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Rostock In MV steigen die Preise: So teuer werden Pralinen, Schokolade und Co.
Mecklenburg Rostock

Rostock: Manufakturen + Cafés in MV erhöhen Preis für Schokolade + Torte

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11:00 27.11.2021
Kakaobohnen werden immer teurer und damit steigen auch die Preise für die Schokolade. Hanna (9) aus Nienhagen mag Schokolade über alles, am liebsten die mit Nüssen.
Kakaobohnen werden immer teurer und damit steigen auch die Preise für die Schokolade. Hanna (9) aus Nienhagen mag Schokolade über alles, am liebsten die mit Nüssen. Quelle: Frank Söllner
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Rostock/ Waren

Bittere Nachricht für Süßigkeiten-Fans und das so kurz vor Weihnachten: Um sich mit Schokolade und Torte die Adventszeit zu versüßen, müssen sie demnächst tiefer in den Geldbeutel greifen. Chocolatiers und Konditoren aus Mecklenburg-Vorpommern kündigen Preiserhöhungen an.

Beim Bäcker oder im Cafés wird es teurer, sagt Matthias Grenzer. Er ist Inhaber der Konditorei Wegner in Rostock. Als Innungsmeister der Bäcker und Konditoren in MV weiß er, wo es im Handwerk hapert: Die Branche kämpfe mit Lieferengpässen und explodierenden Weltmarktpreisen. Rohstoffe sind nicht verfügbar oder teuer.

Nicht zu kalt und nicht zu warm: Schokolade mag es wohl temperiert bei 12 bis 18 Grad. Quelle: Robert Günther/dpa

Beispiel Kakao und Schokoladenerzeugnisse: Von Juli 2020 bis heute sei der Einkaufspreis im Schnitt um gut 15 Prozent in die Höhe geschnellt. „Schon seit Jahren beobachten wir diesen Trend. Schwankende Ernteerträge sowie die politische Lage in den Erzeugerländern tragen zu dieser Entwicklung bei“, so Grenzer.

Noch saftiger fällt die Teuerung beim Tiefkühlobst aus: Der Preis für TK-Himbeeren habe sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Grund sei eine durch Frost verspätete Obstblüte. Insgesamt müssen Bäcker und Konditoren „bis zu 20 Prozent mehr als im Vorjahr für Rohstoffe zahlen“. Hinzu kämen steigende Energie- und Personal- sowie Logistikkosten, die Preise für Kuchen und Torten hochtreiben.

Naschkatzen-Nation

Deutsche Verbraucher lieben Schokolade. Laut Statistik vernascht jeder von uns rund 9 Kilo pro Jahr – Platz zwei im europäischen Vergleich. Nur in der Schweiz wird davon pro Kopf noch mehr konsumiert. In der Herstellung von Schokoladenwaren ist die deutsche Süßwarenindustrie die größte auf dem europäischen Kontinent. Der Hauptrohstoff wird zum Großteil aus Afrika importiert: Die führenden Erzeugerländer von Kakao sind die Elfenbeinküste und Ghana.

Saftige Aufschläge bei Kakao, Kaffee und Sahne

Das Süßwarengeschäft sei zurzeit kein Zuckerschlecken, bestätigt Ullrich Deprie. Er betreibt die Schokoladerie de Prie mit Filialen in Rostock, Güstrow und Stralsund. Die Läden könne er aktuell nicht mit der Fülle an Produkten bestücken, die Kunden gewohnt seien. Ihm fehlen schlicht Rohstoffe, um bestimmte Naschereien herzustellen. Grund sei die Verkettung vieler Faktoren wie Ernteausfälle auf Plantagen oder Mangel an See-Containern. Selbst Jutesäcke, in denen Bohnen verpackt werden, seien kaum zu kriegen.

Gerade erst hat Deprie wieder eine Hiobsbotschaft bekommen: Eine eine längst überfällige Kakaobestellung trifft erst am 9. Dezember ein. Viel zu spät, um daraus Schokofiguren für das wichtige Weihnachtsgeschäft herzustellen, beklagt Deprie. „Daraus werd’ ich dann wohl für Ostern Hasen machen müssen.“ Problem: Was jetzt nicht produziert wird, wird nicht verkauft. Ergo fehlt Geld für neue Einkäufe.

Auch die Rechnungen seiner Lieferanten schmecken dem Schokoladenmacher nicht. Der Kilopreis für Kakao habe sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Bei Kaffee müsse er das Dreifache investieren. Für Schlagsahne zahle er einen Euro mehr pro Liter als im Vorjahr. „Das klingt nicht viel. Aber wir stellen damit im Jahr 3000 Torten und 6000 Liter Trinkschokolade her. Da kann man sich ausrechnen, das es um viel Geld geht. Da geht’s um Summen im fünfstelligen Bereich.“

Keine Kartons für Adventskalender

Eine Nahaufnahme von Wellpappe ist zu sehen. Quelle: Dierk Bullerdieck7dpa

Weiteres Ärgernis: Verpackungen lassen auf sich warten. Die Kartonagen für Depries Adventskalender treffen normalerweise im August ein, werden von Hand befüllt und ab Oktober verkauft. Diesmal trafen die Kartons erst Ende Oktober ein. Die Angestellte mussten Überstunden einlegen, um den Verzug halbwegs abzufangen, bei Kunden war Geduld gefragt. Und das kann den Schokoladenhersteller teuer zu stehen kommen. Denn Deprie beliefert auch Firmenkunden und Supermärkte. Springen die ab, „mutiert die Schokoladerie zum Bistro“.

Immer wieder Kunden vertrösten, null Planungssicherheit – das sei für sein Team demotivierend, schildert Deprie. Was bedeutet die „Mangelwirtschaft“ für Endverbraucher? „Steigende Preise, weniger Auswahl, längere Wartezeiten auf besondere Artikel und verkürzte Öffnungszeiten“, fasst er zusammen.

Bei den Preiserhöhungen gehe es nicht um Cents sondern „Größenordnungen“. Ein Aufschlag von zehn Prozent sei wahrscheinlich. Sein Rat: Wer eine Hochzeit plant, sollte jetzt die Torte bestellen. „Dann zahlt man noch den alten Sahnepreis.“

„Kilian & Close“ – bis zu 50 Cent mehr pro Tafel

Ciarán Seán Close prüft im Melangeur, auch Conchiermaschine genannt, die Konstenz seiner Schokolade. Quelle: Michaela Krohn

Ciaran Close stellt mit Iveta Kilianova in Waren/Müritz unter dem Label „Kilian & Close“ feinste Schokoladen her. Auch er spüre die angespannte Weltmarktlage, habe sich aber frühzeitig darauf eingestellt. „Kakao wird bei richtiger Lagerung nicht schlecht, also kümmere ich mich schon im April um meine Rohstoffe für die Weihnachtsproduktion.“

Zudem beziehe er Bohnen seit Gründung seiner Manufaktur von den selben Kakaobauern. Die würden ihn im Gegenzug bevorzugen, wenn die Ernte mal etwas knapper ausfällt. „Wenn ich jedoch in Hamburg ab Hafen einkaufe, ist klar, dass ich die mit der Pandemie einhergehenden Engpässe ganz besonders zu spüren kriege.“

Dennoch kommt auch er nicht an steigenden Rohstoffpreisen vorbei. Anders als sonst wird er die Mehrkosten auf die Tafeln umlegen müssen, sagt Close. „Wir fangen leichte Anstiege selbst auf, aber dieses Jahr ist je nach Sorte mit bis zu 50 Cent mehr zu rechnen.“

Nur um auf Teufel komm raus bisherige Preise zu halten, werde er keine Abstriche bei der Qualität machen, betont der Chocolatier. „Die Qualität bei allen Zutaten ist das, was uns ausmacht.“ Sein Vorteil sei, dass er ausschließlich Fachhändler beliefere. Diese würden beim Wiederverkauf erklären, wie der höhere Preis zustande kommt. „Bislang zeigen sich unsere Kunden sehr verständnisvoll und kurbeln schon fleißig das Weihnachtsgeschäft an.“

Auch im Supermarkt müssen Kunden mehr berappen. Der Hersteller Ritter Sport hat kürzlich angekündigt, pro 100-Gramm-Tafel zehn Cent auf die unverbindliche Preisempfehlung draufschlagen zu wollen.

Von Antje Bernstein