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Rostock Pattsituation zur Zukunft des Theater-Intendanten
Mecklenburg Rostock Pattsituation zur Zukunft des Theater-Intendanten
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07:50 06.05.2015
Sewan Latchinian (54) wurde vor vier Wochen als Intendant des Rostocker Volkstheaters gefeuert. Am Mittwoch entscheidet die Bürgerschaft erneut über seine Zukunft.
Sewan Latchinian (54) wurde vor vier Wochen als Intendant des Rostocker Volkstheaters gefeuert. Am Mittwoch entscheidet die Bürgerschaft erneut über seine Zukunft. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

Die Zukunft von Sewan Latchinian als Intendant des Rostocker Volkstheaters steht am Mittwoch wieder auf der Tagesordnung der Bürgerschaft. Nach dem Widerspruch von Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) zum Beschluss der Bürgerschaft, Latchinian erneut einzustellen, könnte eine Bestätigung Formalie sein. Ist sie aber nicht. Eine Mehrheit stand bis gestern offenbar nicht. UFR/FDP, SPD und CDU wollen, dass der Intendant erklärt, den Strukturbeschluss zum Spartenabbau am Theater auch umzusetzen. Auch eine Abmahnung für die Kritik Latchinians an der Politik ist weiter im Gespräch. Am Ende kann es auf jede einzelne Stimme ankommen.

Die Ausgangslage: Stimmt die Bürgerschaft erneut für die Berufung des Intendanten wie im Wortlaut von vor zwei Wochen, muss der OB Latchinian demnächst ernennen. Dabei reicht eine einfache Mehrheit der Anwesenden. Linke (14 Sitze), Grüne (6 Sitze) und Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 (5 Sitze) sind dafür. „Wir werden Sewan Latchinian ohne Bedingungen wiederberufen“, sagt Eva Maria Krüger (Linke). Von einer Zustimmung geht Sybille Bachmann (Rostocker Bund) aus. Susan Schulz (Grüne) kündigt an: Die Fraktion werde wieder genauso abstimmen. Der Rauswurf Latchinians sei „über das Ziel hinausgeschossen“.

Anders klingt das bei Malte Philip (UFR/FDP – 5 Stimmen). Er fordert per Beschluss sogar eine Abmahnung des Intendanten. Das Vertrauensverhältnis sei „erheblich gestört“. So klang das zuletzt auch bei Steffen Wandschneider (SPD, 9 Stimmen). Die CDU (11 Stimmen) kündigt einen eigenen Antrag an. Am Ende entscheiden womöglich die Stimmen der AfD (2), möglicher Abweichler oder die Tatsache, dass einzelne Bürgerschaftsmitglieder nicht erscheinen.

Sewan Latchinian hatte die Kulturpolitik im Land mit Taten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ verglichen und auch Kritik an Entscheidungen der Bürgerschaft geübt. Anlass war der Strukturbeschluss vom Februar: Das Volkstheater soll vom Vier-Sparten-Haus in ein „2+2-Sparten-Modell“ entwickelt werden. Schauspiel und Orchester blieben, Musik- und Tanztheater sollen mit anderen Häusern kooperieren, das Personal abgebaut werden.

Kritik richtet die „Initiative Volkstheater“ an Teile der Politik. Die Entscheidung der Bürgerschaft zur Einsetzung des Intendanten müsse akzeptiert werden; Machtspielchen seien fehl am Platze. Die Initiative lädt heute ab 15 Uhr zur Demo mit Wahlspiel auf den Neuen Markt. 



Frank Pubantz