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Rostock Drei Euro pro Stunde: Parken in Warnemünde wird jetzt richtig teuer
Mecklenburg Rostock Drei Euro pro Stunde: Parken in Warnemünde wird jetzt richtig teuer
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18:45 09.04.2019
Verena (63) und Andre Savinsky (64) wundern sich, wieso der Parkscheinautomat am Warnemünder Kurpark abgedeckt ist. Das ist aber nur die Vorbereitung für die Umrüstung der Geräte auf die neuen, teureren Tarife. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Mal kurz zum Sonnenuntergang an den Strand, zum Eisessen an den Alten Strom oder zum Einkaufen in die Innenstadt: Wer mit dem Auto zu Rostocks beliebtesten Plätzen will, muss ab sofort tiefer in die Tasche greifen. In Warnemünde hat am Dienstag die Umrüstung der Parkscheinautomaten begonnen. Nach zwölf Jahren ohne Steigerung wird das Parken in der Hansestadt erstmals wieder teurer. Wer das Auto im Ostseebad abstellt, zahlt während der Sommersaison drei Euro pro Stunde. Für die Tageskarte werden 20 Euro fällig. Gezahlt werden muss täglich zwischen 8 und 19 Uhr.

Warnemünde bildet aber nur den Anfang: „Die Parkgebührensatzung wird Schritt für Schritt, Automat für Automat bis zum 30. September umgesetzt“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Auch in der Innenstadt wird das Parken künftig teurer. Nutzer müssen – beispielsweise in der Langen Straße – zwei Euro pro Stunde bezahlen. Etwa 120 Automaten seien insgesamt von den Änderungen betroffen.

Warnemünder beklagen ungerechte Gebührenanhebung

Dass ausgerechnet im Seebad die höchsten Preise fällig sind und extra eine eigene Parkzone dafür eingerichtet wurde, stößt Bewohnern und Touristen gleichermaßen sauer auf. „Es ist ungerecht, dass die Gebühren in unserem Stadtteil um fast 50 Prozent höher sind als in der Innenstadt“, findet der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel (CDU). Während im Zentrum zahlreiche Parkhäuser zur Verfügung stehen würden, herrsche in Warnemünde ein ohnehin schon starker Parkdruck. „Wir haben einen entsprechenden Änderungsantrag gestellt, doch die Bürgerschaft hat anders entschieden“, bedauert Prechtel. Einen Erfolg konnte der Ortsbeirat dennoch erzielen: „Ein Tagesticket ist nun wenigstens günstiger als das Bußgeld für das Abstellen eines Fahrzeugs ohne Parkschein“, sagt er.

Anwohner beklagen mangelnde Kontrollen

„Hoffentlich werden die Einnahmen wenigstens in die Infrastruktur gesteckt“, sagt Josef Vetter. Der Aalener ist mehrmals im Jahr beruflich in Warnemünde unterwegs und findet eine Gebühr von drei Euro pro Stunde gewöhnungsbedürftig: „Bei uns kommt man deutlich günstiger davon. Ich finde die Erhöhung ganz schön heftig.“ Und sein Kollege ergänzt: „Wenn man nur ein bisschen am Strand spazieren geht und anschließend einen Kaffee trinkt, ist das Parken teurer als der Besuch im Lokal.“

Umfrage: Das sagen Leute auf der Straße zu den neuen Parkgebühren in Warnemünde

Auch Karin Löffler empfindet die neue Regelung als zu teuer. „Aber irgendwie muss das Geld ja auch wieder reinkommen“, zeigt sich die 60-jährige Berlinerin verständnisvoll. „Wenn Warnemünde weiterhin Gäste haben will, darf man mit ihnen nicht so umgehen“, schimpft dagegen Joachim Immens-Holländer (62). Er kommt aus der Nähe von Kiel und ist sauer über die drastische Preiserhöhung.

„Keiner denkt an die Anwohner“, meint Hannelore Berndt. Die Warnemünderin muss jeden Tag um einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung kämpfen. „Es ist schrecklich. Alles ist zugestellt. Obwohl wir einen Anwohnerparkausweis haben, müssen wir unser Auto oft weit weg abstellen und die Einkäufe schleppen“, berichtet die 69-Jährige. Sie befürchtet, dass sich die Situation durch die Erhöhung verschärfen wird. „Dann gibt es vermutlich noch mehr Schwarzparker, weil das Ticket teurer ist, als die Strafe. Kontrolliert wird hier ohnehin kaum.“

Werden Urlauber abgeschreckt?

Diese Erfahrung hat Hartmut Schreiber (79) ebenfalls gemacht. Der Berliner hat seinen Zweitwohnsitz in Hohe Düne und ärgert sich regelmäßig, dass zahlreiche Autofahrer ihre Fahrzeuge auf Grünflächen abstellen. „Drei Euro pro Stunde finde ich nicht so wild, wenn ich die Preise mit denen in Berlin vergleiche. Schlimmer ist, dass hier immer alles zugeparkt ist und kaum Knöllchen verteilt werden.“

Angelika Eggert aus Lichtenhagen ist häufiger in Warnemünde unterwegs und nutzt die Parkscheinautomaten regelmäßig. Dass sie nun mehr als gewöhnlich zahlen soll, sieht die 65-Jährige nicht ein. „Das ist nicht gerechtfertigt. Alles wird teurer und die Einheimischen leiden besonders darunter.“

„Ich kann mir vorstellen, dass die Erhöhung auf einige Urlauber abschreckend wirkt“, mutmaßt Heidelore Riemer. „Schließlich kommen viele Leute nur für einen Tag mit dem Auto angereist. Wenn sie dann so viel fürs Parken zahlen müssen, weichen sie lieber auf andere Seebäder aus“, vermutet die 63-Jährige.

Innenstadtparken nur für kurze Erledigungen

Der Ortsbeirat Warnemünde wiederum teilt diese Sorge nicht: „Viele Ferienwohnungen und Hotels haben Stellflächen im Angebot und am Ortseingang gibt es Parkmöglichkeiten für Besucher“, meint Prechtel. Dass diese auch genutzt werden, ist laut Senator Matthäus auch ein Ziel der Gebührenerhöhung: So soll im Ortskern des beliebten Seebades die Aufenthaltsqualität steigen und der Parkplatz-Suchverkehr verringert werden. Stattdessen sollten Besucher die rund 3500 Stellplätze nutzen, die es in Parkhäusern sowie auf Park-and-Ride-Flächen in Randlage des Seebades geben würde.

Ganz anders die Motivation für die Gebührenerhöhung in der Innenstadt: „Die dort nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden öffentlichen Stellplätze sollen insbesondere für kurze Erledigungen genutzt werden können – und das von möglichst vielen“, sagt Matthäus. Während rund 2800 Stellflächen in Parkhäusern zur Verfügung stünden, seien es nur noch rund 150 öffentliche – nach der Bebauung des Glatten Aals und der Nordkante des Neuen Markts sogar nur noch 100. Rentnerin Ursula Brinkmann ist deshalb mit ihrer Freundin Ingrid Hohenstein per Straßenbahn zum Bummeln in die City gefahren, obwohl beide ein Auto besitzen. Die Gebührenerhöhung finden beide nicht so dramatisch. „Wer so dicht an das Geschäft ranfahren will, der muss auch die zwei Euro zahlen“, sagt Ursula Brinkmann.

Bis Jahresende wird auch Handy-Zahlung überall möglich

Mit der am Dienstag begonnenen Umrüstung der 120 Automaten auf kommunalen Stellflächen würden die Geräte auch gleich um eine weitere Zahlungsmöglichkeit ergänzt: „Das Handyparken wird ebenfalls in Teilschritten voraussichtlich bis zum Jahresende eingeführt“, kündigt Matthäus an.

Parken in Rostock: So teuer wird’s

Seit Dienstag werden die 120 Automaten auf öffentlichen Rostocker Parkflächen nacheinander auf die neuen Tarife umgestellt. Am teuersten wird es in Warnemünde. Dort gilt im Ortskern Zone W mit drei Euro pro Stunde. Dieser Tarif ist in der gesamten Sommersaison täglich von 8 bis 19 Uhr zu bezahlen. Ein Tagesticket kostet 20 Euro. Zone A umfasst einen Teil der Innenstadt, der durch Lange Straße, Parkplatz An der Hege, Große Wasserstraße, Steinstraße, Wallstraße und Wallanlagen begrenzt ist. Dort kostet das Parken täglich zwischen 8 und 19 Uhr zwei Euro pro Stunde. Die Parkzone B umfasst den Rest der Innenstadt sowie die KTV. Von 8 bis 19 Uhr ist dort täglich 1,50 Euro pro Stunde zu zahlen. Für ein Tagesticket werden 8 Euro fällig – das gilt aber nur, wenn es keine Parkdauerbeschränkung gibt. Zone C gilt für Hohe Düne, Diedrichshagen, einen Teil von Stadtmitte sowie den Parkplatz Hauptbahnhof Süd und Bereiche des Hansaviertels. Täglich von 8 bis 18 Uhr muss dort für das Parken ein Euro pro Stunde bezahlt werden. Auf Flächen ohne Parkdauerbeschränkung kann für fünf Euro ein Tagesticket erworben werden. Zone D umfasst alle übrigen Bereiche des Stadtgebietes. Dort kostet das Parken werktags von 8 bis 18 Uhr pro Stunde 50 Cent und am Tag drei Euro. Während Hanse Sail und Weihnachtsmarkt gelten in der gesamten Zone B auch die Gebühren der Zone A. Lkw, Busse und Wohnmobile zahlen im gesamten Stadtgebiet fünf Euro pro Stunde und 15 Euro am Tag. Ganz von den Gebühren befreit sind Elektroautos.

Susanne Gidzinski und Claudia Labude-Gericke

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