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Profiler Suzanne Grieger-Langer in Rostock: So werden Sie mit Shitstorms und Cybermobbern fertig

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16:00 08.02.2020
Sie nimmt den Kampf gegen Cybermobber auf: Profilerin Suzanne Grieger-Langer. Quelle: https://profilersuzanne.com/
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Rostock

Hasstiraden, Verleumdungen, verbale Schlammschlachten – es sind die Schattenseiten der Social-Media-Welt. Diplom-Pädagogin Suzanne Grieger-Langer, bekannt als Profilerin, hat Cybermobbern den Kampf angesagt. Mit „Cool im Kreuzfeuer“, der One-Woman-Show zum gleichnamigen Sachbuch, macht sie am 11. Februar in der Rostocker Stadthalle Station. Im Interview mit der OZ verrät sie, wie man mit Hatern fertig wird und einen Shitstorm übersteht.

Frau Grieger-Langer, haben Sie persönlich schon Cybermobbinger erlebt?

Ja, ich wurde Opfer einer Rufmordkampagne, nachdem wir mit den Ermittlungsergebnissen zu einem deutschlandweiten Skandal an die Öffentlichkeit traten.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Gar nicht. Wer Hasskommentare auf sozialen Netzwerken postet, will sich nicht unterhalten, sondern sein Gift loswerden. Wenn es eskaliert, muss man natürlich juristisch einschreiten. Aber sich damit zu beschäftigen, ist nicht hilfreich. Es würde die Sache nur verschlimmern, weil man mit jeder Replik den Hass solcher Personen nährt und deren Hoffnung, dass man sich nur noch mit ihnen beschäftigt. Und das ist ja die Idee der Cybermobber: ihre Opfer so klein und irre zu machen, dass diese nicht mehr ihr Leben leben können.

Ihr wichtigster Rat für Betroffene?

Keine Emotionen in die Geschichte reinstecken, keine Repliken, einfach normal weitermachen und bei sich bleiben. Frank Elsner hatte einen tollen Spruch dazu. Er sagte sinngemäß, man solle nie die Kommentare über sich selbst lesen. Das würde einem narzisstische Höhenflüge ersparen und depressive Täler. Beide Spitzen sind überzogen und nicht real. Kommen Sie nie in die Filterblase des Opfers und der Ohnmacht!

Also alles eine Frage der richtigen Einstellung?

Ich vergleiche es gern mit dem Zähneputzen: Man stellt sich morgens auch nicht ins Bad und weint, weil man schon wieder die Zähne putzen muss. Und trotzdem ist man ein Leben lang „Opfer“ von Plaque. Wichtig ist zu begreifen, wir sind nicht Opfer, sondern in einer Auseinandersetzung – mit Plaque, mit Winter, mit Hunger. Das schreckt uns auch nicht. Gegen Plaque putzen wir die Zähne, gegen kaltes Wetter ziehen wir uns warm, gegen Hunger essen wir was Leckeres. Und gegen Hasskommentare gibt es die Löschtaste. Ende. Aus.

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Wie gelingt es auch sensiblen Menschen, sich verbale Tiefschläge von Mobbern nicht zu Herzen zu nehmen?

Die Hater wollen emotionalisieren und ihre Opfer zu Dummheiten verführen. Je mehr man versteht, wer diese Leute sind und warum sie was wie machen, desto weniger trifft es einen.

Was sind denn das für Typen, die andere in sozialen Netzwerken fertigmachen wollen?

Meistens Neider. Ich nenne das Niedergeschwindigkeitstäter. Das sind Leute, die sich selbst abgehängt haben ob ihrer Trägheit. Nicht missverstehen: Ich rede nicht von Menschen, die keinen hoch bezahlten Job haben, sondern von denen, die in ihrer Komfortzone bleiben und die es fürchterlich stört, dass andere mit ihrem Einsatz mehr erreichen und es ihnen nicht gönnen. Es sind meist missgünstige Menschen, die sich unter dem Deckmantel der Anonymität verstecken. Das Leben ist wie Fußball: Man will den angreifen, der den Ball hat. Es wäre fatal, sich mit dem zu beschäftigen, der foult. Man muss weiter versuchen, seinen Ball ins Tor zu treiben.

Gibt es so was wie eine Shitstorm-Profilaxe? Eine Möglichkeit, von vornherein gar nicht erst in die Situation zu kommen?

Nein, davor ist niemand gefeit. Sie können sich auch nicht vor dem Winter schützen. Der kommt. Wichtig ist, dass man dann weiß, was man zu tun hat und zu begreifen, wie wenig es mit einem selbst als Person zu tun hat.

Ihrer Erfahrung nach: Wie vielen Mobbing-Opfern gelingt das?

Es ist natürlich eine Charakterfrage, wie viele Knüffe man verträgt. Aber wir nehmen uns generell alle viel zu sehr zu Herzen, was andere über uns sagen. Dabei ist es egal, was der Nachbar drei Straßen weiter über mich denkt. Wir haben momentan leider eine Gesellschaft, in der man schnell diffamiert wird, wenn man Dinge klar ausspricht. Das bedeutet, dass uns ein Maulkorb aufgesetzt wird und alles nur noch in „nett“ dargestellt werden darf. Aber – und das ist das Verrückte – Einzelne dürfen unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit tun und lassen, was sie wollen.

Diesen Leuten haben Sie den Kampf angesagt. Warum?

Vorrangig bin ich mit der Grieger-Langer-Gruppe im Wirtschaftsbereich tätig. Da nennt man so was Rufmordkampagne, es ist aber exakt das gleiche Vorgehen wie im Privaten. Wir sind davon beseelt, denen zu helfen, die attackiert werden. Ich will der Gewalt keinen Millimeter Boden gönnen.

In den sozialen Netzwerken kann man den Eindruck bekommen, dass immer mehr User dort ihren Hass verbreiten wollen.

Ja, es wird immer schlimmer. Weil viele Menschen maximal überfordert sind und weil es keine Kontrollen gibt.

Was ist die Lösung? Sollten wir uns ganz aus sozialen Netzwerken verabschieden?

Nein, das wäre ja, als wenn man zu Hause bliebe, nur weil einem draußen ein Backstein auf den Kopf fallen könnte. Es würde helfen, wenn sich alle an Gesetze hielten. Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Darüber legen die Richter mittlerweile die Meinungsfreiheit. Das darf nicht sein.

Machen wir uns nicht selbst auch angreifbar, weil wir online zu viel von uns preisgeben?

Ja, das ist ein Fehler. Social Media ist eben nicht mein Wohnzimmer. Das wissen die Leute, behaupten aber im Nachhinein, sie hätten’s nicht gewusst.

Ihr Tipp?

Machen Sie sich klar, wie Sie gesehen werden wollen. Wenn Sie vor die Haustür gehen, machen Sie das nicht mit struppigen Haaren und nur in Unterwäsche. Sie kämmen sich, ziehen sich was an. Genau das Gleiche gilt für Social Media. Denn was ich dort zeige, sehen nicht nur meine Freunde, sondern auch meine Feinde. Darauf muss ich vorbereitet sein.

Show in der Stadthalle

Am 11. Februar tritt Suzanne Grieger-Langer mit ihrem Programm „Cool im Kreuzfeuer“ in der Rostocker Stadthalle auf. In der Bühnenshow zum gleichnamigen Buch widmet sich Deutschlands wohl bekannteste Profilerin mit Wortwitz und Enthüllungen dem Thema Cybermobbing. Falsche Tatsachenbehauptungen, krude Beweisketten, üble Nachrede und Fake-News gehören heute zum Standard-Repertoire der Trolle im Internet, die sich aufmachen, um Menschen und deren Karrieren zu zerstören. Wie man damit am besten umgeht, verrät Suzanne Grieger-Langer ihrem Rostocker Publikum ab 20 Uhr in der Stadthalle.

Restkarten sind an der Tageskasse der Stadthalle (geöffnet mo-fr 8-18 Uhr) zum Preis von 42 bzw. 47 Euro erhältlich

Zur Person: Suzanne Grieger-Langer

Suzanne Grieger-Langer ist Diplom-Pädagogin und Frontfrau der Grieger-Langer-Gruppe. Diese berät Firmen beim Recruiting neuer Mitarbeiter und hilft Unternehmen, sich gegen Betrug und Rufmord zu wehren. Grieger-Langers Profiling-Methoden sind nicht unumstritten, kommen aber offenbar an: Die 58-Jährige hat viele Fans, feiert Erfolge als Autorin. Sie hat mehrere Sachbücher veröffentlicht, zuletzt „Cool im Kreuzfeuer – Schlammschlachten, Cybermobbing und Rufmord-Kampagnen souverän überstehen“. Mit der gleichnamigen Bühnenshow tourt sie derzeit durch Deutschland.

www.profilersuzanne.com

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