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Rostock RSAG-Busse sollen Radler schützen
Mecklenburg Rostock RSAG-Busse sollen Radler schützen
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15:32 12.06.2019
Simone Neitzel und Steffen Pannwitz freuen sich darauf, die neuen Busse zu fahren. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Simone Neitzel freut sich. Seit 2012 ist die 29-Jährige bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) angestellt und steuert Bahnen und Busse durch die Hansestadt. „Ein paar brenzlige Situationen gab es schon, gerade durch die zunehmende Zahl an Radfahrern. Aber einen Unfall hatte ich zum Glück noch nie“, sagt Neitzel. Künftig ist die 29-Jährige noch sicherer unterwegs. Denn bei den sechs neuen Fahrzeugen der insgesamt 74 Busse umfassenden RSAG-Flotte wurden Abbiege- und Notbremsassistenten eingebaut.

Warnung durch Lichtsignale und Vibration am Sitz

Letzterer ist bei Reisebussen schon Pflicht. „Bei den Stadtbussen hat die RSAG als erstes Unternehmen in Norddeutschland freiwillig Notbremsassistenten eingebaut“, sagt André Herrmann von Mercedes Benz. Der kleine Kasten, der für mehr Sicherheit sorgen soll, liegt versteckt an der Vorderseite des Busses hinter dem Symbol der Automarke – dem Stern. Von dort aus werden Radarstrahlen ausgesendet, die spontane Hindernisse oder Menschen, die überraschend auf die Straße laufen, auf fünf Meter erkennen, was dann „einen Bremsruck auslöst“, wie Herrmann erklärt.

Zum Schutz der stehenden Fahrgäste im Bus wird bewusst keine automatische Vollbremsung ausgelöst, um Stürze zu vermeiden. „Der Fahrer kann jederzeit eingreifen und entscheiden, wie stark er dann bremsen oder wie er angemessen auf die Situation reagieren muss“, erklärt der Vertreter des Bus-Herstellers.

Der Abbiegeassistent wird durch einen kleinen schwarzen Kasten an der Seite des Busses gesteuert. Auch der erfasse mittels Radarstrahlen, die sowohl nach vorn und hinten als auch seitlich ausgesendet werden, ob es Hindernisse gibt, die zu einer Kollision führen könnten. Sollten sich Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel befinden, erhält der Fahrer in seinem Sichtbereich eine Warnung durch ein orange aufleuchtendes Dreieck. Reagiert er nicht und will trotz drohender Gefahr abbiegen, färbt sich das Dreieck rot. „Und der Sitz des Fahrers vibriert“, sagt Herrmann.

Damit sollen Unfälle, wie sie vor allem zwischen Lkw und Radfahrern häufiger vorkommen, für die städtischen Busse, die bis zu 18 Meter lang sind, präventiv ausgeschlossen werden.

Keine Elektrobusse ohne Fördermittel von Bund oder Land

„Beide Systeme kosten pro Fahrzeug eine vierstellige Summe mehr. Da haben wir nicht lange gezögert, das ist gut investiertes Geld“, sagt RSAG-Vorstand Jan Bleis. Insgesamt seien für die sechs neuen Busse rund 2,1 Millionen Euro ausgegeben worden.

Dass es sich bei den Neuanschaffungen um Diesel- und nicht um Elektrobusse handelt, sei laut Bleis mangelnder Förderung geschuldet. „Elektrobusse sind doppelt so teuer wie die Dieselbusse und das können wir aus eigener finanzieller Kraft nicht stemmen. Bundesfördermittel gingen bisher aber immer an Großstädte mit Grenzwertüberschreitung. Dafür ist unsere Luft noch zu gut“, sagt der Vorstand.

Dennoch würde die RSAG am Ziel der Umrüstung auf E-Busse festhalten. Ohne finanzielle Unterstützung von Bund oder Land ginge das aber nicht. „Sonst müssten das am Ende die Fahrgäste bezahlen und das wollen wir natürlich auch nicht.“

Details zu den neuen Bussen

Die sechs neuen Busse stammen von der Marke Mercedes Benz Citaro und verfügen über Motoren mit Euro-VI-Norm sowie Abbiege- und Notbremsassistenten. Die vier Gelenkbusse sind jeweils 18 Meter lang und haben 47 Sitz- sowie 105 Stehplätze und eine Motorleistung von 360 PS. Die zwei neuen Standardbusse haben 32 Sitz- und 79 Stehplätze sowie eine Motorleistung von 300 PS. Alle Busse sind barrierefrei und die Türen stufenlos begehbar. Außerdem gibt es eine Absenkmöglichkeit an der Seite, das sogenannte Kneeling. An der zweiten Tür gibt es jeweils eine Klapprampe samt Rollstuhlplatz, bei den Gelenkbussen auch an der dritten Tür. Die Edelstahl-Haltestangen sind an den Eingängen gelb gestaltet, um Sehbehinderten den Zugang zu erleichtern.

Auch das Design wurde erneuert – mit einem Fußbodenbelag in Laminatoptik und neuen Sitzbezügen. Das Nadelvlies der Seitenbezüge soll die Geräusche im Inneren dämpfen, für die Belüftung sorgen Klimaanlagen. Jeder Bus verfügt über einen Fahrscheinautomaten sowie Videoüberwachung.

Aktuell betreibt die RSAG rund 21 Buslinien in Rostock. Die 74 Busse legen dabei jährlich rund 4,3 Millionen Kilometer zurück.

Busse erfüllen moderne Abgasnormen

Bei der kontinuierlichen Modernisierung der Busflotte würde laut Bleis dennoch auf Umweltschutz geachtet. „Rund 92 Prozent der Fahrzeuge weisen schon die aktuellste Abgasnorm Euro-VI oder den davor geltenden EEV-Standard auf. Und da wird auch nicht an den Werten geschummelt“, sagt er. Voraussichtlich kommendes Jahr würden die letzten Busse außer Betrieb genommen, die diese Standards nicht erfüllen.

Generell sei die Laufzeit der Busse mit zwölf, maximal 14 Jahren angegeben. Um die Fahrzeuge gut in Schuss zu halten, würde mehr gemacht als vorgeschrieben, sagt Jan Schollenberg, der bei der RSAG als Ausbilder tätig ist. „Obwohl es erst ab dem vierten Jahr nach Zulassung nötig ist, werden unsere Busse direkt nach Inbetriebnahme in einen dreimonatigen Rhythmus der Sicherheitskontrollen eingetaktet“, sagt er. Zusätzlich stünde einmal jährlich eine Hauptuntersuchung an.

Fahrer werden auf neue Systeme geschult

Auch die Mitarbeiter haben feste Termine. „Wir stellen sie dreimal pro Jahr für Weiterbildungsmaßnahmen frei“, sagt Schollenberg, der sich freut, dass es Bewerbungen aus ganz Deutschland für eine Mitarbeit im Fahrdienst der RSAG gibt.

Um auch die neuen Assistenzsysteme richtig nutzen zu können, würden alle Busfahrer jetzt noch eine entsprechende Schulung erhalten. Simone Neitzel hat sie schon bekommen. „Ich freue mich darauf, die neuen Busse zu fahren. Man muss im Straßenverkehrsalltag schon auf so viel achten, da ist jede zusätzliche Hilfe willkommen“, sagt die junge Frau.

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