Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Gibt es in Rostock bald WLAN in Bus und Bahn?
Mecklenburg Rostock Gibt es in Rostock bald WLAN in Bus und Bahn?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:38 23.02.2019
Studentin Aileen Raddatz nimmt ihr Smart-Pad mit in die Straßenbahn. Doch auf WLAN muss sie weiter warten. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Wer mit der Straßenbahn vom Südblick zur Mecklenburger Allee fährt, braucht dafür rund 54 Minuten. Genug Zeit, um zu lesen, auf dem Handy die Folge einer Serie zu schauen oder einem Hörbuch zu lauschen. Doch das Datenvolumen für mobiles Internet ist bei vielen begrenzt – und teuer. Der Wunsch nach freiem WLAN in Bus und Bahn ist aber nicht nur bei den Nutzern da: Auch die OB-Kandidaten setzen in puncto Nahverkehr auf weitere Digitalisierung.

Sybille Bachmann hält WLAN im öffentlichen Personennahverkehr für ein Angebot, das selbstverständlich sein sollte. „Was andere Städte bundesweit schaffen, sollte auch in Rostock machbar sein. Zugleich dürfen die Kosten nicht auf die Fahrpreise aufgeschlagen werden“, erklärt die Kandidatin, die für die Fraktion Rostocker Bund ins Rennen um das Bürgermeisteramt geht.

Bereits im Jahr 2011 konnte Steffen Bockhahn erleben, dass kostenfreien mobiles Internet im Nahverkehr möglich ist. „Das war in Tel Aviv und ich war begeistert. Freies WLAN in Bus und Bahn ist großartig und wünschenswert“, sagt der Sozialsenator, der für die Linke als Bürgermeister-Kandidat antritt. „Aber man darf die RSAG mit den Kosten nicht alleine lassen. Dass die Fahrpreise noch weiter steigen, weil man WLAN einführt, kann keiner wollen.“

WLAN bietet auch Vorteile fürs Unternehmen

Dass die RSAG mit App und Handyticket bereits auf einem guten Weg ist, findet Dirk Zierau. Dennoch könnte das Angebot von WLAN der Attraktivitätssteigerung des Rostocker Nahverkehrs dienen, meint der Kandidat der UFR-Fraktion. Auch für das Unternehmen würden sich dadurch Vorteile ergeben, „da das Dashboard des WLANs in Echtzeit anonyme Daten zu Nutzer- und Fahrverhalten liefern kann. Das optimiert letztlich die Einsatzplanung und spart Verkehrszählungen“, sagt der Personalchef der Stadtverwaltung.

„Zu einem modernen öffentlichen Nahverkehr gehört perspektivisch auch WLAN. Spätestens im Zuge der Erneuerung der Straßenbahnflotte sollte die Umsetzung möglichst mit Unterstützung von Fördermitteln realisiert werden“, sagt Uwe Flachsmeyer. Die Notwendigkeit von mobilem Internet ist für den OB-Kandidaten der Grünen aber dennoch nicht oberste Priorität: „Wichtiger ist ein großes Strecken- und ein attraktives Preisangebot“, sagt er. Priorität hat für Flachsmeyer deshalb die Einführung eines 365 Euro-Jahrestickets, mit dem man für einen Euro am Tag das ganze Jahr Bus und Bahn fahren könne.

RSAG lehnt Umrüstung aus Kostengründen ab

Doch auch, wenn die Rufe danach laut sind: „Bei uns ist WLAN momentan kein Thema“, sagt Beate Langner, Sprecherin der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Hauptargument für die ablehnende Haltung des Nahverkehrsanbieters sind die Kosten. Langner zufolge seien Umrüstung und Installation eines verlässlich funktionierenden Systems für drahtloses Internet aufwendig und relativ teuer. „Hauptschwierigkeiten sind die laufenden Provider-Kosten von circa 100 000 Euro pro Jahr und weitere Investitionskosten für die entsprechende Ausstattung der Fahrzeuge sowie für die Infrastruktur“, erklärt die Sprecherin. Dennoch hätte das Unternehmen die technische Entwicklung im Blick „Wir beobachten den Markt inklusive der Fördermöglichkeiten, um gegebenenfalls doch in dieser Richtung aktiv zu werden“, so die Sprecherin.

„Sicher ist es richtig, wenn die RSAG auf Wirtschaftlichkeit achtet und nicht gleich jede Mode oder Trend mitmacht“, sagt IHK-Präsident Claus Ruhe-Madsen – „es müsste aber auch Jedem klar sein, dass das Internet gekommen ist, um zu bleiben“. Laut des OB-Kandidaten, der von CDU und FDP unterstützt wird, müsse das Unternehmen aber als „moderner Dienstleister mit der Zeit gehen, um Kunden über Qualität und Mehrleistungen abzuholen“, sagt er.

Der gleichen Meinung ist auch Chris Müller- von Wrycz Rekowski: „Wenn wir die Menschen zum Umstieg in Busse und Bahnen bewegen wollen, dann brauchen wir nicht nur Pünktlichkeit und gute Anschlüsse, sondern auch bestmöglichen Komfort“, sagt Rostocks Finanzsenator, der für sie SPD als Bürgermeister kandidiert. „Deshalb wünsche ich mir, dass die RSAG WLAN in ihren Fahrzeugen anbietet, sobald es zuverlässige und erschwingliche technische Lösungen gibt. Hierfür böte sich eine Zusammenarbeit mit der Stadtwerke Rostock AG an.“

Schwerin hängt Rostock bei digitalem Nahverkehr ab

Genau so läuft es gerade in Schwerin. Denn während die Rostocker weiter auf WLAN in Bus und Bahn warten müssen, sind die Nahverkehrsbetriebe der Landeshauptstadt schon weiter: In Kooperation mit den Stadtwerken werden bis zum Sommer dieses Jahres alle 40 Busse und 30 Straßenbahnen mit WLAN ausgerüstet. Wer den Nahverkehr nutzt, kann pro Tag eine Stunde umsonst im Drahtlosnetzwerk surfen oder sich für einen Euro einen 24-Stunden-Pass sichern.

Grundsätzlich möglich wird das Betreiben eines kostenlosen WLAN-Angebots in Bus und Bahn durch eine Änderung des Telemediengesetzes, die 2017 in Kraft getreten ist. Mit der Neuregelung wurde die sogenannte Störerhaftung abgeschafft. Das bedeutet, dass Anbieter eines offenen WLANs nicht mehr das Risiko haben, kostenpflichtig abgemahnt zu werden, falls Nutzer illegale Inhalte aus dem Internet abrufen.

Claudia Labude-Gericke

Mario Sunmir Scheinhardt ist Kunstfotograf aus Leidenschaft. Auch in diesem Jahr möchte er eines seiner Bilder bei „Rostock kreativ“ ausstellen. Die Schau geht in die zehnte Runde.

23.02.2019

140 Polizisten im Einsatz / Auseinandersetzung am Kleinen Warnowdamm

23.02.2019

Frau Hauptgefreiter Yvonne Dickopf entschied sich vor drei Jahren für den Dienst an der Waffe. Warum sie diesen Weg erst nach einem langen Berufsleben einschlug, erzählt sie im Gespräch.

23.02.2019