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Rostock Rollmops am Kran: Ungewöhnliche Stadtansichten von Rostock
Mecklenburg Rostock Rollmops am Kran: Ungewöhnliche Stadtansichten von Rostock
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17:41 28.02.2019
Felix Fugenzahn nahm sich für seinen künstlerischen Beitrag den autobiografischen Text „Sehnsucht und Mitgefühl“ des Schriftstellers Peter Wawerzinek vor. Dieser beschreibt, wie er als Kind durch den Fischereihafen stromert sowie seine Vorliebe für Sprotten und Rollmops. Quelle: Thomas Häntzschel
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Rostock

So hat man Rostock wohl noch nie gesehen: Hier wächst eine Koralle aus einem Gebäude in Form einer Wodka-Karaffe, da springt ein riesiger Fisch über ein Hausdach, ein Schiff segelt durch einen Hügel und ein riesiger Rollmops baumelt an einem Hafenkran. Was skurril klingt, ist ein kreativer Beitrag der Rostocker Kunstszene zum Doppeljubiläum der Hansestadt. 15 Bilder und Texte enthält die Grafikmappe „Rostocker Ansichten“, die jetzt in einer sehr kleinen Auflage erschienen ist.

„Die Idee zu der Mappe hatten wir 2015, als wir uns überlegten, wie der Kunstverein das Stadtjubiläum begleiten kann“, erklärt der Vereinsvorsitzende Thomas Häntzschel. Acht Ausstellungen hatte der Verein 2018 organisiert, die Sammelmappe ist sozusagen das Sahnehäubchen im Nachklapp. „Es sollte auch einen literarischen Bezug geben, also haben wir Kontakt zum Literaturhaus aufgenommen“, so Häntzschel. Das Konzept sah vor, dass sieben Autoren lyrische Texte und Gedichte verfassen und die bildenden Künstler sie dann im wahrsten Sinne des Wortes untermalen.

So sehen Künstler ihre Hansestadt – inspiriert durch Gedichte und lyrische Texte

Zu 100 Prozent ging das Konzept nicht auf, denn mit Wolfgang Friedrich hat sich noch ein achter Künstler „reingeschmuggelt“, wie Häntzschel ironisch anmerkt. Friedrich gestaltete einen Grundriss der Innenstadt, der sich auch auf dem Deckel der Mappe wiederfindet. „Man stellt fest, dass Rostock einen sehr schönen Grundriss hat, da kann man immer wieder hinreisen“, sagt Friedrich, der auch besondere Details in seine Grafik eingebaut hat: „Sie enthält Geheimwege durch die Grünanlagen, die ich auch selber nutze. Leider sind einige derzeit durch Bauarbeiten versperrt.“ Zu sehen ist auch das Rostocker Wappentier, das Friedrich ein wenig gezähmt hat: „Der Greif ist nicht aggressiv, sondern ein liebes Tier.“

Für Friedrichs Bild gab es keine literarische Vorlage, für die restlichen sieben dagegen schon. Arne Boysen etwa bebilderte das Gedicht „Kempowski-Ufer“ von Friederike Haerter, die darin ihre Impressionen von einem windigen Novembernachmittag am Stadthafen verarbeitet. „Im Text liegt eine gewisse Melancholie. Ich habe versucht, die Stimmung für mich zu ergründen“, sagt Boysen. Herausgekommen ist eine düstere Sicht auf die Marienkirche durch die Straßen, die vom Stadthafen zu ihr heraufführen.

60 Tonnen Rollmops am Kran

Der Journalist und Autor Frank Schlößer hat den Text „Primelberg“ beigesteuert. Die archäologischen Ausgrabungen in Dierkow haben ihn zu einer Zeitreise inspiriert: „Hier legen die Schiffe an. Sie kommen von den Rändern unserer Welt. Mit Sklaven, mit Silber, mit Bernstein. Hier haben wir gelebt, hier sind wir gestorben“, heißt es darin. Wiebke Loseries griff dieses Thema in ihrem Siebdruck auf: Er zeigt einen aufgeschnittenen Hügel, in dem ein historisches Schiff steckt.

Felix Fugenzahn nahm sich für seinen ungewöhnlichen künstlerischen Beitrag den autobiografischen Text „Sehnsucht und Mitgefühl“ des Schriftstellers Peter Wawerzinek vor. Dieser beschreibt, wie er als Kind durch den Fischereihafen stromert sowie seine Vorliebe für Sprotten und Rollmops. Fugenzahn hat beide Themen zusammengefasst: „Ich wollte die Schwermütigkeit im Text umkehren und habe einen 60-Tonnen-Rollmops daraus gemacht, den ich an einen Kran gehängt habe.“ Und so zeigt sein Bild einen Hafenkran mit gerolltem Heringsfilet am Haken.

100 nummerierte Mappen hat der Kunstverein drucken lassen. Die ersten 50 sind ein Geschenk an die Stadt, die sie möglichst an hochrangige Besucher weiterreichen soll, erklärt der Vereinsvorsitzende Häntzschel, „damit die Gäste sehen, welches besondere künstlerische Schaffen die Stadt hervorbringt.“ Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) bedankte sich mit einem Lob an die Rostocker Kunstszene: „Das ist ein starkes Ensemble, das unsere Stadt prägt.“ Das erste Exemplar soll an den Bildhauer Jesper Neergaard gehen, der zum Stadtgeburtstag in Rostock und in der dänischen Partnerstadt Guldborgsund zwei korrespondierende Kunstwerke geschaffen hatte.

Axel Büssem

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