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Rostock Roland Methling offiziell verabschiedet: Ein „Aktenvernichter“ taucht erst mal ab
Mecklenburg Rostock Roland Methling offiziell verabschiedet: Ein „Aktenvernichter“ taucht erst mal ab
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23:00 17.10.2019
Innenminister Lorenz Caffier (v. l.) mit Roland Methling, Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen und Bürgerschaftspräsidentin Regine Lück. In der Rostocker Kunsthalle wurde Methling am Donnerstag offiziell verabschiedet. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Rund sechs Wochen ist Rostocks Ex-Oberbürgermeister Roland Methling erst im Ruhestand. Aber eines ist klar: „Die Hausaufgaben sind schon verteilt“, erklärt Ehefrau Annegret. Alles Handwerkliche ist Aufgabe des Gatten – und da sei einiges liegen geblieben.

Ansonsten ist der Abschied ihres Mannes vom Rathaus noch zu frisch. „Aber wir holen schon jetzt immer mal wieder Erlebnisse und Ereignisse aus dem Gedächtnis, an die wir gern zurückdenken“, sagt Annegret Methling.

Unermüdlicher Kämpfer für das maritime Erbe

So war es auch am Donnerstagabend in der Kunsthalle. Auf Einladung von Bürgerschaftspräsidentin Regine Lück (Linke) und Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) waren rund 200 Wegbegleiter aus Methlings 14-jähriger Amtszeit gekommen, um ihn noch einmal offiziell zu verabschieden.

Rund 200 Wegbegleiter aus seiner 14-jährigen Amtszeit waren am Donnerstag zur Verabschiedung von Ex-Oberbürgermeister Roland Methling in die Kunsthalle gekommen.

Was in Erinnerung bleibe, seien Methlings Akribie, sein Fleiß und das Durchhaltevermögen sowie die Verbissenheit bei manchen Themen. „Er war für die Bürgerschaft auch eine Herausforderung“, sagte Karina Jens, die frühere Präsidentin des Gremiums. „Aber immer, wenn wir gemeinsam marschiert sind, waren wir auch stark“, ergänzte Eva-Maria Kröger, die Fraktionschefin der Linken. Neben der Entschuldung der Stadt stünde unter anderem auch der unermüdliche Einsatz für das maritime Erbe Rostocks, die Zukunftsideen für das Rostocker Oval und die guten Beziehungen der Stadt auf seinem „Bierdeckel“, so Kröger.

Sowohl Angriffe als auch Unterstützung

„Im Vorstand des Städte- und Gemeindetages hat Roland Methling auch die kleineren Orte immer mit Respekt behandelt, er war verbindend und fair“, lobte Reinhard Dettmann, der frühere Bürgermeister von Teterow. „Methling hat Rostock gut getan, dafür ein großes Kompliment. Mit ihm war Kontinuität da und unsere Zusammenarbeit ausgezeichnet“, bilanzierte Rosemarie Wilcken, die frühere Bürgermeisterin von Wismar.

Ebenfalls nur positive Worte für den Neu-Ruheständler fand John Breyder, Bürgermeister von Rostocks dänischer Partnergemeinde Guldborgsund. Obwohl jetzt ein Landsmann von ihm im Rathaus sitzt, hätte es auch mit dem deutschen Bürgermeister Methling nie Verständigungsschwierigkeiten gegeben. „Es heißt immer, in der Politik macht man sich niemals Freunde. Aber Roland und ich – wir sind Freunde für immer“, so Breyder.

Nicht ganz so euphorisch war Sybille Bachmann, die 2012 bei der Bürgermeisterwahl gegen Methling angetreten war. „Die Zusammenarbeit war schwankend, wir haben uns sowohl angegriffen als auch unterstützt. Roland Methling hat auch viel Vertrauen verspielt. Er wollte immer mit dem Kopf durch die Wand“, so die Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Freie Wähler.

Papierstapel für den Nachfolger hinterlassen

Davon konnte auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) berichten. Schließlich sei Methling gerade in Zeiten der großen Schulden regelmäßig in Schwerin gewesen, um etwas für seine Stadt herauszuholen. Nie hätte Caffier einen solchen „Aktenvernichter“ wie Roland Methling kennengelernt, der sich dicke Aktenstapel sogar mit ins Ferienhaus nahm und immer alles lesen wollte.

Nachfolger Claus Ruhe Madsen hat damit noch bis heute zu tun: Nicht nur, dass der Bürgermeisterstuhl noch warm gewesen sei, als er ihn übernahm: „Ich habe drei Tage lang kämpfen müssen, um mal den Schreibtisch sehen zu können.“ Methling hätte ihm eine „wahnsinnig gute Verwaltung“ hinterlassen – streng geführt, aber auch daran gewöhnt, für den Bürgermeister alles auszudrucken. Selbst E-Mails, die eigentlich einen Link enthalten, so Madsen schmunzelnd.

Er hätte bereits vor dem Amtsantritt Hochachtung vor seinem Vorgänger und dem Amt gehabt. Nach den ersten Wochen sei es nun „mega Respekt“. Aber es sei auch nicht leicht, eine Stadt zu übernehmen, die „Champions League“ spielt, und nicht mehr Bezirksklasse, wie zu Methlings Amtsantritt. Den Status zu halten, sei auch deshalb schwer, weil die verbesserte Finanzlage unzählige Begehrlichkeiten weckt. Madsen will nun alles tun, „damit sich die Menschen nicht in ein paar Jahren fragen: ,Warum hatten wir nur diese blöde Altersgrenze für die OB-Wahl’“.

Zeit für die Enkel und den Tauchschein

Dass er vielleicht gern noch einmal angetreten wäre, das leugnete Methling am Donnerstag nicht. „Ich übe noch ein bisschen, aber Loslassen ist wichtig. Und es ist auch gut, dass eine neue Etappe für die Stadt beginnt“, so Methling. Rostock sei gut aufgestellt und hätte im August mehr als 40 Millionen Euro auf dem Konto gehabt. Ob er die entsprechenden Zugangsdaten für die Bank noch kennt und das Haushalten seines Nachfolgers überwachen kann – darauf antwortete Methling nur mit einem Lächeln.

Er freue sich auf alles, was nun kommt. Auf mehr Zeit mit der Familie, zu der mittlerweile fünf Enkel gehören und auch darauf, endlich offiziell abzutauchen: Bisher hätte er nämlich zwar schon einen Tauchkurs, aber nie die entsprechende Prüfung gemacht.

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Von Claudia Labude-Gericke

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