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Rostock Prozess nach Folter in Lalendorf: Opfer mit Kettensäge bedroht und gepeinigt
Mecklenburg Rostock Prozess nach Folter in Lalendorf: Opfer mit Kettensäge bedroht und gepeinigt
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16:45 06.08.2019
Die Angeklagten Patrick J. (35) - links - und Jürgen K. (63) - rechts - beim Prozessauftakt wegen Raub, gefährlicher Körperverletzung und Geiselnahme. Quelle: Anh Tran
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Rostock

Zwei Stunden lang sollen die zwei Angeklagten ihr Opfer mit Faustschlägen und Hieben mit einem Axtstiel gequält haben. Der Mann musste sich ausziehen und nackt Holz hacken, gefilmt von einem der mutmaßlichen Täter. Am Ende ist der 39-Jährige schwer verletzt, liegt mit einem Schädelhirntrauma und Gesichtsfrakturen mehrere Tage auf der Intensivstation.

Am Dienstag begann der Prozess im Rostocker Landgericht, der aufklären soll, was sich am 7. März in einer Gartenanlage in Lalendorfbei Güstrow (Landkreis Rostock) zutrug. Dem 35 Jahre alten ungelernten Arbeiter und dem 63 Jahre alten früheren Fernfahrer wirft die Staatsanwaltschaft Geiselnahme, Raub und gefährliche Körperverletzung vor. Sie räumten die Vorwürfe zum Prozessauftakt teilweise ein, belasteten sich jedoch gegenseitig. Offen blieb zunächst, ob homophobe Einstellungen der Angeklagten eine Rolle spielten, denn das Opfer lebt den Angaben zufolge in einer homosexuellen Beziehung.

Gerüchte offenbar Auslöser für Gewalt

Unstrittig scheint, dass der 35-jährige Hauptangeklagte den Gartennachbarn am frühen Nachmittag telefonisch in seine Laube bestellte. Er wollte etwas klären, sagte er im Gericht, denn es habe Gerüchte im Dorf gegeben, dass er seine Partnerin und Kinder schlagen würde. Der ältere Mitangeklagte soll den 39-Jährigen mit den Worten „Du schwules Stück Scheiße, was erzählst du für Müll hier rum“ für die Gerüchte verantwortlich gemacht haben.

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Mehrfach habe er auf den Mann eingeschlagen, räumte der Hauptbeschuldigte in seiner Aussage ein. Zuvor habe er ihn aufgefordert, sich vollständig auszuziehen und ihn schließlich gezwungen, nackt Holz zu hacken, was er mit seinem Smartphone filmte. Letztlich musste der Verletzte sein eigenes Blut von der Couch wischen. Der mutmaßliche Täter trank während der Tat nach eigenen Worten Bier und konsumierte Kokain. Zuvor hatte er von seiner jahrelangen Drogensucht berichtet, die ihn wiederholt in Therapieeinrichtungen geführt habe. Er sei aber immer wieder rückfällig geworden.

Angeklagte belasten sich gegenseitig

Wesentliche Punkte der Anklage wies der Mann zurück. So habe er den 39-Jährigen nicht beraubt und ihn auch nicht mit einer Kettensäge bedroht. Das Gerät sei an jenem Tag gar nicht im Garten gewesen. Auch dass er gedroht habe, den Mann und dessen Lebensgefährten umzubringen, wenn sie zur Polizei gingen, wies er zurück. Zudem belastete er den zweiten Angeklagten, der ebenfalls auf das Opfer eingeprügelt und ihm unter anderem einen Zahn ausgeschlagen haben soll.

Dieser ließ über seinen Anwalt erklären, die Vorwürfe der Anklage seien „größtenteils unzutreffend“. Er habe sich nicht mit dem anderen Angeklagten abgesprochen und das Opfer zwar einmal geschlagen, den Tatort aber später verlassen, um Bier zu kaufen. Schläge mit einem Axtstiel oder eine Bedrohung mit der Kettensäge habe er nicht mitbekommen. Nach seiner Rückkehr in die Gartenanlage habe er Polizei und Rettungskräfte alarmiert.

Am Freitag soll der Prozess mit der Aussage des Opfers fortgesetzt werden.

Von Hannes Stepputat / dpa

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