Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Rostock: Schule schwänzen für das Klima
Mecklenburg Rostock Politik Rostock: Schule schwänzen für das Klima
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 09.02.2019
Yasmin Beil (l.) und Alexia Wolf wollen für einen besseren Klimaschutz streiken. Quelle: OVE ARSCHOLL
Anzeige
Stadtmitte

Alexia Wolf (15) und Yasmin Beil (15) wollen die Schule schwänzen. Nicht, weil ihnen Bildung egal wäre. Im Gegenteil: Alexia möchte Psychologie studieren, Yasmin Pädagogin werden. Dafür sind gute Noten Pflicht. „Aber warum sollen wir für eine Zukunft lernen, die wir vielleicht gar nicht haben?“ Damit ihre Berufswünsche wahr werden können, gehen die Mädchen auf die Straße. Ihre Mission: die Welt vor einer Katastrophe retten.

Weltweit machen Schüler blau, um für eine bessere Klimapolitik in ihren Heimatländern zu protestieren. Die Bewegung „Fridays for Future“ (dt. Freitags für die Zukunft) hat nun auch Rostock erreicht. Für den 15. März ist eine Großdemonstration geplant. Unter dem Aufruf #fridaysforfuturerostock will die hiesige Regionalgruppe Schüler, Studenten und Azubis dazu bewegen, für ein schnelles Ende der Braunkohleverstromung einzutreten.

Zum Team, das die Demo in der Hansestadt organisiert, gehören Alexia und Yasmin. Verantwortlich dafür, dass die Beiden die Schule schwänzen wollen, ist eine 16-jährige Schwedin. Greta Thunberg demonstriert seit Monaten jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm für eine bessere Klimapolitik. Durch ihre Reden auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice und zuletzt beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos (Schweiz) wurde die Aktivistin zur Sperrspitze einer weltweiten Jugendbewegung und zeitgleich zum Hassobjekt von Klimawandelleugnern. Kritiker werfen ihr vor, die PR-Marionette der Öko-Lobby zu sein. Tausende ihrer Generation aber feiern die Schwedin wie eine Ikone.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat mit ihren Protesten eine Jugendbewegung angestoßen. Quelle: Flauraud/KEYSTONE/dpa

Vorbild Greta Thunberg

Für Alexia und Yasmin ist Greta Thunberg ein Vorbild. „Sie hat den Mut, ihre Meinung zu äußern und sich mit Politikern anzulegen.“ Dass die Aktivistin der Jugend eine Stimme gebe, die international Gehör finde, sei toll, sagt Alexia. „Dafür bin ich dankbar.“ Auch deutsche Politiker müssten wach gerüttelt werden. „Sie tun so, als wäre Deutschland beim Klimaschutz Spitze. Das ist doch gelogen.“ Von den Volksvertretern fordert die Schülerin der Kinder- und Jugendkunstakademie Kassebohm mehr Weitsicht. „Aber man brauchte sich doch nur mal die Kohlekommission anzuschauen. Da lag der Altersdurchschnitt bei 56 Jahren. Und diese Leute treffen Entscheidungen über unsere Zukunft? Das ist unfair“, findet Alexia. Sie will mitreden. Und wie brächte man Erwachsene schneller dazu, zuzuhören, als mit Schulschwänzen?

Die Eltern von Alexia und Yasmin sind damit einverstanden, dass die Beiden statt im Klassenzimmer zu büffeln, mit Plakaten durch Rostock ziehen. Mehr noch: Sie unternehmen, motiviert durch ihre Töchter, selbst etwas für den Klimaschutz. Das sei kinderleicht, sagen Yasmin und Alexia. Glasflaschen, Stoffbeutel, Pfandbecher – schon mit kleinen Veränderungen im Alltag könne man einen Beitrag leisten. Die Schülerinnen haben ihren Lebensstil ihrer Mission angepasst: Beide versuchen wo immer es geht, Plastikmüll zu vermeiden, sie essen kein Fleisch, nutzen den öffentlichen Nahverkehr.

Kampfansage an Trump und Co.

Für das einzutreten, woran sie glauben, ist für sie ebenso selbstverständlich. Es gab mal eine Zeit, da habe sie Präsidentin der Vereinigten Staaten werden wollen, verrät Alexia. Heute würde sie sich fast wünschen, dass das tatsächlich möglich wäre. Denn mit Donald Trump ist die Schülerin ganz und gar nicht einverstanden. „Dass so einer an die Macht kommen kann...“ Dem US-Präsidenten würden sie und Yasmin zu gern die Meinung geigen. Trump bestreitet, dass es einen Klimawandel gibt. Dabei sei der doch offensichtlich, sagt Yasmin. In den USA frieren die Städte ein, Australien ächzt unter einer Rekordhitze. Wer den Klimawandel leugne, dem fehle es schlicht am nötigen Wissen, ergänzt Alexia. „Er ist wissenschaftlich bewiesen.“

Dass ihr Vorhaben viele Unterstützer findet, beweist die bisherige Resonanz. Noch bevor sie damit begonnen haben, die Demo zu bewerben, hätten sich über Whatsapp und Instagram schon rund 300 Teilnehmer dafür anmeldet, berichtet Yasmin. Weil anzunehmen ist, dass daraus bis zum 15. März noch viel mehr werden, muss die Veranstaltung an einem anderen Ort stattfinden als geplant. Ursprünglich wollten die Aktivisten auf dem Neuen Markt protestieren. Wo sie stattdessen mit Plakaten und Durchsagen Alarm machen werden, stehe noch nicht fest, sagt Yasmin. Die Gespräche mit der Stadt liefen noch. Wo auch immer der Streik stattfindet, Alexia, Yasmin und ihre Mitstreiter wollen dafür sorgen, dass sie weder übersehen noch überhört werden können. „Wir lassen nicht zu, dass andere unsere Zukunft zerstören!“

Fridays for Future

Greta Thunberg (16) ist die Initiatorin und Ikone der Jugendbewegung „Fridays for Future“. Statt zur Schule zu gehen, protestiert die Schwedin seit Monaten jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm für eine bessere Klimapolitik. Dafür und weil sie unter Asperger, einer Form von Autismus, leidet, wird die Aktivistin in sozialen Netzwerken massiv angefeindet, vor allem von rechten Klimawandelleugnern. Kritiker werfen ihr zudem vor, dass sich Thunberg von Organisationen instrumentalisieren lasse. Die Schwedin bestreitet das vehement: „Hinter mir steckt niemand außer mir selbst.“ Tausende eifern ihr nach: Unter dem Motto #FridaysForFuture demonstrieren Jugendliche weltweit für Klimaschutz.

Im Internet unter www.fridaysforfuture.de vernetzen sich Deutschlands Aktivisten. Neben Informationen zu den Hintergründen sind hier auch einzelne Regionalgruppen zu finden, die ihre Aktionen über das Nachrichten-Netzwerk Whatsapp organisieren.

Antje Bernstein

Macht zu gleichen Teilen? Davon kann in den Kreistagen und Gemeinderäten Mecklenburgs keine Rede sein. In den meisten Gremien ist der Frauenanteil gering. Und er könnte bald noch weiter sinken.

31.01.2019

Im OZ-Gespräch erklärt eine Rostocker Politologin, warum Parlamente nach wie vor Männerdomänen sind und was Frauen davon abhält, in der Politik durchzustarten.

31.01.2019

Tausende Pakete landen jährlich beim Zollamt im Seehafen. Darin steckt oft Skurriles und Verbotenes. Und manche Peinlichkeit, die der Empfänger lieber nicht vor anderen auspacken würde.

18.01.2019