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Rostock Parkplatznot: Rostock setzt auf neues Bewohnerparkgebiet
Mecklenburg Rostock Parkplatznot: Rostock setzt auf neues Bewohnerparkgebiet
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09:27 18.08.2019
Seit dem 1. August gilt im Thünenviertel das Bewohnerparken. Hier ist die Dornblüthstraße zu sehen. Quelle: André Horn
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Hansaviertel

Im Kampf gegen die Parkplatznot hat die Hansestadt Rostock ein neues Bewohnerparkgebiet eingeführt: Im Hansaviertel dürfen seit dem 1. August auf ausgewiesenen Flächen nur noch Anwohner mit einem entsprechenden Ausweis parken. Ortsbeiratschef Karsten Cornelius (SPD) spricht bereits von ersten positiven Auswirkungen: „Durch den zunehmenden Verkehr zur Unimedizin wurden wir Bewohner erdrückt. Das haben wir jetzt beendet. Ich sehe inzwischen viele leere öffentliche Parkplätze.“

Seit Jahren kämpft der Ortsbeirat um die Einführung des Bewohnerparkens im Hansaviertel. Bereits im Jahr 2012 wurde dies beschlossen. Doch lange passierte nichts. Grund: Der Stadt fehlt es an Personal und technischer Ausstattung. Dies sorgte im Ortsbeirat für Unverständnis und Unmut.

Kleines Gebiet, aber großer Druck

Das Bewohnerparken gilt seit August im Thünenviertel rund um die Unimedizin. Quelle: OZ-Grafik

Nun ist das Bewohnerparken da – wenn auch nur im sogenannten Thünenviertel. „Es ist ein kleines Gebiet, das aber durch den Klinikbetrieb sehr exponiert ist“, sagt Cornelius. 213 Parkplätze sind nun rund um die Unimedizin ausschließlich für Anwohner vorgesehen. „Bisher sind 300 Bewohnerparkausweise beantragt worden“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Das ist deutlich weniger als das Rathaus erwartet hatte. Schließlich gibt es in dem Gebiet 806 zugelassene Fahrzeuge – die Stadtverwaltung hatte daher mit etwa 650 Anträgen gerechnet.

Für Cornelius ist klar: „Das Bewohnerparken schafft keine zusätzlichen Parkplätze.“ Im Gegenteil: Durch notwendige Markierungen und Änderungen der Verkehrsführung sind sogar einige Stellflächen weggefallen. „Wir haben jetzt weniger Parkplätze, aber immerhin sind diese nun für unsere Anwohner gesichert“, sagt der Ortsbeiratschef.

Thünenviertel noch in Findungsphase

Karsten Cornelius (SPD) ist Vorsitzender des Ortsbeirates Hansaviertel. Quelle: Gerald Kleine Wördemann

Bewohner und Besucher des Thünenviertels müssen sich noch an das neue Parksystem gewöhnen. Cornelius sei bereits darauf angesprochen worden, warum hier und da noch immer Autos ohne Bewohnerparkausweis stehen. „Das muss sich erst finden. Die Leute haben auch andere Dinge zu tun, als sich um Anträge zu kümmern“, zeigt der Ortsbeiratschef Verständnis. Demnächst soll dann aber verstärkt mit Ordnungshütern gearbeitet werden, damit das Bewohnerparken umgesetzt wird.

Auch sammelt der Ortsbeirat Hinweise und Verbesserungsvorschläge zum Bewohnerparken. So gibt es bereits Beschwerden darüber, dass die Eichendorffstraße in eine Einbahnstraße umgewandelt wurde. Nach drei Monaten soll die Kritik dann auf einer öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates mit der Stadtverwaltung ausgewertet werden.

Zu viele Ausweise, zu wenig Parkplätze

Andreas Herzog (SPD) ist Vorsitzender des Ortsbeirates Stadtmitte. Quelle: Privat

Schon länger gibt es das Bewohnerparken in der Innenstadt. Ortsbeiratschef Andreas Herzog (SPD) spricht von einer guten Sache, sagt aber auch ganz klar: „Es ist eine Illusion zu glauben, dass die grünen Ausweise die Parkprobleme lösen.“ Denn einer Vielzahl von Parkausweisen stehen vergleichsweise wenige Stellflächen gegenüber – laut Rathaus sei ein Verhältnis von 1:3 rechtmäßig. Gleichzeitig hat Herzog beobachtet: „Ein Drittel der Autos stehen auch ohne den grünen Ausweis auf den Bewohnerparkplätzen. Das interessiert einige leider nicht.“

Alexander Prechtel (CDU) vom Ortsbeirat Warnemünde hält das Bewohnerparken dennoch für die richtige Maßnahme. „Es gilt, die Straßen herauszufinden, in den der Park-Druck am größten ist. Dort muss dann das Bewohnerparken eingeführt werden“, sagt Prechtel. In der Innenstadt fordern zum Beispiel die Anwohner an der Blücherstraße und an der Karlstraße das Bewohnerparken. Doch das Hansaviertel zeigt, wie lange es bis zur Einführung dauern kann.

Rechtswidrige Genehmigungen an Gewerbetreibende?

Alexander Prechtel (CDU) ist Chef des Ortsbeirates Warnemünde. Quelle: Moritz Naumann

In Warnemünde sorgen die Park-Genehmigungen für Gewerbetreibende für Diskussionen. „Die Vergabe ist zuletzt rechtswidrig verlaufen“, sagt Prechtel. Firmen seien von der Stadt zu sehr begünstigt worden: Selbst bei kleinem Gewerbe sei für jeden Gesellschafter oder jedes Vorstandsmitglied eine Genehmigung ausgereicht worden, schildert Prechtel. „Da standen dann privat genutzte Fahrzeuge den ganzen Tag auf den Parkplätzen, ohne das etwas passiert ist.“ Die Verlierer seien die Bewohner.

Prechtel fordert: Gemeinsam mit Ortsbeirat, Stadtverwaltung und Gewerbetreibenden müsse hier nun eine Lösung gesucht werden. Er betont: „Wir wollen die Gewerbetreibenden nicht verjagen, aber es muss fair sein.“ Dazu sei zunächst ein Kassensturz nötig: „Wer hat wie viele Karten?“ Doch die Zahlen dazu habe ihm das Rathaus bisher nicht geliefert.

So viel kostet ein Bewohnerparkausweis

Aktuell gibt es in Rostock zehn Bewohnerparkgebiete: vier in der Innenstadt, drei in Warnemünde, zwei in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und eines im Hansaviertel. Wie viele Bewohnerparkplätze es in den einzelnen Gebieten gibt, ließ die Stadt trotz OZ-Anfrage offen.

Das Rathaus hat momentan 6075 Bewohnerparkausweise vergeben. Das sind rund 400 mehr als noch vor fünf Jahren. Die Rechtssprechung sieht vor, dass das Verhältnis zwischen den vorhandenen Parkplätzen und den ausgegeben Ausweisen bei 1:3 liegen darf.

Bewohnerparkausweise werden nur auf Antrag herausgegeben. Die Gebühr für die Ausstellung beträgt 30,70 Euro im Jahr. Für die Änderung des Parkausweises ist eine Gebühr von 14,00 Euro zu entrichten. Wer seinen Ausweis verliert, bekommt für die Restlaufzeit für 23,80 Euro einen Neuen.

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Von André Horn

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