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Politik Verein bringt „Stephan Jantzen“ zurück auf Erfolgskurs
Mecklenburg Rostock Politik Verein bringt „Stephan Jantzen“ zurück auf Erfolgskurs
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20:00 23.10.2018
Michael Egelkraut, Vorsitzender des Vereins Technische Flotte Rostock, will am Freitag die Rostock-Flagge auf der „Stephan Jantzen„ hissen – als Zeichen dafür, dass der Eisbrecher endlich wieder auf einem guten Kurs ist. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
Stadtmitte

Ein rauer Wind zerrt an der Flagge, die Michael Egelkraut in Händen hält. Am Freitag will er den Stoff, auf dem Rostocks Wappentier, der Greif, prangt, auf der „Stephan Jantzen“ hissen. Als offizielles Zeichen dafür, dass der Verein Technische Flotte Rostock erneut das Ruder übernimmt. „Wir wollen den Eisbrecher wieder zum Vorzeigeobjekt und Besuchermagneten machen“, kündigt Michael Egelkraut an. Dafür haben er und seine Vereinskollegen in den vergangenen Wochen gut 4500 Arbeitsstunden in den Stahlkoloss gesteckt. Die Schönheitskur hat das Schiff bitter nötig. Ein jahrelanger Rechtsstreit hat Spuren hinterlassen.

Rückblick: Ab 2012 bekriegen sich der New Yorker Immobilienhändler Paolo Zampolli und der Heidelberger Kapitän Kai Gunther Lehmann. Beide wollen Besitzer der „Jantzen“ sein. 2015 bestätigt ein Gericht Zampolli als rechtmäßigen Eigentümer. Weil der aber die Liegekosten nicht zahlt, beschlagnahmt die Hansestadt das Schiff. Im Mai 2018 wird die „Jantzen“ zwangsversteigert. Die Stadt kauft sie für 25000 Euro und setzt den Verein Technische Flotte als Betreiber ein. Die Ehrenamtler hatten sich bereits von 2009 bis 2012 um den Eisbrecher gekümmert. „Und ihn dann in tadellosem Zustand an den Vertreter des damaligen Eigentümers übergeben“, sagt Michael Egelkraut.

Rost, Schimmel, Müllberge – der jahrelange Rechtsstreit um den Eisbrecher hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Mitglieder des Vereins technische Flotte Rostock bringt das Schiff wieder auf Vordermann.

Schimmel, Rost und Müllberge

Umso schmerzhafter ist der Anblick, der sich den Seeleuten bei ihrer Rückkehr an Bord bietet. „Mir ist fast das Herz stehengeblieben“, erinnert sich Michael Egelkraut. Kajüten und Lagerräume sind bis unter die Decke zugemüllt, viele Türen aufgebrochen. Überall frisst sich Rost in den Stahl. In den Werkstätten liegen Buntmetallteile verstreut, offenbar dazu bestimmt, verkauft zu werden. Der Frost vergangener Winter hat etliche Leitungen gesprengt. Im Rettungsboot steht das Wasser. In der Kombüse miefen dreckiges Geschirr und vergammelte Lebensmittel. Die Bordelektronik ist verschimmelt. „Hier gab’s noch nicht mal Licht“, sagt Michael Egelkraut. Den Gesamtschaden beziffert er auf eine sechsstellige Summe. Das Gröbste haben Egelkraut und seine Mitstreiter inzwischen mühevoll repariert oder notdürftig ausgebessert. Alles wieder in einwandfreien Zustand zu versetzen, werde aber Jahre dauern, sagt der Vereinsvorsitzende.

Empfang für Unterstützer

Was sie bisher geleistet haben, wollen die Ehrenamtler am Freitag Sponsoren und Vertretern aus Politik und Verwaltung präsentieren. Mit dem Empfang feiert der Verein zugleich sein neunjähriges Bestehen. Eigentlich hätte dann auch der Betreibervertrag zwischen Stadt und Verein unterschrieben werden sollen. Bislang gebe es nur einen provisorischen Kontrakt, der bis September galt und dann „stillschweigend verlängert wurde“, wie Egelkraut erklärt. Ein dauerhaftes Abkommen stehe aus. „Reine Formsache.“ Zum Vereinsgeburtstag wünschen sich die Mitglieder ein besonderes Geschenk: die Original-Schiffsglocke. „Der Hafenkapitän hat sie gesichert. Wir hoffen, dass sie bald zurück an Bord kommt“, sagt Egelkraut. Damit ließe sich der Neustart perfekt einläuten. Denn mit dem Eisbrecher hat der 49 Mitglieder zählende Verein viel vor. Kinder sollen hier Wissenswertes übers Meer lernen, Besucher bei Führungen in die Schiffstechnik eintauchen. Das Achterdeck könnte erneut zur Kulisse für Hochzeiten und Firmenfeiern werden. Mit solchen Angeboten will der Verein laufende Kosten decken. Gut 4500 Euro verschlingt die „Jantzen“ pro Monat. Was Veranstaltungen angehe, sei viel mehr möglich, sagt Egelkraut. „Es fehlt am Personal.“ Vor allem an den Wochenenden seien mehr Leute nötig, um die Gäste durch die Gänge zu leiten oder in der Offiziersmesse zu bedienen.

Michael Egelkraut opfert gerne seine Freizeit für die „Stephan Jantzen“. Schließlich sei er früher technischer Inspektor für die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei Rostock gewesen. „Das hier ist eine Renaissance meiner Arbeit und alle Mühen wert.“

Die Geschichte des Eisbrechers

Die „Stephan Jantzen“ wurde 1967 in Leningrad gebaut und nach dem Warnemünder Lotsenkapitän Stephan Jantzen benannt. Bis 1990 gehörte der Eisbrecher zur Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei der DDR, bis 2005 zum Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund. 2006 kaufte es Immobilienhändler Paolo Zampolli. Im Jahr 2009 kam der Eisbrecher nach Rostock. Ab 2012 stritt Zampolli mit Kai Gunther Lehmann aus Heidelberg, der ebenfalls Besitzansprüche anmeldete. Im Mai 2018 wurde der 68 Meter lange, 2300 Tonnen schwere und 5400 PS starke Stahlkoloss zwangsversteigert. die Hansestadt Rostock bekam den Zuschlag – für 25000 Euro.

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