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Rostock Polizeibilanz: Schwere Unfälle und mehr Gewalt gegen Beamte
Mecklenburg Rostock Polizeibilanz: Schwere Unfälle und mehr Gewalt gegen Beamte
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22:19 05.04.2019
Bei diesem Unfall im April 2018 wurde eine Fußgängerin so schwer verletzt, dass sie kurz darauf starb. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock-Lütten Klein

Blaue Flecken, Schürfwunden und sogar Knochenbrüche: Der Dienst für Polizeibeamte in Lütten Klein wird immer schmerzhafter. Revierleiter Stefan Damrath berichtete am Donnerstag in der Ortsbeiratssitzung, dass Angriffe auf seine Mitarbeiter im vergangenen Jahr deutlich zugenommen haben. „Ich bin froh, dass keiner so schwer verletzt wurde, dass er sich länger krankmelden musste.“ Frauen werden dabei genauso attackiert wie ihre männlichen Kollegen. Als Konsequenz hat Damrath den Kollegen verordnet, künftig stärker auf ihren Eigenschutz zu achten.

Aber auch hinter verschlossenen Türen ist das Klima im Stadtteil rauer geworden, erklärte Damrath in seiner Polizeibilanz für 2018. „Es gab 120 gemeldete Fälle von häuslicher Gewalt. Das war ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.“ Die Beamten, die in solche Einsätze geschickt werden, müssen sich auf schwierige Situationen einstellen: „Oft ist Alkohol im Spiel, Kinder und Tiere sind mit in der Wohnung“, sagte Damrath. Wegen dieser Unwägbarkeiten sind inzwischen meist nicht mehr nur zwei, sondern vier oder sogar sechs Beamten vor Ort. Die Beteiligten an häuslicher Gewalt werden immer älter. „Die ältesten waren 93 und 96 Jahre alt“, berichtete Damrath.

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Viel zu tun hatte die Polizei auch mit Verkehrsunfällen. Insgesamt 414 Mal krachte es 2018 in Lütten Klein. Beim schwersten Unfall kam im April eine Fußgängerin ums Leben, nachdem sie von einem Auto angefahren wurde. Der Fahrer stand unter Alkoholeinfluss. Es war der einzige tödliche Unfall im Stadtteil. Im August wurde ein Fußgänger von einer Straßenbahn erfasst und schwer verletzt. Ursache war dabei laut Damrath wohl Unaufmerksamkeit. Auch einen skurrilen Fall von Fahrerflucht gab es: Ein Rollstuhlfahrer rammte einen Fußgänger und verletzte ihn dabei. Danach fuhr er einfach weiter. Er konnte jedoch kurz darauf ermittelt werden.

Sorgen bereiten der Polizei Radler, die sich nicht an rote Ampeln halten. Ein Radfahrer wurde deswegen bei einem Unfall schwer verletzt. Die Polizei achtet daher stärker auf radelnde Rotsünder: „Bei einer Verkehrskontrolle haben wir innerhalb von nur zwei Stunden Radfahrer gestoppt, die bei Rot gefahren waren“, sagte Damrath. Verstärkte Kontrollen aller Verkehrsteilnehmer gibt es an den Unfallschwerpunkten St. Petersburger Straße, Osloer Straße und Warnowallee.

Immer wieder hatte es die Polizei 2018 auch mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die in Einrichtungen untergebracht sind. Sie prügeln sich immer wieder mit anderen Jugendlichen und greifen auch Beamte an. Auch Brandstiftungen, Diebstähle und Sachbeschädigungen gehen auf ihr Konto. „Hier sehen wir eine enorm steigende Kriminalität“, bilanzierte Damrath und machte klar: „Das können wir als Polizei nicht alleine bewerkstelligen, da sind auch Andere gefragt.“ Sollen jetzt verstärkt Fallgespräche mit dem Jugendamt geführt werden.

Damrath hatte auch Positives zu berichten: „Ich bin guter Hoffnung, dass wir künftig einen deutlich erhöhten Personalbestand haben werden.“ Zum 1. August erwarte er zahlreiche neue Mitarbeiter. Bereits jetzt sei der Altersdurchschnitt unter den Beamten durch Neuzugänge auf deutlich unter 40 gesunken. Und die Polizei wird immer weiblicher. „Wir besetzen inzwischen auch Streifenwagen mit zwei Frauen“, sagte Damrath. Bisher seien Polizistinnen meist mit einem männlichen Kollegen unterwegs gewesen. Negative Erfahrungen habe er noch keine gemacht, im Gegenteil: „Beamtinnen können etwa bei häuslicher Gewalt oder im Umgang mit schwierigen Jugendlichen dazu beitragen, die Situation zu entkrampfen“, weiß Damrath.

Die neue Frauenpower bei der Polizei hat laut Damrath auch Folgen für die Männer, deren Anteil in den Dienststellen sinkt: „Die Frauen haben jetzt auch den größeren Umkleideraum bekommen – unter Protest der Männer.“

Axel Büssem