange in Vorgesprächen anvertraut. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz“, gibt die Pastorin der jungen Konfirmandin als Spruch mit auf den Weg.

Oma Marlies Urbigkeit ist stolz auf ihre Enkelin und froh, dass der Reisesegen erteilt ist. Viele ihrer Kollegen seien gläubig, weiß die Chefin des Schaustellerverbandes. „Die Saison hat begonnen und wir wollen mit unseren Fahrgeschäften weiterhin für leuchtende Augen bei Groß und Klein sorgen“, sagt Urbigkeit, die schon ihr Leben lang mit der Losbude unterwegs ist.

Doris Deutsch

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