Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Ostseebäder rebellieren gegen neuen Windpark vor Warnemünde
Mecklenburg Rostock Ostseebäder rebellieren gegen neuen Windpark vor Warnemünde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:06 12.09.2019
Der Windpark „Arkona“ liegt 35 Kilometer nordöstlich von Rügen und ist dieses Jahr in Betrieb gegangen. Es ist der vierte Windpark vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Anzeige
Kühlungsborn

Bis zu 300 Meter hohe Windräder im Meer vor Warnemünde, zehn Kilometer von der Küste entfernt – geht es nach Bürgermeistern der Orte an der Ostseeküste, dürfe das nicht passieren. In einem Schreiben an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wollen sie klar Stellung gegen den Bau der Anlagen beziehen. Ihre Befürchtung: gravierende Beeinträchtigung des Tourismus.

Initiator ist der Bad Doberaner Stadtvertreter Harry Klink. Für ihn sei erschreckend, „dass nicht, wie vor fünf Jahren, Windräder mit einer Höhe von 50 bis 60 Metern, sondern bis zu 300 Meter hohe mit Flügelspannweiten bis 150 Meter gebaut werden sollen.“ Von Kühlungsborn bis Ahrenshoop habe er die Bürgermeister angerufen, die die Windräder im Blickwinkel haben, dazu Tourismusverbände und Kurdirektoren. „Die Resonanz war: Nein, das wollen wir nicht“, sagt Harry Klink.

Lesen Sie auch: Ostseebäder kämpfen für freie Sicht aufs Meer: „Sonst bleiben uns die Urlauber weg.“

Test-Windpark könnte 2024 in Betrieb gehen

Hintergrund: 2024 könnten die ersten Windkraftanlagen für einen Test-Windpark in Betrieb gehen. Der Bundestag hatte im April den Weg für einen neuen Windpark in der Ostsee frei gemacht. Landesregierung und Wirtschaft begrüßten die Entscheidung, aus Warnemünde und Rostock kam zum Teil Widerstand.

Der breitet sich jetzt entlang der Küste aus. Kühlungsborns Bürgermeister Rüdiger Kozian (parteilos) hat für das Vorhaben kein Verständnis und die Federführung für die Ostseebäder übernommen. „Wir befürchten, dass dadurch das optische Erscheinungsbild des ganzen Küstenbereichs verändert und es einen Urlauberrückgang geben wird.“ Denn die Touristen kämen wegen der Naturbelassenheit und der Sicht auf die See an die Küste. Auf Industrieanlagen wolle niemand schauen, so Kozian. „Nicht nur die Ostseebäder leben vom Tourismus.“ Blieben die Urlauber hier aus, habe das Auswirkungen auf das ganze Land.

Tourismusverband regt sachlich Diskussion

„Wir brauchen intakte Natur, einen intakten Ostseeraum, das ist für uns Werbebotschaft Nummer eins, da gilt es abzuwägen“, sagt Anett Bierholz, Geschäftsführerin des Verbandes Mecklenburgische Ostseebäder. Dafür sei eine sachliche Diskussion wichtig. Es gelte abzuwägen zwischen Bewahrung der Natur, Nutzung für den Tourismus und regenerativen Energien. Das sei ein Spagat.

Die Ostseebäder von Graal-Müritz bis Zingst haben sich alle gegen Windkraftanlagen in der Ostsee ausgesprochen, informiert Jens Oulwiger, Geschäftsführer des Tourismusverbands Fischland-Darß-Zingst. „Das industrielle Aussehen wirkt dem touristischen Image entgegen“, so Oulwiger. Sorge gebe es aber auch, dass die Schiffshavarien durch mehr Windparks in der Ostsee zunehmen.

Bisher sind vier Windparks vor Mecklenburg-Vorpommern in Betrieb. Mehrere weitere in Planung. Gegen den Bau von 103 Anlagen nördlich des Darß und Zingst im Windpark Gennaker hatten drei Gemeinden erfolglos geklagt.

Noch ist der Test-Windpark vor Warnemünde nicht genehmigt. „Wir stehen am Beginn des Gesamtprozesses“, sagt Sebastian Boie von der Stiftung Offshore-Windenergie, die die Projektleitung übernommen hat und macht klar: Die Stiftung werde im Vorfeld mit allen Interessierten intensiv diskutieren.

Meinungen zum Thema:

Windpark vor Warnemünde: Nicht mehr schön!

Windpark vor Warnemünde: Die Urlaubsorte haben größere Problem

Von Anja Levien

Mit dem Testfeld vor Warnemünde würde Rostock ein Stück Identität verlieren, meint OZ-Redakteur André Horn. Er findet es wichtig und richtig, dass sich die Bürgermeister der Orte an der Ostseeküste gemeinsam gegen das Vorhaben stemmen.

12.09.2019

Es ist die wohl beste Lage der Hansestadt: Am Rosengarten – zwischen der Innenstadt, dem Steintor und dem Bahnhofsviertel – bauen zwei Genossenschaften seit Mittwoch 155 neue Wohnungen. Zu bezahlbaren Mieten. Und geht es nach den Unternehmen, ist das nur der Anfang vieler neuer Wohnprojekte für Rostock.

11.09.2019

Der in Rostock lebende Künstler Cesareo Naranjos Velazquez fertigt nach dem Vorbild von Leonardo da Vincis Mona Lisa ein Bild aus weiblichen Schamhaaren an. Der Erlös soll an Frauen mit Brustkrebs gehen.

11.09.2019