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Rostock Ostseeurlauber halten der Postkarte die Treue
Mecklenburg Rostock Ostseeurlauber halten der Postkarte die Treue
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12:10 22.07.2019
Anette Döttger verkauft in ihrem Strandkiosk auf der Warnemünder Promenade am Hotel „Neptun“ seit mehr als zehn Jahren Postkarten. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Warnemünde

 Trotz Portoerhöhungen oder der Konkurrenz durch Kurznachrichtendienste auf dem Handy – die gute alte Postkarte ist nicht totzukriegen. Das merken auch die Händler aus Warnemünde, bei denen noch viele Ständer mit bunten Ansichtskarten zu finden sind. Anette Döttger verkauft an ihrem Strandkiosk auf der Promenade seit zehn Jahren Postkarten, die dann als Urlaubsgruß vom Ostseebad in alle Welt verschickt werden. „Besonders beliebt sind Motive mit Leuchtturm und Teepott, Karten mit Bildercollagen sowie Möwenmotive“, weiß die Händlerin.

Urlaubssaison lässt den Versand ansteigen

Vor allem in den Sommermonaten wird auch bei der Deutschen Post der saisonal bedingte Anstieg beim Postkartenversand bemerkt. „Insgesamt bewegen wir im Jahr rund 195 Millionen Postkarten“, sagt Konzernsprecher Jens-Uwe Hogardt. Dazu zählen sowohl die Grüße, die aus Deutschland verschickt werden, als auch jene, die aus aller Welt in der Bundesrepublik eintreffen. „Der Großteil davon sind tatsächlich Urlaubskarten, da Gewinnspiele, die früher oft per Postkarte funktionierten, heute über andere Kanäle laufen“, so Hogardt.

Was die Zahl der Sendungen betrifft, gebe es deutschlandweit Unterschiede. Vor allem in den Urlaubsregionen würden Karten noch gut angenommen. „Das sehen wir ja in Warnemünde, Heringsdorf oder auf der Insel Rügen. Wenn sie sich nicht verkaufen würden, hätten die Händler auch keine Kartenständer mehr“, so der Post-Sprecher.

Post verzeichnet größten Zuwachs bei Paketen

Ob die am 1. Juli in Kraft getretene Portoerhöhung von 45 auf 60 Cent Auswirkungen auf den Postkartenversand hat, könne er aktuell noch nicht einschätzen, erklärt Hogardt. Generell seien die Karten aber nur ein geringfügiger Teil des Gesamtgeschäfts. „In unserer Statistik zählen sie mit zu den Briefsendungen, die mit 57 Millionen Stück pro Tag den größten Anteil ausmachen“, so Hogardt. Bei Paketen wären aber auch schon rund fünf Millionen Stück pro Tag in Deutschland unterwegs. „Und in diesem Bereich gibt es auch die größte Steigerung – sie liegt zwischen 5 und 8 Prozent, während die Briefsendungen um etwa 3 Prozent pro Jahr zurückgehen“, weiß Hogardt.

Dennoch glaubt der Post-Sprecher trotz digitaler Konkurrenz an den Fortbestand von Postkarten. „Weil sie ein viel schöneres Erinnerungsstück für Verwandte und Freunde sind. Kurze Textnachrichten oder Handyfotos lassen sich außerdem nicht an die Pinnwand oder den Kühlschrank hängen.“

Seehund-Motiv ist der Renner an der Ostsee

Die meisten Motive, die zum Beispiel aus Warnemünde verschickt werden und bei den Empfängern für Freude sorgen, stammen allerdings nicht aus Rostock, sondern aus einer anderen Hansestadt. Der Lübecker Schöning-Verlag ist Marktführer für Ansichtskarten. Unter dem Motto „Deutschland ist schön – wir zeigen es“ hat das Unternehmen Postkarten mit Motiven aus rund 800 Orten vorrätig. „Wir hatten mal 1200, aber nicht überall hat es sich rentiert, eigene Ortskarten anzubieten“, sagt Geschäftsführer Boris Hesse.

Galerie: Ostseeurlaub – Top oder Flop?

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Zum Sortiment des Verlages gehört eine „Kollektion Mecklenburg“, die Motive aus den Küstenregionen, aber auch die Städte mit abdeckt. Der absolute Verkaufsschlager an der Ostsee ist laut Boris Hesse aber eine ortsunabhängige Karte. „Unser Renner ist ein Seehundmotiv mit bereits aufgedrucktem Grußtext zum Ankreuzen“, sagt der Firmenchef. Die Karte sei von der polnischen bis zur holländischen Grenze beliebt – „auch wenn wir oft Diskussionen mit Händler hatten, dass es vor Ort doch keine Seehunde gibt“, sagt Hesse. Die Nachfrage der Kunden sei so hoch, dass Zweifler verstummten.

Lübecker Verlag produziert bis zu 15 Millionen Postkarten

Aktuell würden pro Jahr allein im Schöning-Verlag zwischen 12 und 15 Millionen Postkarten produziert. Die Menge klingt unglaublich – „dennoch haben wir über die Jahre 40 Prozent verloren“, sagt Boris Hesse. Der größte Absatz sei in den 90er-Jahren gewesen. „Aber auch jetzt passen Postkarten irgendwie wieder in die Zeit“, weiß der 52-Jährige. Weil die meist handgeschriebenen Grüße etwas Besonderes sind und Wertschätzung des Absenders für den Empfänger ausdrücken. „Die meisten Menschen brauchen ja kaum noch einen Briefkasten. Selbst Werbung und Rechnungen kommen digital. Da fällt eine schöne Postkarte umso mehr und positiver auf, weil sie auch Mühe signalisiert – wie etwas Selbstgebasteltes“, sagt Hesse.

Was für ihn als Produzenten bei der Auswahl der Motive wichtig wäre, sei die emotionale Verbindung der Kunden zur Karte. „Es geht darum, damit ein Erlebnis und Urlaubsgefühle zu vermitteln“, sagt Hesse. Neben Karten mit niedlichen Küstentieren, Strandkörben oder Sonnenuntergängen seien aber auch die mit Höhepunkten der jeweiligen Orte gefragt. „In Rostock zum Beispiel laufen die sogenannten Mehrbildkarten sehr gut, weil die Menschen berichten wollen, was sie alles gesehen haben“, sagt Hesse.

Fotos werden jährlich aktualisiert

Für den Inhalt wären im Verlag drei Redakteure zuständig, die jedes Jahr aktuelle Fotos einkaufen. So sei garantiert, dass auch wichtige und ortsbildprägende Neubauten den Weg auf die Postkarten finden. „Das ist auch deshalb wichtig, weil wir aus den Motiven auch Magnete oder Schlüsselanhänger fertigen. Den Großteil davon übrigens in Europa“, sagt der Geschäftsführer.

Schöning hätte sich in den letzten Jahren immer mehr vom Ansichtskarten- zum Touristikverlag entwickelt. „Karten machen nur noch ein Drittel des Umsatzes aus, der Großteil kommt über die Souvenirs“, sagt Hesse. In der Vergangenheit ist die Postkarte das Standardkommunikationsmittel gewesen, um sich aus dem Urlaub zu melden. Das sei durch Handy und Internet anders geworden. Dennoch ist Produzent Boris Hesse überzeugt: „Solange unsere Kinder in der Schule noch schreiben lernen, wird es auch Postkarten geben“ – vielleicht ja auch die mit Seehund.

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