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Rostock Rostock: Hier lösen Schüler die größten Probleme der Welt
Mecklenburg Rostock Rostock: Hier lösen Schüler die größten Probleme der Welt
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20:32 24.05.2019
Statt für Matheaufgaben wollen sie Lösungen für globale Krisen finden: Lina Schultz (v. l.) und Louis Tarik Kienitz vom CJD-Gymnasium sowie Petr Olšan und Magdaléna Janebová aus der Tschechischen Republik vertreten bei der BALMUN-Konferenz Libanon, Kuwait, Italien und Japan. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Simon Johannssen hat sich viel vorgenommen: Er will die Welt verändern und gemeinsam mit Diplomaten aus aller Herren Länder Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit finden. Dafür nimmt er an der Konferenz der Vereinten Nationen teil. Die findet allerdings nicht im UN-Hauptquartier in New York City statt. Die Delegierten tagen in Rostock. Dort, wo sonst Schüler fürs Abitur büffeln, wird über globale Krisen debattiert.

Vorbild Vereinte Nationen

Das Innerstädtische Gymnasium (IGS) ist Schauplatz eines besonderen Planspiels: Zum zwölften Mal fand hier am Wochenende die Baltic Model United Nations, kurz: BALMUN, statt. Dabei stellen Schüler eine UN-Generalversammlung nach und imitieren deren Arbeit. 350 Politikinteressierte im Alter von 14 bis 20 Jahren mit insgesamt 26 Nationalitäten nahmen teil.

Bilder der Baltic Model United Nations:

Weltpolitik in Rostock: BALMUN-Konferenz am Innerstädtischen Gymnasium

Dress to impress

Weltbewegendes wird in feinem Zwirn diskutiert: Statt in Jeans, Shirt und Sneakern erscheinen die Schüler in Anzug, Kostüm oder Kleid in der IGS-Aula. Auch die ist perfekt inszeniert. Auf ellenlangen Tischen stehen die Fahnen der Mitgliedstaaten, Videoleinwände sind aufgebaut, Mikros installiert. Gleich geht’s los.

Der Generalsekretär ist begeistert

Am Bühnenrand steht Simon Johannssen und schaut fast ungläubig zu, wie nach und nach hunderte „Delegierte“ ihre Plätze einnehmen. „Wahnsinn. Vor einem Jahr haben wir mit der Planung angefangen. Mit zehn Leuten und quasi bei null. Und jetzt das hier.“ Seit vier Jahren ist der 18-Jährige Teil des BALMUN-Organisationsteams. „Eine große Leidenschaft“, sagt der Zwölftklässler, der heute in die Rolle von UN-Generalsekretär António Guterres schlüpft.

Kompromisse aushandeln

Magdaléna Janebová vertritt die Interessen Japans, dabei ist die Schülerin eigentlich in Tschechien zu Hause. Genau wie ihr Banknachbar Petr Olšan. Der ist heute allerdings als Abgesandter Italiens gefragt. Zwischen dem Mittelmeerland und der Inselnation im Pazifik liegen Welten – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Da heißt es Kompromisse finden.

Debatte mit Lerneffekt

Klimawandel, humanitäre Hilfen für Krisengebiete, Menschenrechte und der Umgang mit immer knapper werdenden Ressourcen: Im Dialog miteinander Lösungen für echte Probleme in der Welt zu erarbeiten – darum geht es hier allen Schülern. Dabei lernen sie Verhandlungsstrategien, Umgangsformen und verbessern zugleich ihre Sprachkenntnisse.

Englisch, bis die Rübe raucht

Während der drei Konferenztage wird ausschließlich Englisch gesprochen. Da rauche einem am Abend ganz schön der Kopf, gesteht Tom Spreemann und lacht. Zurückhalten wird sich der 16-Jährige mit Redebeiträgen dennoch nicht. Im Gegenteil. „Schade, dass ich nicht an allen Gesprächsrunden teilnehmen kann.“

Erfahrung fürs Leben

Die BALMUN-Teilnehmer tagen in Gremien wie Sicherheitsrat oder UN-Generalversammlung. „Dabei erleben sie ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit“, sagt Schulleiter Markus Riemer. Heißt: Die Jugendlichen stellen fest, dass sie aus eigener Kraft selbst für schwierigste Probleme eine Lösung finden können. „Eine wertvolle Erfahrung fürs Leben“, sagt Riemer.

Lindner Lügen strafen

FDP-Chef Christian Lindner hatte Schülern kürzlich die Kompetenz abgesprochen, in der Klimapolitik globale Zusammenhänge zu erkennen. Das sei eine Sache „für Profis“. Dass sie durchaus wissen, wovon sie reden, wollen die BALMUNis beweisen. Von denen trifft sich der harte Kern sogar wöchentlich, um nach Schulschluss komplexe Themen wie eben den Klimawandel ernsthaft zu erörtern.

„Realistischer als Wahlkampf

Rostocks Schulsenator Steffen Bockhahn (Linke) zeigt sich beim Auftakt des Model-UN-Gipfels im IGS begeistert. „Die Diskussionen sind erstaunlich realistisch.“ Das Planspiel der Schüler habe mit der Wirklichkeit mehr gemein als viele Versprechen, die im Wahlkampf der Rostocker Oberbürgermeisterkandidaten gefallen seien.

Weltverbesserer lassen’s krachen

Bei aller Seriosität soll der Spaß nicht zu kurz kommen. Am Samstagabend tauscht „António Guterres“ alias Simon Johannssen Schlips und Jackett gegen lässige Kleidung ein. Bevor die BALMUN-Konferenz am Sonntag zu Ende geht, ist für die Weltverbesserer im Peter-Weiss-Haus Party angesagt. Multikulti und Musik – wenn das nicht nach perfekter Völkerverständigung klingt.

Vorbild internationale Spitzenpolitik

350 Teilnehmer mit insgesamt 26 Nationalitäten nehmen bei der diesjährigen Baltic Model United Nations, kurz: BALMUN, teil. Die mehrtägige Veranstaltung wird von Schülern organisiert. Sie simuliert die Konferenz der Vereinten Nationen und findet seit 2008 jährlich im Innerstädtischen Gymnasium Rostock statt. Übergeordnetes Thema der 12. Auflage ist der Aufbau lokaler Volkswirtschaften, um globalen Wohlstand zu erreichen. Debattiert werden beispielsweise aktuelle Umweltthemen und Weltwirtschaftsfragen.

Model-United-Nations-Konferenzen (MUNs) finden in vielen Städten Deutschland statt. Bei diesen Planspielen schlüpfen die Teilnehmer in die Rolle von Delegierten bei den Vereinten Nationen und debattieren in simulierten Gremien, wie dem Sicherheitsrat oder der Generalversammlung, über weltpolitische Themen, handeln Kompromisse aus und verabschieden Resolutionen.

Weitere Infos unter: www.balmun.de und www.model-un.de

Antje Bernstein

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