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Rostock Projekte werden nicht fertig: Gibt Rostock jetzt die Buga auf?
Mecklenburg Rostock

Projekte werden nicht fertig: Gibt Rostock jetzt die Buga auf?

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06:30 11.12.2019
So soll der neue Stadthafen zur Buga 2025 aussehen. Doch nun diskutiert Rostock ein Aus für die Gartenschau. Quelle: RGS Rostock
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Rostock

Als Rostock 2018 seine Bewerbung für die Bundesgartenschau einreichte, war noch von großen Dingen die Rede: Innerhalb von nicht mal sieben Jahren wollte die Hansestadt den kompletten Stadthafen umgestalten, eine Brücke über die Warnow bauen, zudem einen Stadtpark auf der alten Deponie, ein neues Volkstheater, ein neues Landesmuseum und einen Deckel für die L 22.

Doch ein Jahr später ist vieles davon nicht mehr wahr, nicht mehr umsetzbar. Hinter den Kulissen stellen sich Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen und auch die Fraktionen der Bürgerschaft jetzt eine Frage: Sollte Rostock die Buga abblasen?

Highlights werden nicht rechtzeitig fertig

Das große Problem der Buga 2025: Die großen Höhepunkte, mit denen Rostock vor den Besuchern aus ganz Deutschland glänzen wollte, wird es nicht geben. Schon Anfang des Jahres zogen die Planer den sprichwörtlichen Stecker, was den Bau eines Plateaus über der L 22 angeht. Das sei nicht machbar, wenn zeitgleich auch am Stadthafen selbst gebaut wird.

Wenig später – im Mai – musste Sigrid Hecht, die Chefin der für die Buga-Planungen verantwortlichen Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS), die nächsten Vorhaben absagen: Eine neue Blumen- und Markthalle am Stadthafen soll es nicht geben. Und auch der Stadtstrand am Gehlsdorfer Ufer ist vom Tisch. Zu teuer. Der Uferbereich müsste großflächig ausgetauscht werden, weil der Warnow-Schlamm mit Schadstoffen belastet ist.

Ebenfalls nicht fertig wird das archäologische Landesmuseum. Der Millionenbau des Landes soll erst nach der Buga eröffnet werden, hatte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bereits Mitte 2019 verkündet. Auch das neue 110 Millionen Euro teure Volkstheater wird bis zur Blütenschau noch nicht eröffnet sein.

Auch Brücke kommt erst nach 2025

Nun gibt es noch mehr schlechte Nachrichten: Das Warnow-Quartier im Osthafen – es sollte zu Buga das neue Rostocker Vorzeigeviertel werden und neue Wohn- und Arbeitsformen zeigen – wird 2025 noch im Bau sein. Wenn überhaupt. Dort sind noch Grundstücksfragen offen – und die Frage, wer das Areal erschließen und bebauen wird. Die Brücken im Osthafen und an der Holzhalbinsel könnten ebenfalls erst nach 2025 fertig sein.

Das größte Manko aber: Auch das Herzstück der Buga – die Fußgänger- und Radlerbrücke vom Stadthafen nach Gehlsdorf – ist ebenfalls kaum noch rechtzeitig umsetzbar. Noch immer verhandeln Stadt, Land und Bund über die Wasserstraße Warnow. Bekommt Rostock nicht die Kontrolle über den Fluss, kann die Stadt keine Brücke bauen. Die Verträge sollten seit Monaten geschlossen sein, doch nach wie vor streiten die Beteiligten über Altlasten im Fluss und die Kosten der Entsorgung.

Entscheidung Anfang 2020

Offiziell mag noch niemand über eine Absage für die Bundesgartenschau sprechen. Zu heikel ist das Thema, zu peinlich wäre das Aus. Und es würde Rostock eine Millionenstrafe kosten, wenn erstmals in der Geschichte eine Stadt eine Gartenschau vorher absagt. Doch die kritischen Stimmen mehren sich. Im Frühjahr – im Februar oder vielleicht auch erst im März – soll sich die Bürgerschaft mit den Planungen, mit „Ja“ oder „Nein“ befassen.

Doch selbst die Grünen, bisher die stärksten Befürworter der Buga, rücken von ihrer uneingeschränkten Unterstützung ab: „Grundsätzlich stehen wir zur Buga“, sagt Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. Dann folgt das Aber: „Die Buga hat erhebliches Potenzial für Rostock. Es gibt erhebliche zusätzliche Fördermittel. Die liegen zu lassen, wäre bedauerlich. Allerdings dürfen Investitionen in Schulen, Radwege und Straßenbahnen nicht darunter leiden.“

Das ist aber das zweite Problem: Im neuesten Investitionsplan der Hansestadt, der erst Freitag von Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) veröffentlicht wurde, werden die Kosten für die Buga-Projekte mit mehr als 153 Millionen Euro angegeben. Nur 60 Millionen Euro sind bisher durch Förderzusagen von Bund und Land gedeckt. Die Hansestadt müsste also um die 90 Millionen Euro selbst aufbringen. Zu viel für die Stadt, die gerade erst aus den Schulden raus ist?

Ja, meint Linken-Chefin Eva-Maria Kröger. „Die sollen die Buga endlich auf Eis legen. Niemand hat etwas dagegen, den Stadthafen zu entwickeln. Aber eine Gartenschau brauchen wir dafür nicht“, sagt sie. Da die meisten Projekte ohnehin nicht bis 2025 fertig werden, könne sich Rostock Zeit lassen – und das Geld besser für „sanierte Schulen, Kitas und neue Straßenbahnen“ ausgeben.

Madsen: „Arbeiten an Fakten“

Zu Details äußert sich Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen aktuell noch nicht. Aber: „Wir arbeiten derzeit die einzelnen Punkte und Projekte ab, insbesondere im Hinblick auf die Zeitabläufe und die Finanzierungen. Es geht darum, Fakten zu schaffen, statt Gerüchten Raum zu lassen.“ Er habe eine neue Projektgruppe mit Fachleuten aus der Verwaltung und externen Experten aufgebaut. „Es wird nun auch Zeit, die Meinungen der Rostocker einzubeziehen. Im Jahr 2020 wird so auf der Basis von belastbaren Fakten eine Entscheidung durch die Bürgerschaft ermöglicht.“

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