Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Rostock Pferdefleisch, Djed Moros, Apfelsalat: Weihnachten bei Rostockern aus aller Welt
Mecklenburg Rostock

Pferdefleisch, Djed Moros, Apfelsalat: Weihnachten bei Rostockern aus aller Welt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:58 25.12.2021
Sechs Menschen, sechs Länder: Anastasia (v.l.), Sait, Ashly, Arthur, Toufik und Nico besuchen zusammen eine Rostocker Sprachschule und feiern Weihnachten ganz verschieden.
Sechs Menschen, sechs Länder: Anastasia (v.l.), Sait, Ashly, Arthur, Toufik und Nico besuchen zusammen eine Rostocker Sprachschule und feiern Weihnachten ganz verschieden. Quelle: L. Kenzler
Anzeige
Stadtmitte

Weihnachten ist nicht gleich Weihnachten. Fast überall auf der Welt kommen Familien und Freunde zusammen, um das Fest der Liebe zu feiern. Und das kann sehr verschieden sein: Christen feiern anders als Muslime, Südländer essen anders als Skandinavier, Traditionen, Rituale und Bräuche unterscheiden sich wie die Menschen, die sie ausüben. Auch die Bedeutung des Festes ist nicht für jeden gleich. In Rostock leben mehr als 20 000 Menschen, die in anderen Ländern geboren und aufgewachsen sind. Wir haben fünf von ihnen gefragt, wie sie Weihnachten feiern und was das Fest für sie besonders macht.

Syrien: Pferdefleisch mit Nüssen und Pistazien

Toufik Mounfakh ist in der syrischen Stadt Aleppo geboren. „Auch die Menschen in Syrien feiern das Fest sehr verschieden“, sagt der 27-Jährige, der heute in Rostock lebt. Manche feiern das Fest nicht, andere – so wie Toufik – besuchen die Kirche, verbringen Weihnachten in Familie, beten und zelebrieren das Zusammensein. „Wir sind katholisch“, sagt der junge Syrer. Freunde von ihm, die nicht mit ihren Eltern feiern, gehen am Weihnachtsabend in Restaurants, Bars oder Cafés. „Der Weihnachtsmann kommt bei uns in der Nacht“, erzählt Toufik und erinnert sich an seine Kindheit, die Aufregung vor der Weihnachtsnacht und den festen Glauben daran, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt.

Am meisten freue sich der 27-Jährige über das Essen. „Familien mit wenig Geld essen Hühnerfleisch und Reis“, berichtet der Syrer. Ist eine Familie hingegen wohlhabend, wird Lamm oder Pferdefleisch zubereitet. „Das Pferdefleisch ist eine Spezialität und besonders teuer.“ Es wird mit Reis, Nüssen und Pistazien serviert. Toufik kümmere sich meistens um den Käse und einen guten Wein. Das gute Essen vermisse er sehr. Niemand koche es so gut wie seine syrische Familie.

Thailand: Wollsocken und amerikanische Tradition

In Thailand, erzählt Arthur Bumrungsri, werde nach amerikanischer Tradition Weihnachten gefeiert. Der 42-Jährige kommt aus Bangkok, in Rostock lebt er seit mittlerweile fünf Jahren. „Zu essen gibt es gebratene Pute und wir trinken Rotwein“, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur. Ein Weihnachtsbaum werde mit bunten Kugeln und Lichtern geschmückt, „Kinder hängen große Wollsocken an das Fensterbrett.“ Arthur vermisse seine Familie und das geschmückte Bangkok. „An Weihnachten verwandelt sich die pulsierende Stadt in eine leuchtende und blinkende Metropole“, sagt der Familienvater. Zwischen Wolkenkratzern und Tempeln ist in der Millionenstadt noch Platz für Weihnachtsbäume und Krippenspiel. Obwohl die meisten Menschen in Thailand Anhänger der buddhistischen Lehre sind, ist Weihnachten dort sehr verbreitet.

Weißrussland: Weihnachten im Januar

Weihnachtlich wird es in Weißrussland erst 13 Tage später – am 6. und 7. Januar. Weil die russisch-orthodoxe Kirche den Julianischen Kalender verwendet, ist auch für Anastasia Lazouskaja erst im Januar Weihnachten. „Für uns ist es in erster Linie ein Familienfest“, sagt die 31-Jährige. In Weißrussland gebe es nicht den Weihnachtsmann, sondern Djed Moros, auch als Väterchen Frost bekannt. Die Figur stammt aus der slawischen Mythologie und ist die Personifikation des Winters. „Djed Moros beschenkt bei uns die Kinder“, erklärt Anastasia. Besonders wichtig sei für sie und ihre weißrussische Familie, dass der Weihnachtsbaum ein echter Nadelbaum sei. „Bis zum 13. Januar muss er stehen bleiben. Erst dann nimmt er das Schlechte mit und ein gutes Jahr steht bevor“, so die Weißrussin. Typisch weihnachtliches Essen sei für Anastasia Fisch und jede Menge Salat. „Wir trinken Rotwein und die Männer Vodka“, sagt sie.

Mexiko: Salat mit Äpfeln und Jesus Geburt

Der Heiligabend wird in Mexiko gerne in Großfamilie gefeiert. „Oft laden Oma und Opa ein“, berichtet Ashly Sarti aus ihrer Heimatstadt Mexiko-City. Der Christbaum, Kerzen und bunte Lichterketten seien auch in Südamerika wichtige weihnachtliche Symbole. Die 20-Jährige möchte in Deutschland studieren, mit ihrem Bruder und ihren Eltern wird sie in Rostock Weihnachten feiern. „Wir essen Hähnchen und Spaghetti. Ein traditionelles Mexiko-Essen ist für uns Salat mit Äpfeln“, sagt Ashly. Das Weihnachtsmahl nehme die Familie meist spät ein. „Kinder bleiben an Weihnachten bei uns sehr lange wach.“

Ihr täglicher Newsletter aus der OZ-Chefredaktion

Viele Hintergründe aus der OZ-Redaktion und die wichtigsten Nachrichten aus MV, Deutschland und der Welt täglich gegen 19 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Weihnachtskrippe heißt in Mexiko „nacimiento“. Sie werde schon in der Vorweihnachtszeit mit viel Liebe errichtet. Das Jesuskind legen die Familien aber erst an Heiligabend zu den anderen Figuren, um zu symbolisieren, dass es jetzt geboren wurde.

Norwegen: Julenissen bringt Geschenke

Nico Stensland Haugen sagt, in Norwegen feiere sie Weihnachten wie in Deutschland. „Es gibt einen Tannenbaum, einen Weihnachtsmann, Kerzen, Sterne, Lichter“, berichtet die 19-Jährige aus Haugesund. Mit ihrer Familie gehe sie in die Kirche, Geschenke gibt es an Heiligabend, auch die Großeltern sind zu Besuch. „Unser typisches Familiengericht ist Schafsfleisch mit Kartoffeln, Möhren und Kohlrabi“, sagt die angehende Studentin. In Norwegen habe die Weihnachtszeit einen ganz besonderen Zauber. Viele Norweger gehen in die zahlreichen kleinen Kirchen im Land, um den Weihnachtsgottesdienst zu besuchen und traditionelle Weihnachtslieder zu singen. Der „Julenissen“ ist eine Art Troll oder Kobold, der am Heiligabend mit seinen Helfern Geschenke für die Kinder bringt.

Von Lea-Marie Kenzler