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Politik Interview: „Rollenklischees erschweren Frauen den Einstieg in die Politik“
Mecklenburg Rostock Politik Interview: „Rollenklischees erschweren Frauen den Einstieg in die Politik“
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15:25 31.01.2019
Conchita Hübner-Oberndörfer Quelle: privat
Rostock

Conchita Hübner-Oberndörfer, Politologin an der Universität Rostock, hat erforscht, welche Rolle Frauen in der Politiklandschaft Mecklenburg-Vorpommerns spielen. Im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG erklärt die Akademische Oberrätin, wie hartnäckige Rollenklischees Frauen den Einstieg in die Politik erschweren und wie diese sich dabei auch ein Stück weit selbst im Weg stehen.

Frau Hübner-Oberndörfer, warum gibt es in MV noch immer so wenige Frauen in der Politik?

Im Landtag ist der Frauenanteil nicht zuletzt durch den Einzug der AfD erheblich zurückgegangen. In den Kommunen sind die Ursachen vielfältiger. Es hängt zum einen mit der Kreisgebietsreform zusammen. Dadurch sind die Landkreise sehr groß geworden. Da Kommunalpolitik von Ehrenamtlern betrieben wird, sind weite Wege gerade für junge Mütter, die Familie mit Beruf und Ehrenamt vereinbaren müssen, ein Hemmnis. Außerdem machen die Parteien nicht gezielt genug Werbung, um Frauen für Mandate zu gewinnen. Aber Frauen wollen angesprochen und gebeten werden – manche drei, vier Mal, bis sie zusagen.

Wollen Frauen denn keine politische Verantwortung übernehmen?

Das schon, doch sie bleiben lieber in der zweiten Reihe, als sich in den Vordergrund zu spielen. Aber Kommunalwahlen sind Personenwahlen. Das heißt, im Wahlkampf muss man sich präsentieren. Männer haben damit kein Problem. Sie reißen den Arm hoch, wenn’s was zu verteilen gibt: Hier bin ich, das mach ich. Frauen bezweifeln häufig erstmal, ob sie das überhaupt können. Das hängt auch mit eingefahrenen Strukturen zusammen.

Inwiefern?

Wählerbündnisse und Parteien sind in der Regel von Männern gegründet worden und werden von ihnen geführt. Da spielen Rangordnungen eine große Rolle. Frauen bevorzugen aber eher flache Hierarchien. Ihnen geht’s meist nicht vorrangig darum, Karriere zu machen. Sie wollen sich auch in politischen Ämtern wohlfühlen und legen Wert auf Solidarität. Innerparteiliche Streits schrecken sie ab. Zudem haben viele politisch aktive Frauen das Gefühl, dass sie in kaum Veränderungen bewirken können, weil „die alten Männer“ an ihren Stühlen kleben, ihre Seilschaften fördern und an Althergebrachtem festhalten. Nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Sie haben für Ihre Forschung Gespräche mit vielen Kommunalpolitikerinnen geführt. Fühlen die sich in ihren Ämtern ernst genommen?

Viele haben das arrogante Verhalten der Männer beklagt. Frauen müssen offenbar oft erst laut werden, damit ihrem Anliegen Gehör geschenkt wird. Viele Frauen räumen aber ein, dass sie nicht selbstbewusst genug auftreten. Politikerinnen brauchen ein dickes Fell. Sie dürfen nicht schnell beleidigt sein. Sie müssen zäh und energisch sein, sich – wie Männer – auch mal ordentlich zoffen und hinterher ein Bier trinken gehen können. Stattdessen nehmen Frauen Kritik oft zu persönlich. Deshalb wirkt für sie auch der Gedanke demotivierend, wegen der eigenen Position in der Öffentlichkeit schlecht dazustehen und sich rechtfertigen zu müssen.

Hilft Frauen denn nicht ihre Kompetenz dabei, sich zu behaupten?

Ja, aber sie müssen sie so verpacken, dass die Männer den Eindruck haben, mindestens genauso schlau zu sein wie sie. Da ist weibliche Taktik und Charme gefragt. Manche Politikerinnen lassen Anträge dann schon mal von einem Parteikollegen vorbringen, weil die dann nicht so weggelächelt werden, als wenn es die Frau selbst gemacht hätte.

Klingt, als wären traditionelle Rollenklischees in der Politik noch sehr lebendig.

Das zeigt sich auch darin, dass Parteien dort, wo es den Anschein hat, sie könnten eine Wahl gewinnen, meist einen Mann als Kandidaten ins Rennen schicken. Sie gehen davon aus, dass die Wähler Männer eher mit Politik verbinden und ihnen in dieser Hinsicht mehr zutrauen. Frauen werden dagegen eher dort aufgestellt, wo sich Parteien kaum Chancen ausrechnen. Überraschenderweise werden genau diese Frauen dann aber meist gewählt.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wünschenswert, dass es in der Politik paritätisch zugeht?

In den Parlamenten, in denen es nicht nur eine Alibi-Frau gibt, die von den Herren entweder gehätschelt und getätschelt oder belächelt wird, sondern in denen eine Ausgewogenheit zwischen Frauen und Männern besteht, ist die Dynamik eine andere. Es gibt mittlerweile Studien, die das belegen. Es wird sachlicher debattiert, Sitzungen verlaufen straffer und oft effektiver. Frauen sind sicher nicht per se die besseren Politiker, aber wenn sie sich einbringen, kann sich die Qualität politischer Entscheidungen verbessern.

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