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Rostock Produktionsschule gibt Jugendlichen zweite Chance
Mecklenburg Rostock Produktionsschule gibt Jugendlichen zweite Chance
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05:00 01.06.2019
Tony (19) lernt in der Hanse Produktionsschule Brinckmansdorf, wie man Metall bearbeitet. Quelle: Axel Büssem
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Rostock-Brinckmansdorf

Wenn auf der Formel-1-Strecke in Abu Dhabi Sebastian Vettel und Lewis Hamilton um die Podestplätze kämpfen, schauen einige Rostocker voller Stolz zu: Denn sie haben in der Metallwerkstatt der Hanse Produktionsschule in Brinckmansdorf die Aluprofile gefertigt, die die Fassade des Ferrari-Themenparks an der Strecke schmücken. Genau das ist der Sinn der Schule, die Schulabbrechern eine zweite Chance gibt: Zeigen, dass Arbeit einen Sinn hat und dass man auf das, was man geschaffen hat, stolz sein kann, erklärt Schulleiter Philipp Schumm beim Fest zum Produktionsschultag, den die Einrichtung in dieser Woche gefeiert hat.

Derzeit laufen die Prüfungen zum Schulabschluss. Tony (19) aus Toitenwinkel weiß jetzt schon, dass es für ihn wohl nicht reichen wird. Dennoch war seine Zeit an der Produktionsschule nicht umsonst: „Ich musste an mir arbeiten, um jeden Tag aufzustehen und hierher zu kommen.“ erinnert er sich. An seiner alten Schule hatte das nicht so gut geklappt. die hatte Tony abgebrochen und danach anderthalb Jahre lang gar nicht gemacht. „Ich habe viel Stress gehabt und viel Scheiße gebaut“, gibt er zu. Sogar vor Gericht musste er sich verantworten, ist derzeit auf Bewährung.

Job im Handwerk trotz Sechs in Mathe

Irgendwann hielt er es zu Hause nicht mehr aus und suchte sich eine eigene Wohnung. Doch dafür brauchte er Geld und musste zur Arbeitsagentur. „Ich hatte mir selbst gesagt, ich muss den Schulabschluss nachholen. Die Arbeitsagentur hat mir dann die Produktionsschule empfohlen.“ Dort arbeitete Tony im Bauservice, zuletzt fertigte er dort mit seinem Mitschülern eine Sauna, die sie dann auch beim Kunden einbauten. Und auch wenn es mit dem Schulabschluss wegen einer Sechs in Mathe nicht klappte, will Tony sich jetzt einen Job im Handwerk suchen.

Diese Motivation, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen, will Schulleiter Schumm den Jugendlichen durch die Arbeit in den Werkstätten vermitteln. Und die ist keineswegs nur Therapie: „Die Idee ist, dass hinter jeder Arbeit ein realer Auftrag steht. So wollen wir den Sinn der Arbeit vermitteln.“ Als zusätzliche Motivation gibt es einen kleinen Tageslohn von fünf Euro.

Jahrelang nur Misserfolge

Motivation haben die Schüler auch dringend nötig, meint Schumm: „Viele haben acht oder neun Jahre voller Misserfolgserlebnisse an der Schule hinter sich. Die haben einfach keinen Bock mehr.“ Wenn dann aber wie die Fassadenteile an der Formel-1-Strecke reale Ergebnisse zu sehen sind, „sind die Jugendlichen stolz, Teil von etwas Großem zu sein“, so Schumm.

Und es bleibt nicht nur beim Stolz: Viele Schüler werden nach ihrer Zeit an der Produktionsschule an die Firmen vermittelt, deren Aufträge sie an der Produktionsschule bearbeitet haben. So auch Pascal (18) aus Groß Klein: Er hatte wegen gesundheitlicher Probleme in seiner alten Schule den Anschluss verpasst und war zwei Mal durch die Abschlussprüfung gefallen – das bedeutete dort das Aus.

Schöne Zeit an der Schule

Doch die Berufseinstiegsbegleiterin seiner alten Schule empfahl Pascal mehrere Alternativen, darunter die Produktionsschule, für die er sich schließlich entschied. „Ich habe einer schöne Zeit hier und komme gut mit den Leuten klar. Mit den Werkstattpädagogen und dem Schulleiter kann man immer offen reden.“ Die ersten Prüfungen hat Pascal schon bestanden. Wenn sie durch sind, will er bei Thyssenkrupp anfangen – das Unternehmen, für das die Aluprofile für Abu Dhabi gefertigt wurden.

Auch Jonas (16) steckt mitten in den Prüfungen. Er kam zur Produktionsschule, nachdem er von seiner früheren Schule geflogen war. „Ich habe viel geschwänzt, das war nicht cool von mir“, weiß er heute. Doch jetzt gehört Jonas zu den Besten und hat auch schon große Pläne für seine Zukunft: „Ich will die zehnte Klasse an der Volkshochschule nachholen und dann eine Ausbildung bei der Bundeswehr machen.“

Ziel: Ausbildungsplatz

Barbara Hülsmeyer, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Jugendhilfe Stadt und Land, freut sich über solche Erfolgsgeschichten: „Jeder hat etwas Gutes in sich, man muss es nur finden und herauskramen“, ist sie überzeugt. „An der Produktionsschule werden die Jugendlichen aufgefangen, dort spüren sie Halt.“

Dass das funktioniert, zeigen die Zahlen: „Letztes Jahr konnten wir 16 Schüler zur Abschlussprüfung anmelden, 13 davon haben bestanden. Und die meisten bekommen dann auch einen Ausbildungsplatz“, erklärt Hülsmeyer. Und wer durchfällt, wird in berufsvorbereitende Praktika vermittelt. Jeder Dritte wird laut Hülsmeyer anschließend übernommen. Insgesamt liege die Erfolgsquote der Produktionsschulen bei 45 Prozent.

Axel Büssem

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