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Rostock Pankelower lädt auf barrierefreien Kremser
Mecklenburg Rostock Pankelower lädt auf barrierefreien Kremser
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18:19 11.07.2019
Ferienkinder mit Handicap, die bei der Caritas Rostock in Schulferienbetreuung sind, freuen sich auf einer Kutschfahrt durch die Rostocker Heide. Quelle: Doris Deutsch
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Pankelow

Emil ist ganz aufgeregt. Er ist noch nie mit einer Kutsche gefahren, hat noch nie ein Pferd gestreichelt. Der Junge sitzt im Rollstuhl und verbringt gerade mit etwa 30 anderen gehandicapten Kindern aus Rostock und Umgebung eine Ferienwoche in der Schulferienbetreuung der Caritas Rostock. Gestern stand ein Ausflug mit der Pferdekutsche durch die Rostocker Heide auf dem Programm.

Axel Peters hat die Rheinisch-Deutschen Kaltblüter angespannt. „Die Stute heißt Eila, der Wallach heißt Elek“, erklärt er den Kindern. „Die Pferde sind sechs und sieben Jahre alt, Halbgeschwister und Füchse mit heller Mähne“, erzählt der Inhaber der Mecklenburger Kutsch- und Kremserfahrten Pankelow.

Leidenschaft für Pferde zum Beruf gemacht

Vor zehn Jahren hat sich der 55-Jährige selbstständig gemacht. Zunächst als Begleiter von Schwerlastzügen. Vor drei Jahren hat Peters umgesattelt, seine Leidenschaft für Pferde und Kutschen zum Beruf gemacht. Er hat eine Gespannführerausbildung absolviert, Kremser, Kutschen und Pferde angeschafft. Seitdem kutschiert er Brautpaare, ist mit Gästen von Familien- und Firmenfeiern unterwegs, bietet je nach Jahreszeit Brunch- oder Punschfahrten an.

Neuestes Gefährt: Barrierefreier Kremser

Ganz neu in Peters’ Betriebsflotte ist ein barrierefreier Kremser für 25 Personen, den der Chef zusammen mit Ehefrau Gertrud konstruiert hat und in Polen bauen ließ. Seit Ostern ist Peters mit dem neuen Pferdewagen unterwegs, auf dem bis zu acht Rollstühle Platz finden. Auf die Idee brachte ihn der Enkel seiner Schwester, ein behindertes Kind, das völlig vernarrt ist in die Pferde und einen Ausflug mit der Kutsche.

Ferienkinder der Schulferienbetreuung der Caritas Rostock erleben eine barrierefreie Kutschfahrt durch die Rostocker Heide. Axel Peters aus Pankelow lädt auf einen neuen Kremser für Rollstuhlfahrer.

Peters hat sich eine Rampe mit ausziehbaren Elementen ausgedacht. Sitzbänke und Tische auf dem Kremser sind klappbar, um Platz für die Rollis zu schaffen. „Tiefer gelegte Einstiege und Handläufe waren mir wichtig, damit auch alte Leute mitfahren können“, erzählt der Unternehmer, der als erster in der Region barrierefreie Kutschfahrten anbietet.

Kinder mit Handicap sind ganz aufgeregt

„Es ist nicht so einfach, mit unseren Rollstuhlfahrern etwas zu Tolles zu unternehmen“, sagt Anita Behrens, Koordinatorin der Schulferienbetreuung bei der Caritas. Mit 20 Kindern und Betreuern ist die Gruppe angereist, darunter drei Jungs und ein Mädchen in Rollstühlen. „Alle sind ganz gespannt“, sagt Behrens.

Der Ausflug startet am Schnatermann. Hier hat Peters einen Stellplatz für seine Kutschen, ebenso wie in Gelbensande, von wo aus er auch Fahrten in die Rostocker Heide anbietet. „Wir wollen hier einen sanften Tourismus entwickeln“, erklärt der Pferdefreund, der mit Forstamt, der Gaststätte „Schnatermann“ und dem Raddampfer-Betreiber Ausflugspläne schmiedet.

Kaltblüter Eila und Elek traben los

„Fahrer“, ruft Chris. „Ich bin Kutscher“, antwortet Peters. Gut: „Kutscher, fahren wir jetzt los?“, fragt der Elfjährige. Eila und Elek ziehen an und traben langsam los. „Die Kaltblüter sind sehr arbeitsam“, erzählt der Kutscher. „Sie wollen sich bewegen, sind aber ganz ruhig vor dem Wagen.“ Sechs Pferde besitzt der Unternehmer. Die sind in Pankelow untergebracht und werden per Pferdeanhänger zu ihren Kutschen gebracht.

Vor der Arbeit werden die Tiere gefüttert und gewaschen, vor Waldtouren mit Zecken- und Mückenspray eingesprüht. Das Brustblattgeschirr aus Biothane, einem haltbaren Kunststoff, hat Peters für jedes Pferd anpassen und von einem Sattler extra anfertigen lassen. Maximal acht Stunden pro Tag mit zweistündiger Pause dürfen die „Füchse“ arbeiten. Peters achtet streng auf Tierschutz und Tiergesundheit.

„Kutscher, wir wollen Spaß!“

„Wollt Ihr Spaß?“, fragt der Kutscher plötzlich. „Jaaaa!“, schallt es vom Wagen. Peters zieht die Zügel straff, die Pferde wechseln in den Galopp. Die Kinder schreien und juchzen vor Freude. Nach kurzer Strecke bringt der Mann auf dem Bock die Kaltblüter wieder zur Ruhe. „Spaß“, rufen die Kinder. „Kutscher, Spaß!“ Zwei, drei Mal lässt Peters die Pferde noch mal galoppieren. Dann ist die einstündige Ausfahrt auch schon vorbei.

Emil rollt zur Stute und traut sich, sie am Kopf zu streicheln. Das fröhliche Lachen des Jungen ist der beste Dank für den Kutscher.

Doris Deutsch

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