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Rostock Straßenbauer wagen sich auf’s digitale Pflaster
Mecklenburg Rostock Straßenbauer wagen sich auf’s digitale Pflaster
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07:00 16.03.2019
Auf Karls Erdbeerhof in Rövershagen pflastert die Firma Wahl derzeit die Flächen um die neu entstehenden Wirtschaftsgebäude. Sylvaine Wahl (v.l.) will künftig mit Vorarbeiter Sascha Biermann die Zeitabrechnung online per Mobiltelefon erledigen. Noch füllen die Mitarbeiter, wie Christian Sahinbas und Maik Blumenthal, Stundenzettel aus Papier aus. Quelle: Ove Arscholl
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Stadtmitte/Rövershagen

Rostocker Straßenbauer wagen sich auf ein neues Pflaster: Die Firma Wahl geht den Schritt vom Analog- ins Digitalzeitalter. „Wir wollen komplett weg von der Zettelwirtschaft und hin zum papierlosen Büro“, sagt Sylvaine Wahl, die den Betrieb mit ihrem Mann Robert führt.

Der Boom in der Baubranche hat dem auf Pflasterarbeiten spezialisierten Unternehmen jede Menge Aufträge, gute Umsätze und Personalzuwachs beschert. Nerviger Nebeneffekt: Der Papierkram wächst. „Da bin ich an meine Grenzen gestoßen“, erklärt Sylvaine Wahl. Denn das Büro managet die 44-Jährige allein. Tagtäglich muss sie mit Rechnungen, Verträgen und Behörden-Briefen hantieren. Als ihr die Papierberge buchstäblich über den Kopf wachsen, beschließt sie: Es muss etwas passieren. Im Sommer 2018 startet sie die digitale Transformation. Alles, was bisher als Ausdruck in Aktenordnern vorlag, ist nun in Computerdateien abgespeichert. „Jetzt muss ich meinem Mann nicht mehr den ganzen Tag lang wegen einer Unterschrift hinterherlaufen.“ Denn den persönlich zu erwischen, ist nicht leicht. Der Herzblut-Straßenbauer ist selten im Büro, lieber packt er auf den Baustellen mit an. Kein Problem mehr. „Ich schicke ihm einfach das Formular auf’s Tablet.“

Die 17 Mitarbeiter der Firma Wahl sind in und um Rostock im Einsatz. In Rövershagen pflastern sie beispielsweise gerade die Flächen um die neuen Wirtschaftshallen, die auf Karls Erdbeerhof entstehen. Wie lange sie dafür brauchen, notieren die Steinsetzer handschriftlich auf Stundenzetteln. Das will Sylvaine Wahl ändern. In der Buchhaltung kommt die Bauingenieurin bereits fast ohne Papier aus. Nun will sie die Arbeitszeitabrechnung modernisieren. Künftig sollen ihre Mitarbeiter mit einer App auf ihren Smartphones erfassen, wie lange sie auf einer Baustelle sind. Das umzusetzen, sei schwierig, sagt Sylvaine Wahl. „Es gibt unglaublich viele Tools dafür.“ Was fehle, seien Garantien der Anbieter. „Ist die Zeiterfassung rechtssicher? Hält sie einer Prüfung durch das Finanzamt stand? Dazu trifft niemand eine verlässlich Aussage.“ Sie wünscht sich, dass die Politik die Software zertifiziert. „Da fühlen wir uns allein gelassen.“ Stattdessen müsse sie sich auf die Empfehlung einer befreundeten Firma verlassen, die eine App seit drei Jahren ohne Probleme benutze.

Was die Politik an Unterstützung bei den Apps bis dato vermissen lässt, macht sie finanziell wett. Mit rund 9900 Euro bezuschusst sie die Firma Wahl. Um Unternehmen beim Schritt ins Computerzeitalter zu unterstützen, hat das Landesenergieministerium die Richtlinie zur Förderung der digitalen Transformation, kurz DigiTrans-Richtlinie, aufgelegt. Die Wahls sind die ersten, die davon profitieren. Das Geld aus Schwerin deckt annähernd die Hälfte dessen ab, was die Pflasterprofis anlegen, um ihre Buchhaltung zeitgemäß und damit den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen: 22 600 Euro.

Der Abschied vom Papier sei ihr nicht leicht gefallen, gibt Sylvaine Wahl zu. Zu Beginn habe sie noch jeden Schriebs ausgedruckt, um buchstäblich etwas in der Hand zu haben, sollte die Technik streiken. „Davon bin ich jetzt fast weg.“ Das gelinge nicht über Nacht, auch weil die Software nicht immer so mitspiele wie gewünscht. „Man muss viele Kinderkrankheiten ausmerzen.“ Der Aufwand zahle sich aus. Denn laufe erst alles, wie geplant, spare das Zeit, Materialkosten und sei zudem nachhaltig. „Der Umweltaspekt ist uns sehr wichtig.“

Die Wahls sind Vorreiter. In der Wirtschaft Deutschlands und Österreichs hat sich das papierlose Büro einer aktuellen Statistik zufolge bislang nicht durchsetzen können. Demnach arbeiten nur vier Prozent der Büroangestellten papierlos. Die Mehrheit der Befragten druckt zwischen 21 und 100 Seiten pro Woche aus. Viele bleiben dem Altbewährten treu, weil ihnen die Gefahr zu groß ist, Dokumente durch IT-Systemausfälle unwiederbringlich zu verlieren. „Wir haben versucht, uns bestmöglich abzusichern“, sagt Sylvaine Wahl. Damit Viren wenig Chancen haben, Schaden anzurichten, seien wichtige Formulare nicht nur auf Firmen-Festplatten, sondern auch auf externen Laufwerken abgespeichert. Gegen Attacken von Hackern, die es zunehmend auf Klein- und Mittelständler abgesehen haben, hat das Unternehmerpaar ebenfalls Vorkehrungen getroffen. Aller Risiken zum Trotz: Sylvaine Wahl ist überzeugt vom Papierverzicht. „Zettel weg und loslassen – es lohnt sich.“

Land gibt Geld

Die digitale Transformation stellt potenzielle Gründer, Start-ups und insbesondere kleine und Kleinst- sowie mittlere Unternehmen vor neue Herausforderungen. Um die Wirtschaft im Land auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten und bei der zukunftsfähigen Aufstellung der Unternehmen zu helfen, hat das Energieministerium die Richtlinie zur Förderung der digitalen Transformation, kurz DigiTrans-Richtlinie, aufgelegt. Fördermittel von bis zu 10 000 Euro und in Ausnahmefällen bis zu 50 000 Euro können Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten oder einer Jahresbilanzsumme von bis zu 50 Millionen Euro beantragen.

Antje Bernstein

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